Zwei Überschläge für Burt Reynolds

BRONSCHHOFEN. . «Wir haben keine Ahnung, wie es herauskommt», sagt Oliver Keller zum Publikum, stellt den peinlichen Versprecher aber sofort richtig: «Ich meine natürlich, dass wir schon wissen, wohin das Auto fliegt, aber eben nicht ganz genau!» Doch vorderhand fliegt gar nichts.

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Es stieben die Funken, es fliegen die Fetzen: Werbe-Action für einen Hollywood-Film.

Es stieben die Funken, es fliegen die Fetzen: Werbe-Action für einen Hollywood-Film.

BRONSCHHOFEN. «Wir haben keine Ahnung, wie es herauskommt», sagt Oliver Keller zum Publikum, stellt den peinlichen Versprecher aber sofort richtig: «Ich meine natürlich, dass wir schon wissen, wohin das Auto fliegt, aber eben nicht ganz genau!» Doch vorderhand fliegt gar nichts. «Safety Meeting», meint einer der herumirrenden Männer. Das Team trifft sich zur Sicherheitssitzung. Derweil zerbricht sich das Publikum über die drei geparkten Autos den Kopf. Das mittlere, ein grosser Audi, wird von fingerdicken Stahlseilen am Boden festgehalten. Davor steht ein Kleinwagen –was er für eine Funktion hat, kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Wozu der dritte Wagen, ein Peugeot, dienen soll, schon eher.

Über die anderen fliegen

«Das ist das Auto, das über die anderen fliegen wird», erklärt Keller. «Es hat eine Kunststoffscheibe hinter der Windschutzscheibe, wegen der Glassplitter. Ausserdem sieht man die Verstärkungen, damit der Fahrer nicht erdrückt wird. Das Dach ist mit einer Stahlplatte verstärkt wie auch der Fussbereich.» Dann kommt endlich Bewegung in die Sache. Der Fahrer Urs Inauen, Appenzeller, Stuntman, 25 Jahre alt, zwängt sich in den Peugeot, sein Chef Oliver Keller von der Firma «K-Stunts» zieht die Sicherheitsgurte fest. Schweissperlen rinnen über Inauens Stirn. Mittlerweile haben alle Anwesenden begriffen, um was es geht, nur losgehen dürfte es jetzt. Aber vorerst wird man aus dem Gefahrenbereich dirigiert. Auch die Fotografen müssen gebührenden Abstand halten. Gut dran ist, wer ein richtig gutes Teleobjektiv dabei hat, der Mann vom Sonntagsblick hat das nicht. Inauen startet den Peugeot und macht erst mal eine Probefahrt, jagt seinen Kleinwagen mit rund 100 Stundenkilometern über die Industriestrasse – und rast an den abgestellten Autos vorbei.

Wie in der Formel 1

Nochmals setzt Urs Inauen seinen 306er zurück, drückt das Gaspedal ordentlich durch und schiesst auf das Heck des Audi zu. Nun fliegt er also, einer Rampe sei Dank, über die beiden Autos, bleibt mit dem rechten Vorderrad am Dach des Audis hängen, reisst dieses auf, es kracht ganz übel, es fliegen Fetzen, Metallteile, Glassplitter, Rückspiegel, Kopfstützen und ein Auspufftopf durch die Gegend. Der Peugeot, wegen des Einhängens am Audi-Dach, dreht sich um neunzig Grad, macht ein Rolle in der Luft, berührt den Boden, macht nochmals eine Rolle und bleibt liegen. In etwa dort, wo Oliver Keller vorher die Presseleute verscheucht hat. Zwei Männer mit Feuerlöschern rennen herbei. Wie in der Formel 1. Urs Inauen steigt aus, reckt die Arme in die Luft, das Publikum jubelt. Der Peugeot sieht übel aus. Der Audi auch. Das dritte Auto ist praktisch unversehrt. Der Grund für die Show: «Ein Test», sagt Keller. Und Werbung für sein Unternehmen, das demnächst ein Filmprojekt mit Burt Reynolds startet. Klar, dass im Film die Fetzen fliegen werden. Michael Hug

Vom Kombi zum Cabrio: Üble Bilder wie bei einem Autounfall. (Bilder: mhu.)

Vom Kombi zum Cabrio: Üble Bilder wie bei einem Autounfall. (Bilder: mhu.)

Der Appenzeller Stuntman Urs Inauen.

Der Appenzeller Stuntman Urs Inauen.