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Zweifel noch nicht weggewischt: Neue Struktur der Wiler Hausdienste gibt immer noch zu reden

Auch drei Jahre nach der Reorganisation der Hausdienste bestehen seitens des Parlaments noch Bedenken an der Massnahme. Nun fordern Politiker von links bis rechts Antworten vom Stadtrat.
Gianni Amstutz
Hauswarte sollen nicht mehr für einfache Reinigungsarbeiten eingesetzt werden. (Bild: Michel Canonica)

Hauswarte sollen nicht mehr für einfache Reinigungsarbeiten eingesetzt werden. (Bild: Michel Canonica)

«Auch wenn die Hitze des politischen Gefechts abgenommen hat, lassen Vorstösse aus unterschiedlichen Lagern und Rückmeldungen aus der Bevölkerung vermuten, dass das neue Facility Management seinen Reifegrad noch nicht erreicht hat.»

Was FDP-Fraktionspräsident Adrian Bachmann in seiner Interpellation schreibt, bringt zum Ausdruck, dass die Zweifel bezüglich der Reorganisation der Hausdienste noch immer nicht weggewischt werden konnten. Wie um dies zu untermauern ist sein Vorstoss denn auch nur einer von zweien, die zu diesem Thema eingereicht wurden. Der zweite stammt von SP-Fraktionspräsidentin Silvia Amman und gleicht jenem von Bachmann wie ein Haar dem anderen.

Der Umstand, dass SP und FDP einen Vorstoss zum selben Thema einreichen, verdeutlicht, dass das Misstrauen gegenüber der 2016 vollzogenen Umstrukturierung in weiten Teilen des Parlaments noch immer vorhanden ist. Das war 2016 nicht anders, als das Parlament einen Marschhalt bei der Reorganisation der Hausdienste nur äusserst knapp ablehnte.

Rayons anstatt Betreuung an Ort

Auslöser für die Debatte war, dass die Mitarbeiter des Hausdienstes sich um nur 14 Stellen als Rayonverantwortliche beziehungsweise deren Stellvertreter bewerben konnten. Ergänzt wurde dieses Team mit Reinigungskräften. Parlamentarier beäugten diese Umstellung wegen verschiedener Aspekte kritisch.

Durch die Schaffung von Rayons fiel die Zuständigkeit eines Hauswarts für ein bestimmtes Schulhaus weg. Allen voran die SP befürchtete, dass damit der Kontakt zwischen Hauwart und den Schülern sowie Lehrern teilweise verloren gehen könnte. Die Mitarbeiter würden zu einer mobile Einsatztruppe, anstatt weiterhin wichtige Pfeiler im Schulalltag zu sein.

Ausserdem befürchtete die SP, dass die Reorganisation keine Verbesserungen bringen würde, sondern ein reine Sparmassnahme sei. Tatsächlich sah der Stadtrat in der Neuausrichtung der Hausdienste ein Sparpotenzial von 300000 Franken jährlich ab 2023. Einerseits wurde dies möglich, da die Stadt den Bestand an höher qualifiziertem Hauswartpersonal von 23 auf 14 reduzierte. Der Stadtrat garantierten den Angestellten aber eine Besitzstandwahrung von zwei bis sieben Jahren und bekräftigte, dass ein Stellenabbau nicht Ziel des Projekts sei.

Bei den Stundenzahlen und Pensen von Mitarbeitern könne es aber zu Verschiebungen kommen, was sich auf die Gesamtlohnsumme auswirke, liess der Stadtrat bei Einführung des neuen Systems verlauten.

Selbst von bürgerlicher Seite, die sonst Sparmassnahmen der Stadt tendenziell eher begrüssen, gab es Zweifel an der Richtigkeit dieses Schritts. SVP-Fraktionspräsident Büsser sagte an der Parlamentssitzung 2016: «Es wird am falschen Ort gespart.»

Alle Parteien waren sich darin einig, dass die Kommunikation des Stadtrats mangelhaft war. Dies hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass ein Entwurf der Interpellationsantwort an die Öffentlichkeit gelangte. Darin war in Bezug auf einige Hausdienstmitarbeiter von «fehlender Professionalität und Belastbarkeit» zu lesen.

Das System stösst auch bei Betroffenen auf Kritik

Nicht nur den Politikern, auch einem Teil der Lehrerschaft und des Hauswartdienstteams selbst stiess die Reorganisation sauer auf. So wollen denn sowohl Silvia Ammann als auch Adrian Bachmann vom Stadtrat wissen, ob es zu Kündigungen in Zusammenhang mit der Reorganisation gekommen sei und, ob die Fluktuation zugenommen habe. Dass Ersteres zutrifft, steht fest. So sagte Urs Kalberer, ehemaliger Hauswart im Alleeschulhaus bei seinem Abschied:

«Ausschlaggebend für meine Kündigung war die Reorganisation der städtischen Hausdienste.»

Die Strukturen hätten für ihn nicht mehr gepasst. So löste Kalberer das Arbeitsverhältnis mit der Stadt auf, «obwohl ich gerne dereinst im Alleeschulhaus pensioniert worden wäre», wie er sagte.

Der Stadtrat ist nun aufgefordert, aufzuzeigen, welche Verbesserungen durch die Reorganisation bewirkt werden konnten. Ausserdem steht noch immer die Frage im Raum, ob diese Vorteile nur mit vom Stadtparlament bereits 2016 befürchteten Nachteilen zu erreichen waren. Oder wie Adrian Bachmann es ausdrückt: «Angesichts der durchzogenen Bilanz scheint es nun angebracht, eine Beurteilung vorzunehmen, ob die Ziele erreicht wurden.»

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