Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUZWIL: Stollen statt Sanierung

Die Diskussion um die Sanierung des Dorfbachs ist um eine Facette reicher. Zehn Dorfbewohner setzen sich für einen 660 Meter langen Entlastungsstollen unter dem Kirchhügel ein und fordern vom Gemeinderat eine eingehende Prüfung. Dieser willigt ein.
Simon Dudle
Machen sich für einen Entlastungsstollen unter dem Zuzwiler Kirchhügel stark: Rudolf Peter, Iso Karrer und Peter Link von der zehnköpfigen Ad-Hoc-Gruppe. (Bild: Simon Dudle)

Machen sich für einen Entlastungsstollen unter dem Zuzwiler Kirchhügel stark: Rudolf Peter, Iso Karrer und Peter Link von der zehnköpfigen Ad-Hoc-Gruppe. (Bild: Simon Dudle)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Den zehn Mitgliedern der Ad-Hoc-Gruppe «Entlastungsstollen» liegt der Dorfbach Zuzwil am Herzen. «Er hat eine lange Geschichte und prägt das Dorfbild. Es geht darum, dieses nicht zu verunstalten. Die nächsten drei Generationen würden nach der Sanierung mit diesem Bach leben», sagt Ruedi Peter. Der ehemalige Zuzwiler Gemeinderat und Ingenieur ist wie die anderen neun Mitglieder nicht per se dafür, um jeden Preis einen Entlastungsstollen zu bauen, verlangt vom aktuellen Gemeinderat aber eine «seriöse und eingehende Prüfung» eines solchen.

Rückblende: Seit dem Jahr 2014 laufen in Zuzwil die Planungen für die Sanierung des Dorfbachs. Dies ist nötig, weil das Element Wasser laut der kantonalen Gefahrenkarte im Dorfkern bedrohlich ist. Schon mehrfach führte der Dorfbach Hochwasser. 1876 stand das ganze Dorf unter Wasser, 2015 trat er bei einem kurzen und heftigen Gewitter letztmals über die Ufer. Seit jenem Ereignis ist wohl jedem Zuzwiler klar, dass etwas gemacht werden muss.

660 Meter lang und drei Meter breit

Über das «Wie» scheiden sich aber die Geister. Gemäss den Plänen, welche der Gemeinderat bei der Gossauer Firma Brühwiler AG Bauingenieure und Planer hat erstellen lassen, soll der Bach an gewissen Stellen verbreitert und teilweise um bis zu 1,7 Meter abgesenkt werden. «Das ergäbe dann einen Kanal, der teilweise mit Betonwänden eingefasst würde», sagt Umweltchemiker Peter Link, der ebenfalls zur Ad-Hoc-Gruppe gehört. Dieser schwebt anstelle der Sanierung den Bau eines Entlastungsstollens vor. Bereits gibt es Vorstellungen und Pläne, wie ein solcher Stollen aussehen könnte. Das Einlaufbauwerk würde im Gebiet Oberdorf nahe der Strasse von Zuzwil nach Wuppenau bei der Liegenschaft Chellhof gebaut. Danach würde der Stollen auf einer 660 Meter langen Strecke den Kirchhügel unterlaufen, um dann südlich der Tüfenwiesstrasse im Gebiet Mettlen in der Fläche wieder zum Vorschein zu kommen. Gebäude würden gemäss den Plänen der Ad-Hoc-Gruppe keine unterquert. Der Stollen überwände eine Höhendifferenz von 14 Metern, was ein Gefälle von 2,1 Prozent ergäbe. Die Röhre soll voraussichtlich drei Meter Durchmesser haben und somit pro Stunde 35000 Kubikmeter Wasser aufnehmen können. Damit könnte einem Hochwasser, wie es nur alle 100 Jahre vorkommt, begegnet werden.

Uzwil hat schon einen Stollen

Der Stollen wäre fast immer trocken und würde nur in der Hochwasser-Situation benutzt. Denn das Bett des Dorfbachs soll belassen werden, wie und wo es ist. Die Ad-Hoc-Gruppe hat eine erste Kostenschätzung vorgenommen. Der Bau des Stollens soll sich demnach auf 5 Millionen bis 5,7 Millionen Franken belaufen. Dabei ist eine Million für das Ein- und Auslaufbauwerk bereits eingerechnet. Zwar ist der Projektgruppe nicht bekannt, wie viel die Bachsanierung in der Kernzone kosten würde. Die Gruppierung bezeichnet es aber als «realistisch», dass die Kosten dieses Teils der Sanierung und jene eines Stollens etwa gleich hoch sind. Als Vorbild dient der vor einigen Jahren errichtete Entlastungsstollen in Uzwil, welcher gut 1,5 Kilometer lang ist und die Uze im Hochwasserfall entlastet.

Eine Prüfung noch vor dem Vorprojekt

Die Vertreter der Ad-Hoc-Gruppe haben ihre Pläne im Januar dem Zuzwiler Gemeinderat präsentiert – und im Februar ein Antwortschreiben der Behörde erhalten, welches der «Wiler Zeitung» vorliegt. Der Gemeinderat hat die Firma Brühwiler AG beauftragt, «erste Abklärungen für die Machbarkeit eines Entlastungsstollens durchzuführen». Zudem sind die Kosten für eine vertiefte Machbarkeitsstudie und ein Vorprojekt zu ermitteln. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Wasser und Energie erfolgen. Die ersten Ergebnisse werden laut der Behörde schon bald erwartet. Nachdem diese dem Ac-Hoc-Komitee präsentiert worden sind, folgt die Entscheidung, ob ein externes Fachbüro beigezogen wird. Ganz grundsätzlich darf der Gemeinderat einmalige Beiträge von maximal 100000 Franken bewilligen, ohne den Segen des Volkes einholen zu müssen.

Seitens der Ad-Hoc-Gruppe ist geplant, an der Vorgemeinde am 20. März das Thema einzubringen und eine Diskussion zu lancieren. Erst danach wird entschieden, ob an der acht Tage später stattfindenden Bürgerversammlung, ein Antrag gestellt wird. Peter Link von der Projektgruppe Entlastungsstollen sagt: «Es geht uns nicht darum, den Gemeinderat anzugreifen oder zu kritisieren, sondern ihn in dieser Thematik zu unterstützen.» Bereits seit geraumer Zeit ist bekannt, dass die Behörde an jenem 28. März beantragen wird, einen Zusatzkredit von 205000 Franken für das Vorprojekt der Bachsanierung gutzuheissen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.