ZUZWIL: Seelsorger mit Sinn fürs Handwerk

Am 1. August tritt Rolf Tihanyi die Stelle als Gemeindebeauftragter in der Katholischen Pfarrei Zuzwil-Züberwangen an. Als wichtigste, aber nicht einfache Aufgabe sieht er es, wieder Frieden ins Dorf zu bringen.

Ursula Ammann
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Rolf Tihanyi möchte nicht zurück-, sondern vorwärtsschauen. (Bild: Ursula Ammann)

Rolf Tihanyi möchte nicht zurück-, sondern vorwärtsschauen. (Bild: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Rolf Tihanyi heisst zum Nachnamen gleich wie eine ungarische Insel im Plattensee. Von dort stammen seine Vorfahren. Was seine neue Aufgabe in Zuzwil betrifft, möchte der 53-Jährige aber alles andere als ein Inselleben führen. Sein Ziel ist es, «bei den Leuten zu sein». Deshalb ist für den neuen Gemeindeseelsorger und Pfarreibeauftragten auch ganz klar, dass er ins Pfarrhaus ziehen wird, sobald dieses frei wird. «Ich will, dass dort Licht brennt und alle wissen, dass ich für sie da bin.»

Noch ist Rolf Tihanyi mit einem Fuss in der Pfarrei Niederwil, wo er die vergangenen sechs Jahre wirkte. Morgen Freitag übergibt er die Schlüssel seinem Nachfolger. Stellenantritt in Zuz­wil ist am 1. August. Die Gemeinde hat er aber trotzdem schon etwas kennen gelernt. Immer mal wieder zügelte er in den letzten Tagen einige seiner vielen Bananenschachteln in sein neues Büro, das sich vorerst im Pfarreiheim befinden wird. Danach lag meist noch ein Restaurantbesuch drin. Und so kam der neue Seelsorger auch schon ins Gespräch mit Einheimischen.

Gegenwind und Wohlwollen gespürt

Dass er mit Zuzwil-Züberwangen nicht die einfachste Pfarrei ansteuert, dessen ist sich Rolf Tihanyi bewusst. Der Konflikt zwischen dem Kirchenverwaltungsrat und Pfarrer Simon Niederer hat einen Graben durchs Dorf gezogen. Einen Graben, der noch immer besteht. Damit hat Rolf Tihanyi bereits seine Erfahrungen gemacht, bevor er richtig angekommen ist. Auch Gegenwind hat er dabei gespürt. «Für einige bin ich derjenige, der ihnen den Priester weggenommen hat», so Tihanyi. Handkehrum habe er aber von wildfremden Leuten sehr wohlwollende E-Mails und Briefe erhalten. «Das hat mich sehr aufgestellt», sagt der Seelsorger. Sein Ziel ist es, die verhärteten Fronten aufzuweichen und alle an einen Tisch zu bringen. Wieder Frieden ins Dorf zu bringen sei nun wohl die wichtigste aber auch eine der schwierigsten Aufgaben. Zentral ist für Tihanyi dabei, zukunftsgerichtet vorzugehen und nicht in der Vergangenheit zu wühlen. «Ich bin da für einen Neuanfang», sagt er.

Rolf Tihanyi ist der Sohn einer Schweizerin und eines Ungaren. Sein Vater ist 1956 wegen des Volksaufstands aus dem Heimatland geflohen. Rolf Tihanyi selbst ist in Amriswil aufgewachsen und hatte dort auch seine erste Stelle als Seelsorger. Ursprünglich machte er jedoch eine Lehre als Spengler/Sanitärinstallateur. Auch heute, wo er ein abgeschlossenes Studium in Religionspädagogik sowie eine Ausbildung zum Ethikpädagogen absolviert hat, nennt er sich mit Stolz einen Handwerker. Manchmal hört er den Vorwurf, er habe eine zu brachiale Sprache für einen Theologen. Das stört ihn aber nicht. «Für mich ist Religion nichts Abgehobenes», sagt Rolf Tihanyi. «Religion ist Alltag.»

Wie aus seinem Lebenslauf ersichtlich, mag der Seelsorger Herausforderungen. Ein Grund, weshalb er dem Bistum vor einiger Zeit angedeutet hat, die Stelle wechseln zu wollen. «Ich fühlte mich noch zu jung, um ewig am selben Ort zu bleiben», sagt er. Auf Empfehlung des Bischofs kam Tihanyi schliesslich nach Zuzwil-Züberwangen. Hier kommen einige Aufgaben auf ihn zu (siehe Infokasten). «Ich werde die Pfarrei leiten mit allem, was dazugehört», sagt Rolf Tihanyi. Von manchen wird er bereits als «neuer Pfarrer» bezeichnet. Das sei er aber nicht, und er betrachte sich auch nicht als Konkurrent von Simon Niederer, so der 53-Jährige. Eucharistiefeiern kann er als Nicht-Priester zum Beispiel nicht abhalten. Mit ihm als Gemeindeseelsorger haben die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger aber eine Ansprechperson in allen Belangen. Wichtig ist Tihanyi, den Menschen zu vermitteln, dass sie nie alleine sind. «Es gibt eine Macht, die uns beisteht», sagt er. Und diese Macht zeige sich nicht zuletzt im Mit­einander. Deshalb sei es ihm auch so wichtig, im Ort zu wohnen. Oder mit anderen Worten: sich nicht nach der Arbeit auf eine Insel zurückzuziehen, sondern mitten auf dem Festland zu stehen.