Zuzwiler politisiert im Bundeshaus

Der 14jährige Tennessee Isenring setzt sich auf politischer Ebene gegen die Lebensmittelverschwendung ein. An der viertägigen Jugendsession spricht er sich im Bundeshaus für einen nationalen Anti-Food-Waste-Tag aus.

Simon Dudle
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Tennessee Eisenring macht sich im Bundeshaus für seine Anliegen stark. (Bild: pd)

Tennessee Eisenring macht sich im Bundeshaus für seine Anliegen stark. (Bild: pd)

ZUZWIL. Er wurde zwar vor etwas mehr als zwei Monaten erst 14jährig, spricht aber schon wie ein Politiker. Tennessee Isenring tritt bestimmt auf und weiss, wo es eine diplomatische Aussage braucht, wo einen kernigen Spruch. Im Rahmen der Jugendsession 2014 war er während vier Tagen in Bundesbern, als fünftjüngster der 200 Schweizer Jugendlichen, gar als jüngster aus dem Raum Wil (siehe Kasten).

Bei der Bildung ansetzen

Dem Zuzwiler Oberstufenschüler wurde die Thematik «Food Waste» zugeteilt. «Ein sehr wichtiges Thema, das bisher noch zu selten besprochen worden ist», sagt Isenring. Ihn stört, dass rund ein Drittel aller Lebensmittel in der Schweiz weggeworfen werden und jeder Schweizer Haushalt deshalb pro Jahr rund 1000 Franken Verlust macht.

In einer Arbeitsgruppe entschied man sich, das Problem von der Basis her bekämpfen zu wollen und setzte bei der Bildung an. «Um dem Food-Waste für die nächsten Generationen zu begegnen, soll in den Schulen aufgezeigt werden, wie man mit Essen richtig umgeht. Wenn die Kinder mit dem entsprechenden Wissen aufwachsen, geben sie dieses weiter», sagt Isenring. Aus seiner Sicht kann man ein Joghurt auch noch essen, wenn es über das Mindesthaltbarkeits-Datum hinaus ist. «Der Mensch muss die Sinne einsetzen», sagt Isenring. Die Forderung: Es soll ein nationaler Food-Waste-Tag eingeführt werden, an dem es öffentliche Veranstaltungen in den grösseren Städten gibt.

Jung-Politiker werden gehört

An der Jugendsession wurde zu diesem Vorhaben ein Projektvorschlag ausgearbeitet, der bei der finalen Abstimmung unter den Jugendlichen mit 142 Ja- zu 19 Nein-Stimmen gutgeheissen wurde. Der Vorschlag wurde schliesslich an Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger überreicht, der die Meinungen nun im Parlament vertritt.

Trotz des Engagements sei die Frage erlaubt, ob die Ideen bei den Erwachsenen Gehör finden. «Das wird Auswirkungen haben. Es ist nicht mehr so, dass Jugendliche nichts zu sagen haben», sagt Isenring. Fakt ist, dass sich selbst der Bundesrat mit den erarbeiteten Petitionen befasst. Er muss sich jedes Dossiers zumindest annehmen. Pro Jahr verabschiedet die Jugendsession im Durchschnitt fünf bis zehn Petitionen. In knapp 20 Jahren hat das Parlament zehn Forderungen in Motionen umgewandelt. Angenommen wurde ein Teil davon, darunter das Verbot von Nazi-Symbolen 2005, oder sieben Jahre später die Forderung, Pokerturniere ausserhalb des Casinos zu erlauben.

Bundesrat Burkhalter getroffen

Für Tennessee Isenring, der sich keiner politischen Partei zugehörig fühlt, war es ein eindrückliches Erlebnis, vor 200 Leuten im Bundeshaus zu sprechen, oder persönlich auf Bundespräsident Didier Burkhalter zu treffen. Der Weg des 14jährigen Zuzwilers soll als nächstes an die Kantonsschule führen, wo er den Schwerpunkt Wirtschaft und Recht belegen will. Eine politische Karriere kann sich Isenring durchaus vorstellen.