ZUZWIL: Kündigung führt zu Eclat

Die Sekretärin der Katholischen Pfarrei Zuzwil hat die Kündigung erhalten. Dies bringt das Fass im unterschwelligen Konflikt zwischen Kirchenverwaltungsrat und Pfarramt zum Überlaufen.

Ursula Ammann
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"Wir kämpfen für unsere Pfarreisekretärin": Mit diesen Worten äussern Pfarramt, Pfarrer und eine IG ihren Unmut. (Bild: Ursula Ammann)

"Wir kämpfen für unsere Pfarreisekretärin": Mit diesen Worten äussern Pfarramt, Pfarrer und eine IG ihren Unmut. (Bild: Ursula Ammann)

ZUZWIL. Es ist nicht zu übersehen – das Plakat vor der katholischen Kirche in Zuzwil. In schwarzer und roter Schrift auf weissem Grund tun das Pfarramt, Pfarrer Simon Niederer sowie die neu gegründete Interessengemeinschaft «Transparenz und Menschlichkeit in der Pfarrei» ihren Unmut kund. Unmut über die Kündigung, die der Kirchenverwaltungsrat gegenüber Pfarreisekretärin Sandra Monsorno ausgesprochen hat. Geschehen sei dies gegen den ausdrücklichen Willen des Pastoralteams und des Pfarrers, heisst es auf dem Plakat, das auch als Inserat in dieser Zeitung erschienen war. Es schliesst mit den Worten «Dazu können wir Christen nicht schweigen» und einem Hinweis auf eine Informationsveranstaltung. Diese findet am nächsten Montag um 19.30 Uhr im Pfarreiheim Zuzwil statt.

Alleinerziehend und sehbehindert

Seit sechs Jahren ist Sandra Monsorno in der Katholischen Kirchgemeinde Zuzwil tätig. Die 50-Jährige verfügt über ein Pensum von 70 Prozent. Dass der Kirchenverwaltungsrat der alleinerziehenden Mutter auf Ende Dezember gekündigt hat, ist aus Sicht des Pastoralteams und der IG, die aus vier aktiven Kirchbürgern besteht, unmenschlich. Nicht zuletzt deshalb, weil die Pfarreisekretärin seit Geburt auf einem Auge blind ist und 2014 eine Netzhautablösung auf dem gesunden Auge erlitt, was ihre Sehkraft noch einmal massiv einschränkte. Die Invalidenversicherung (IV) stattete ihren Arbeitsplatz im Pfarrhaus daraufhin mit diversen Hilfsmitteln aus, was Sandra Monsorno ermöglichte, ihren Job weiterhin auszuführen. Zur vollen Zufriedenheit aller Anspruchsgruppen, wie das Pastoralteam, der Pfarrer und die IG überzeugt sind. Für sie ist klar, dass die Kirche als Arbeitgeberin mit gutem Beispiel vorangehen sollte, was die Arbeitsintegration von Handicapierten betrifft.

Vor der Informationsveranstaltung vom 19. September wollen sich Pastoralteam, Pfarrer und IG noch nicht weiter zum Fall äussern. Ziel sei aber auf jeden Fall, dass das gekündigte Arbeitsverhältnis von Sandra Monsorno als Pfarreisekretärin vollumfänglich wiederhergestellt werden muss.

Verschiebung des Sekretariats abgelehnt

Bereits an der Kirchbürgerversammlung von Ende März waren Spannungen spürbar. Dies zeigte sich in der Diskussion um den Budgetposten «bauliche Anpassungen Pfarreiheim/Sekretariat», wofür der Kirchenverwaltungsrat 20 000 Franken vorgesehen hatte. Auf Nachfrage von Kirchbürgern stellte sich heraus, dass das Sekretariat vom Pfarrhaus ins Pfarreiheim verlegt werden soll. Das sei «herausgeworfenes Geld», ertönte es aus den Tischreihen. Die Kirchbürgerschaft verweigerte schliesslich den Kredit. Nicht zuletzt hing dies wohl mit der Befürchtung zusammen, dass mit der Verlegung des Sekretariats auch personelle Veränderungen einhergehen.

Gründe werden nicht kommuniziert

Die Katholische Kirchgemeinde Zuzwil Züberwangen gehört zur Seelsorgeeinheit Mittleres Fürstenland, die beim Bistum St. Gallen angesiedelt ist. Die anstellende Behörde der Pfarreisekretärin sei jedoch der Kirchenverwaltungsrat Zuzwil, sagt Sabine Rüthemann von der Kommunikationsstelle des Bistums. «Das ist in unserem dualen System klar geregelt.» Die Anstellung oder Kündigung von Pfarreisekretärinnen sei also in dessen Kompetenz. Der Kirchenverwaltungsrat habe offenbar Gründe, diese Kündigung auszusprechen, werde diese aber aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht kommunizieren dürfen, so Sabine Rüthemann. Der Kirchenverwaltungsrat selbst war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Dass in der Kirchgemeinde Zuzwil bereits länger Konflikte bestehen, sei dem Bistum bekannt, sagt Sabine Rüthemann. Die Bearbeitung dieses Konfliktes in der Art und der Tonalität wie er im Inserat und auf dem Plakat ausgetragen werde, unterstütze man nicht. Es seien von Bistumsseite her schon diverse Gespräche mit allen Beteiligten geführt worden. Über deren Inhalt dürfe aber keine Auskunft gegeben werden.