Zwei durchgeknallte Webstübler

WIL. Zum Saisonschluss trieben die deutschen Komiker «Ulan und Bator» das Publikum im ausverkauften Chällertheater zum schieren Wahnsinn. Dagegen half nur eines: Ungehemmtes Lachen.

Michael Hug
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An der Schwelle vom Irrationalen zum Irrsinn: «Ulan & Bator» am Freitag im «Chällertheater». (Bild: mhu.)

An der Schwelle vom Irrationalen zum Irrsinn: «Ulan & Bator» am Freitag im «Chällertheater». (Bild: mhu.)

Papier erträgt manchmal vieles – besonders bei Ankündigungen in der Showbranche: «Dieser komplette Irrsinn hat nicht nur Methode, sondern auch Tiefgang», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» über ihre Landsleute Ulan und Bator. Nun, derartige Aphorismen geben mitunter auch zweitklassige Künstleragenturen über ihre zweitklassigen Schützlinge von sich. Kein Wunder holen solche Sprüche keinen Kleinkunstfan mehr hinterm Ofen hervor. Am Ende zählt allein das Vertrauen in die Programmmacher der Kleinkunstvereine. Dies dürfte auch der Grund sein, warum am Freitagabend im «Chällertheater» jeder Stuhl besetzt war. Dies trotz eines Duos, dessen Namen hierzulande fast niemand kennt: «Ulan und Bator».

Durchgeknallte Webstübler

Ulan und Bator erklären als durchgeknallte «Webstüblern» die Welt: «Schon der Blick auf die Wirklichkeit verändert diese.» Damit dürften sie nicht einmal unrecht haben, doch wie sie ungelenk den Beweis antreten agieren sie zwischen Dada und Groteske. Ausgerechnet Übungen in «Mindset» führen die beiden – von manchem Zuschauenden gedanklich vielleicht allzu hastig als «Deppen» bezeichneten – am und mit dem Publikum vor. Experimente bar jeglicher seriöser Wissenschaftlichkeit, aber dennoch verblüffend. Die Wirklichkeit verändert sich in der Tat beim blossen Betrachten, doch weiss man nach der Übung überhaupt noch was die Ausgangsfrage war?

Schwelle des Rationalen

Ohne inneren Zusammenhang reihen Ulan und Bator Scherznummer an Scherznummer: Das Balzen um die schöne, aber leider etwas in die Jahre gekommene Ulrike, der Besuch des Freundes Odysseus, der Telefonterror der Liebsten. «Wir befinden uns an der Schwelle des Rationalen!», sagt der weissrussische Mike-Shiva-Verschnitt und damit hat er nicht mal Unrecht. Ulan und Bator bewegen sich an der Schwelle zwischen ausgerechnetem Wahnsinn und vollkommenem Blödsinn und bringen dabei ihr Publikum wenn nicht zur schieren Irrsinn, so doch zu ungehemmten und permanenten Lachanfällen.

Vom Fleck weg engagiert

Mit Ulan und Bator ist dem Team vom Chällertheater ein brillanter Wurf zum Saisonschluss gelungen. Das zeigt auch, dass es sich durchaus lohnt, über den Ostschweizer Tellerrand hinauszuschauen und nicht einfach das zu programmieren, was sich bei anderen bereits bewährt hat. Katharina Breitenmoser vom Team sagte: «Das skurrile Duo haben wir vor einem Jahr an der Krönung in Zürich gesehen und haben es vom Fleck weg engagiert.» Die «Krönung» ist ein Kleinkunstfestival, an dem an zwei Tagen acht Sprach-Künstler oder -Künstlergruppen in einer halbstündigen Blitzvorstellung zeigen können, was sie drauf haben. In der Regel treten Newcomer aus der Schweiz und ihren deutschsprachigen Nachbarländern auf. Oft sind auch gestandene Profis darunter, doch, weil hierzulande unbekannt, gelten sie als «Frischlinge». Für die Kleinkunstbühnen ergibt sich damit der Vorteil, qualitativ Hochstehendes entdecken und mitunter einen «Primeur» vorzeigen zu können.

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