«Zweifel sind nichts Schlechtes»

BRONSCHHOFEN. Bruder Raphael Fässler ist Oberer der Schweizer Franziskaner und neuer Wallfahrtspriester in «Maria Dreibrunnen». Er trat bereits im Alter von knapp 20 Jahren – kurz nach seiner Lehre als Dachdecker – in den Orden ein.

Ursula Ammann
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Bruder Raphael erachtet Maria Dreibrunnen als einen Ort mit grosser geistlicher Ausstrahlung. (Bild: Ursula Ammann)

Bruder Raphael erachtet Maria Dreibrunnen als einen Ort mit grosser geistlicher Ausstrahlung. (Bild: Ursula Ammann)

Den Trubel um die Neugestaltung des Wallfahrtsortes Maria Dreibrunnen im vergangenen Jahr hat Bruder Raphael Fässler nur am Rande mitbekommen. Rund zwei Monate nach der Urnenabstimmung ist er ins Pfarrhaus eingezogen – als Nachfolger von Bruder Fidelis Schorer, der im Glarnerland eine neue Stelle antrat.

Für Bruder Raphael war «Maria Dreibrunnen» nicht ganz unbekannt. Als Kustos der Schweizer Franziskaner hat er massgeblich zum Entscheid beigetragen, dass im Jahr 2011 an jenem Wallfahrtsort eine Niederlassung gegründet wurde. Die vierte in der Schweiz neben Näfels, Zürich und Eschenz. An letzterem Ort wirkte Bruder Raphael vor seinem Umzug nach «Dreibrunnen» elf Jahre lang.

Wie Puzzleteile

Priester ist der 47-Jährige bereits seit 20 Jahren. In den Orden trat er kurz nach seiner Lehre als Dachdecker ein. Aufgewachsen in einer katholischen Familie in Jona, hatte er sich bereits früh zum kirchlichen Leben hingezogen gefühlt. Einen ganz spezifischen Moment der Erleuchtung habe es bei ihm nicht gegeben, sagt Bruder Raphael. Vielmehr hätten «kleine Puzzleteile» zum Entschluss geführt, Mönch und Priester zu werden. «Ich hätte mir auch vorstellen können, eine Familie zu gründen», sagt er. «Aber ich stellte einfach fest, dass es eine Entscheidung braucht.» Das sei aber in einer Partnerschaft nicht anders, fügt er an. «Auch dort muss man sich für jemanden entscheiden, obwohl es noch andere rundherum gibt.»

Klar habe er schon Zweifel gehabt, ob das Leben im Orden wirklich das richtige sei, gibt Bruder Raphael zu. «Ich hatte aber das Glück, im Gebet oder im Gespräch mit anderen immer wieder zurück zur Berufung zu finden.» Zweifel seien für ihn aber nichts Schlechtes. «Sie drängen einem, seinem Leben tiefer auf den Grund zu gehen.» Austritte von Mönchen – ein prominentes Beispiel ist Beno Kehl – kann Bruder Raphael nachvollziehen, sofern sie auf einer wohlüberlegten Entscheidung beruhen und nicht auf einem momentanen Frust. «Wenn jemand zur Berufung nicht mehr mit dem Herzen Ja sagen kann, wird es schwierig.»

Religiöse Heimat

Als Priester und Wallfahrtsseelsorger hat Bruder Raphael seit seiner Ankunft in «Maria Dreibrunnen» schon einige Hochzeiten, Taufen und Gespräche erlebt. Er sei gut aufgenommen worden und fühle sich hier wohl. Auch merke er immer wieder, dass «Maria Dreibrunnen» ein Ort mit grosser geistlicher Ausstrahlung sei, sagt er. Ein Ort, der untertags von den verschiedensten Leuten aufgesucht werde. Sei es, um eine Kerze anzuzünden oder um für etwas zu beten. Das zeige sich auch in den vielen kleinen Wunschzetteln, welche die Besucher in einem Krug vorne auf dem Altar deponieren können. Wenn Bruder Raphael den Krug einmal wöchentlich leert, befinden sich jeweils 50 bis 70 Zettel darin. «Manchmal sind es Kinder, die darum bitten, dass sie eine Prüfung bestehen», erzählt er. Manchmal auch Patienten der Psychiatrischen Klinik, die den Wunsch haben, von Zwängen befreit zu werden. Wieder andere wünschen sich, dass jemand in der Familie wieder gesund wird.

Welchen Wunsch hat Bruder Raphael? «Eine grosse Frage», sagt er. «Ich würde mir wünschen, dass viele entdecken, dass der Glaube an Christus etwas Schönes und Befreiendes ist.»

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