Zuzwiler Dorfbachsanierung: Es fehlt die Zweitmeinung

Die Machbarkeitsstudie zur Dorfbachsanierung liegt vor, die Gemeinde informiert ihre Bürger Ende Juni darüber. Das Ad-hoc-Komitee nimmt bereits jetzt Stellung dazu – und ist nicht gänzlich einverstanden.

Nicola Ryser
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Land unter in Zuzwil: Eine solche Überschwemmung will die Gemeinde mithilfe des Sanierungsprojekts künftig verhindern. (Bild: PD)

Land unter in Zuzwil: Eine solche Überschwemmung will die Gemeinde mithilfe des Sanierungsprojekts künftig verhindern. (Bild: PD)

Sie gilt als Jahrhundertprojekt der Gemeinde Zuzwil, verteilt über mehrere Generationen: die Sanierung des Dorfbachs. Seit Juni 2015, als teils sintflutartiger Regen zu enormen Wassermassen und einer Überflutung des Baches führten, sind Massnahmen zum Hochwasserschutz vonseiten der Gemeinde unumgänglich. War ursprünglich ein Ausbau des Bachbetts in Betracht gezogen worden, um die Umgebung des Dorfbachs zu sichern, verlangten die Bürger daraufhin noch eine zweite Variante.

So entstand die Alternative, einen Entlastungsstollen unter dem Kirchhügel zu erstellen, woraufhin vor einem Jahr eine Machbarkeitsstudie zu beiden Lösungen veranlasst wurde. Anfang Mai dieses Jahres wurden die Ergebnisse der Studie publiziert und der Ausbau des Baches wie auch die Errichtung eines Entlastungsstollens als möglich erachtet (die «Wiler Zeitung» berichtete). Nun nimmt das Ad-hoc-Komitee (AHK), zusammengesetzt aus mehreren Fachexperten, Stellung dazu.

Verwirrung bei den Kostenangaben

Grundsätzlich befinde das AHK die technischen Aussagen der Machbarkeitsstudie der Amberg Engineering AG als nachvollziehbar, wie es in einer Mitteilung schreibt. Unter anderem wisse man jetzt erstmals über die Verhältnisse im Untergrund des Kirchhügels und dessen Umgebung Bescheid. Jedoch gibt es laut AHK reichlich Fragen bezüglich der Kosten, die von der Amberg Engineering AG errechnet wurden.

Für die Entlastungsstollen-Variante sollen gemäss Studie 13,7 Millionen Franken Aufwand anstehen. Das sind deutlich höhere Kosten als andere vergleichbare Entlastungsstollen in der Schweiz und auch rund 8,9 Millionen Franken mehr als der Ausbau des Baches. Peter Link, Mitglied des Komitees, sagt: «Der Zuzwiler Stollen würde so gleich viel kosten wie der in Uzwil, der länger ist und einen grösseren Durchmesser hat. Hier hat man wohl zu viel Reserve einberechnet.» Das AHK hat in der Folge selbst die Kosten zu den Entlastungsstollen errechnet und käme dabei lediglich auf 7,5 Millionen Franken. «Hier bedarf es darum weiterer Abklärungen.» Gemeindepräsident Roland Hardegger verteidigt die Berechnungen der Machbarkeitsstudie, sieht sie als verifiziert: «Es wird nicht einfach nur aufgezeigt, was der Stollen kostet. Da sind beispielsweise auch die Installations- oder Einlaufbaukosten integriert.»

Nebst dem unklaren Kostenpunkt stört es das AHK vor allem, dass bei der Machbarkeitsstudie keine Zweitmeinung eingeholt wurde, wie Link sagt. Dabei gehe es um die Variante des Ausbaus, vorgeschlagen von der Brühwiler AG. Diese plant beim Projekt unter anderem Sohlenabsenkungen, horizontale Verbreiterungen sowie den Neubau von zwölf Brücken. «Nach unserer Meinung sind diese 1200 Laufmeter der kostenintensivste Teil des gesamten Brühwiler-Projekts. Bei dem Bau eines Entlassungsstollens wäre diese Kernzone nur minimal auszubauen», betont Link. In Zahlen ausgedrückt wäre der Entlastungsstollen so nur noch 2,2 Millionen teurer als die Ausbau-Variante.

Sonntag GmbH sollte miteinbezogen werden

Aufgrund dieser Unklarheiten im Kostenvergleich sei eine qualifizierte Zweitmeinung erforderlich, wie Link sagt. Und dies, bevor das Projekt am 25. Juni vor die Bürgerschaft gehe. «Das AHK hat wiederholt vom Gemeinderat gefordert, dass die Sonntag GmbH in die Evaluation der Entlastungsstollen einbezogen werden soll. Das Unternehmen erstellt in der Schweiz ja die meisten vergleichbaren Röhren im Pressvortrieb.» Doch der Gemeinderat habe dieser Forderung nicht Folge geleistet. «Wir befürchten darum, dass ohne Zweitmeinungen am kommenden Infoabend keine Klarheit entstehen wird», sagt Link. Das sieht Hardegger differenzierter: «Nebst der Amberg AG hatten wir mit der Runge AG und Stefan Trümpi, der bereits beim Microtunneling in Zug dabei war, die nötige Expertise für das Projekt. Wir werden am Infoabend dann auch alles klar kommunizieren.»

Klar ist, dass Peter Link und sein Ad-hoc-Komitee die Lösung des Entlastungsstollens bevorzugen. Link erklärt: «Nun stelle man sich die geplante Absenkung der Bachsohle um 1,7 Meter vor. Bei langzeitig trockenem Wetter wird der Bach dann vier Meter unter Umgebungsterrain liegen. Das ist kein Bach mehr, das ist ein Kanal. Und damit eine Lösung aus dem 19. Jahrhundert.»

Das Ad-hoc-Komitee schreibt dazu am Ende seiner Mitteilung: «Ein Dorfbild wie der Zuzwiler Kirchhügel mit der Kirche, den Häusern rechtsufrig des Bachs und dem Bach in seiner heutigen Form, gibt es nur einmal. Wir wollen dieses einmalige Kulturgut auch für künftige Generationen erhalten.»

Hinweis

Am Dienstag, 25. Juni, 19.30 Uhr, informiert der Gemeinderat in der Turnhalle 1 über die Sanierung des Dorfbachs.