Zwei, die viel bewegten

Für ihren jahrelangen Einsatz in der Politik wurden Grossrat Richard Peter und seiner Frau Trudy Peter an der Grossratssitzung die Ehrenbürgerschaft des Kantons Thurgau verliehen. Gemeinsam können sie jetzt ihre Pension geniessen.

Bettina Bellmont
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Trudy und Richard Peter gehen viele Wege gemeinsam – so etwa auch bei ihren Freizeitaktivitäten. (Bild: bb.)

Trudy und Richard Peter gehen viele Wege gemeinsam – so etwa auch bei ihren Freizeitaktivitäten. (Bild: bb.)

Bichelsee-Balterswil. Finanzen sind seine Stärke, wie Richard Peter über sich selbst sagt. Wie ein trockener Banker wirkt der 65-Jährige allerdings nicht. Trotz bereits lichterem Haar blitzen seine dunklen Augen jung wie eh und je, und sein Mund verzieht sich des Öfteren zu einem gütigen Lächeln, welches zeigt, dass der rüstige Pensionär weit mehr erlebt hat, als so manch anderer.

Kaufmännischer Angestellter, Geschäftsführer eines Familienbetriebs, Schulpräsident, Gemeindeammann von Bichelsee-Balterswil, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank am Bichelsee, Vorsitzender des Verbandes Thurgauer Gemeinden und Präsident des Grossen Rates des Kantons Thurgau: Richard Peter arbeitete in vielen Ämtern, jetzt hat er sich mit seiner Frau Gertrud Peter zurückgezogen und geniesst seine verdiente Pension.

Politiker «rein zufällig»

Über 23 Jahre habe er sich für die Belange der Gemeinde Bichelsee-Balterswil eingesetzt, sagt er und legt mit fester Stimme seine Beweggründe dar. 1996 wurde er zum ersten Gemeindeammann der Gemeinde gewählt, zuvor war er Mitglied des Gemeinderates und beinahe zehn Jahre Ortsvorsteher von Balterswil. «Ich habe immer versucht, in der Nähe des Volkes zu politisieren.» Damit dies auch gelang, brachte er sich nicht nur in der Politik, sondern auch im Vereinsleben der Gemeinde ein.

Er ist seit Jahren Mitglied beim örtlichen Turnverein sowie bei der Schützengesellschaft Balterswil-Ifwil. Erst in den Vereinen, ist er sich sicher, könne man die Meinungen der Bevölkerung erfahren.

Obwohl man es durchaus glauben könnte, wurde der Vollblutpolitiker nicht mit dem Wunsch geboren, irgendwann eine politische Karriere einzuschlagen.

Mehrere Jahrzehnte führte er gemeinsam mit seinem Bruder ein Metzgereigeschäft, welches bis zu 18 Angestellte beschäftigte. «Im Jahr 1986 nach dem Tod meines Bruders», erinnert er sich genau, «kamen die Behördenmitglieder auf mich zu und schlugen mich als Ortsvorsteher vor.» Der beinahe zufällige Weg in die Politik führte ihn schliesslich bis in den Grossen Rat, dessen Vorsitz Richard Peter von 2004 bis 2005 innehatte.

Die Politik bedeute ihm sehr viel: «In meiner Stellung konnte ich viel bewegen und meine Gedanken einbringen. Ich habe es all die Jahre sehr gerne gemacht.» Natürlich habe es in dieser Zeit auch Probleme und schwere Niederlagen gegeben. «Schwierig war vor allem auch, wenn ich Meinungen vertrat, die vom Volk vielleicht nicht getragen wurden», erklärt Peter. Auch die steigende Intoleranz zwischen den Mitmenschen habe er immer mehr gespürt. Trotzdem bereut er nichts. «Ich würde alles wieder genauso machen», ist er überzeugt.

«Es ist eine grosse Ehre»

Es sei immer eine zeitaufwendige und kräfteraubende, aber sehr interessante Arbeit gewesen. Halt fand Richard Peter immer zu Hause bei seiner Familie.

Gertrud Peter – die man meist «Trudy» nennt – wartete dort bereits auf ihn. Die Mutter dreier mittlerweile erwachsener Kinder unterstützte ihn bei seiner Arbeit und half ihm im Hintergrund auch mal mit Ratschlägen oder tadelnden Worten.

«Ich habe immer zuerst alles mit meiner Familie besprochen, daher trug diese meine Arbeit auch mit», erklärt Richard Peter. Trudy Peter nickt und lacht dann: «Ich sage immer, ich bin der Untertan.» Aufgrund ihrer Unterstützung hat auch sie neben ihrem Mann die Ehrenbürgerschaft erhalten. «Ich war überrascht», gesteht sie. Und natürlich sei sie auch sehr stolz gewesen. Jetzt trage sie aber keine besonderen Gefühle mehr mit sich herum. «Man besitzt diese Ehrung einfach.

» Richard Peter freut sich allerdings immer noch riesig. Als das Stichwort Ehrenbürgerschaft fällt, rutscht er mit seinem Bürostuhl vor den Bildschirm des Computers und zeigt stolz die 54 Mails und Gratulationen, die als Reaktion auf die Ehrung bei den Peters ankamen.

«Es ist eine grosse Ehre – auch für meine Frau, weil sie so viele Stunden auf mich verzichten musste», lächelt er.

Die Ehrenbürgerschaft bedeute ihm viel, da dies zeige, dass seine Arbeit von einer Breite der Bevölkerung getragen werde.

Den Ruhestand geniessen

Jetzt wollen die beiden ihr Leben in vollen Zügen geniessen. Gemeinsam betätigen sie sich sportlich, kümmern sich um den Garten oder verbringen ihre Zeit mit den sieben Enkeln.

Trudy Peter und ihr Mann schwärmen: «Es ist herrlich, wenn man seinen Alltag endlich selber gestalten kann.» Doch ganz lässt die Arbeit Richard Peter nicht los. Als Vizepräsident des Organisationskomitees des Eidgenössischen Schwingfestes 2010 in Frauenfeld ist er für das Marketing und die Kommunikation zuständig. Vor allem jetzt gebe es viel zu tun. «Es ist ein rechter Brocken, macht aber sehr Spass», schmunzelt er.

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