Zwei Herzen im Suhlen vereint

Auf Einladung der Donnerstag-Gesellschaft Oberuzwil präsentierte die Herisauerin Kathrin Bosshard «Schwein, Weib und Gesang» – ein durch Figuren erweitertes Ein-Frau-Theater der leisen Töne und tiefgründigen Texte.

Christine Gregorin
Merken
Drucken
Teilen
Mit seinen therapeutischen Ansätzen stösst der Psychiaterkater auf wenig Gegenliebe. (Bilder: Christine Gregorin)

Mit seinen therapeutischen Ansätzen stösst der Psychiaterkater auf wenig Gegenliebe. (Bilder: Christine Gregorin)

OBERUZWIL. Noch bevor Wildschweinemann Karl-Heinz einen Laut von sich gibt, hat er das erfreulich zahlreich anwesende Publikum im evangelischen Kirchgemeindehaus auch schon in seinen Bann gezogen: Er punktet sowohl mit seinem ausladenden, überaus knuddelig anmutenden Hinterschinken als auch dank seines hemdsärmeligen Charmes. Insbesondere die ohne Worte, dafür reich an Mimik und Gestik in Szene gesetzten Passagen lassen die Besuchenden mucksmäuschenstill geniessend innehalten.

Irrungen und Wirrungen

Herr Karl-Heinz Wildschwein hat sich in Frau Sissi Schwein verliebt, weiss jedoch nicht, wie er ihr seine Liebe gestehen soll. Sänger Hahn, Freund Maulwurf, Kater Psychiater sowie andere Kollegen aus dem Tierreich helfen Karl-Heinz mit grossem Eifer. Doch es will ihm nicht gelingen, ein schmachtender Casanova zu werden, er bleibt ganz einfach sich selbst. Das besticht Frau Schwein und sie beschert der Geschichte ein Happy End im Schlammbad.

«Liebe Frau Sau…», kann ein so begonnener Liebesbrief überhaupt zum Erfolg führen? «Mit Grunzen, Schnüffeln und Schweigen, wie kann man da sein Inneres zeigen?», fragt sich der Verliebte weiter.

Und ewig lockt das Weib

Guter Rat scheint teuer. Vollbluthengst Esteban legt ihm Draufgängertum ans Herz und offenbart seine eigene Aufreissermasche: «Willst du ein Fräulein streicheln, musst du ihr mit Worten schmeicheln.» Schönheitsberater Herr Pfau empfiehlt dagegen Eleganz. Dazu brauche es Design, denn der Schein bestimme das Sein. Dem Motto «Wer schön sein will, muss leiden» folgend, wird sogleich das Brusthaar eliminiert, sprich epiliert. Letztlich wirft der stolz das Rad Schlagende das Handtuch, nicht ohne zu bemerken, dass seine gutgemeinte Unterstützung wohl Perlen vor die Säue geworfen war. «Liebe macht blind», weiss der Maulwurf aus eigener Erfahrung. Treue Frauen würden früher oder später mit ihrem Charakter nerven. Auf Protestieren folge Ignorieren. «Mann und Frau sind ja so verschieden», lautet das aufwühlende Credo.

Virtuos gespielt, berührend, witzig, frech und zum Verlieben wird während einer Stunde kaum ein Klischee ausgeklammert.

Unterhaltung auf hohem Niveau

Unter dem Theaternamen «Fleisch + Pappe» kreieren Andrea Schulthess und Kathrin Bosshard Theaterstücke, die geprägt sind von Verwandlungskunst, Komik, Sprachwitz und Poesie. Sie verbinden fliessend die Elemente von Schauspiel und Figurenanimation. Ihr mitreissendes Spiel, ihre Präsenz und Erzählfreude strahlen eine Magie aus, die ihresgleichen sucht. Die gereimten Texte stammen von Peter Zeindler und der am Donnerstagabend für die Technik Verantwortliche ist selber Theaterschaffender – nämlich Boris Knorpp aus Oberuzwil.

Das Objekt der animalischen Begierde: Frau Sissi Schwein.

Das Objekt der animalischen Begierde: Frau Sissi Schwein.

Womanizer Herr Hahn muss es ja wissen.

Womanizer Herr Hahn muss es ja wissen.