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ZUZWIL: Ein Zuzwiler will 4000 Provinzen besuchen und reist dafür auch in Kriegsgebiete

Kein Europäer ist mehr auf Achse als Roman Brühwiler. Er hat sich vorgenommen, sämtlichen der weltweit 4000 Provinzen einen Besuch abzustatten.
Simon Dudle
Der ehemalige Lenggenwiler Roman Brühliwer strebt nach 4000 Beweisfotos aller 4000 Provinzen, die er besuchen will. (Bild: Michel Canonica)

Der ehemalige Lenggenwiler Roman Brühliwer strebt nach 4000 Beweisfotos aller 4000 Provinzen, die er besuchen will. (Bild: Michel Canonica)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Alle 193 UNO-Länder dieser Erde in einem Jahr bereisen? Roman Brühwiler hat es getan. 22 europäische Länder an einem Tag betreten? Roman Brühwiler hat es getan. Das war 2006 und 2007. Nun läuft sein nächstes Projekt: Neben den 1073 Unesco-Welterbestätten sowie den rund 1700 von den Staaten vorgeschlagenen Unesco-Stätten möchte er auch alle der weltweit rund 4000 Provinzen besuchen. Mit Provinz ist die jeweils grösste Verwaltungseinheit eines Landes gemeint. In der Schweiz sind es die Kantone. Wobei das mit der Definition einer Provinz gar nicht immer so einfach ist. Gewisse Länder, wie zum Beispiel Slowenien, kennen keine übergeordnete Verwaltungseinheiten. 2007 hat der heute 58-jährige Zuzwiler mit seinem Projekt begonnen, im Jahr 2030 will er fertig sein.

In erster Linie geht es ihm darum, selbstgewählte Reisepläne umzusetzen und dabei Freiheit zu erleben, das Staunen nicht zu verlernen, Landschaften zu geniessen und Durchhaltewillen zu beweisen. «Ich will nicht das erleben, was im Reiseführer steht und bereits bekannt ist. Das Unerwartete, der Schmetterling, der sich auf meinem Handrücken niederlässt, ist die Belohnung auf meinen Reisen.» Darum kommt es für ihn auch nicht in Frage, in einem Reisecar unterwegs zu sein. Schliesslich sollen spontane Stopps oder Planänderungen jederzeit möglich sein, wenn dies die Landschaft oder eine Blume am Strassenrand erfordern.

Gefallen an der unfreundlichen Art der Russen

Rund drei Wochen dauert eine durchschnittliche Reise Brühwilers. Manchmal unternimmt er sie alleine, oft aber in Begleitung. «Die Nachfrage ist grösser als das Platzangebot», schmunzelt er. In den ersten zehn Jahren des Projekts hat Brühwiler gut einen Drittel aller Länder bereist. Darunter sind alle grossen wie China, Brasilien, USA, Kanada, Australien oder Russland. Besonderen Eindruck hinterlassen hat dem Zuzwiler die Reise durch die 90 russischen Oblaste. «Die Verkehrspolizisten mussten damals den grossen Teil ihres Lohnes mittels Bussen eintreiben. Wegen nichts hatte man zu bezahlen. Das war irgendwann so nervig, dass ich nur noch nachts gefahren bin, weil dann weniger Polizisten unterwegs waren», sagt Brühwiler. In positiver Erinnerung hat er die eher griesgrämige Art vieler Russen. «Ihre Distanziertheit und Reserviertheit gefällt mir viel besser als zum Beispiel die geheuchelte Willkommenskultur der Amerikaner.»

Auch Krisengebiete lässt Brühwiler nicht aus. Nächsten Monat ist eine Reise durch Tunesien geplant, Proteste hin oder her. Er sagt: «Die Unruhen sind ja nicht überall. Wenn in der Schweiz in Bern demonstriert würde, könnte man das Jungfraujoch trotzdem besuchen.» Trotzdem hat Brühwiler auch schon kritische Situationen erlebt. In der Dominikanischen Republik fuhr er zufällig in eine Demons­tration hinein, im Südsudan wurde er arrestiert, auf Tahiti ausgeraubt. «In solchen Situationen ist es wichtig, ruhig zu bleiben. Hat man es in schwierigen Situationen mit Menschen zu tun, hilft Geld erstaunlich oft, auch wenn man es sich anders wünschen würde.» Manchmal sind Verhaltensregeln der besonderen Art gefragt. Als er während des Krieges nach Tsche­tschenien einreisen wollte, wurde Brühwiler gefragt, ob er sich das wirklich antun wolle. Es gebe unterwegs Heckenschützen. «Ich wollte unbedingt in das erste Dorf Tschetsche­niens und wurde von den Grenzbeamten aufgefordert, möglichst schnell zu fahren, um kein leichtes Ziel abzugeben. So bin ich mit 120 Stundenkilometern über die Landstrasse gerast, und es hat geklappt.»

Auf dem Weg zur weitest-gereisten Person der Welt

Neben der grossen Freiheit strebt Brühwiler noch nach einem anderen Punkt: Er will jener Mensch dieses Planten sein, der am weitesten gereist ist. Derzeit liegt er auf Platz fünf – hinter vier Amerikanern. Die Vielreiser organisieren sich in Clubs wie «Most Travelled People». Trotz Wettstreit untereinander werden viele Reisen gemeinsam unternommen. Um abgelegene Inseln oder Territorien erreichen zu können, ist gemeinsame Sache von Vorteil, damit die Kosten nicht ausufern. Nicht selten müssen Schiffe oder Flugzeuge gechartert werden. In Kriegsgebieten braucht es bewaffnetes Sicherheitspersonal. «Die vier Amerikaner sind schon in einem gewissen Alter. Ich bin guter Dinge, dass ich die vier noch einhole.»

Absolute Freiheit: Roman Brühwiler gönnt sich auf einem Gletscherbett der Antarktis-Insel Peter The First einen Moment der Ruhe. (Bild: PD)

Absolute Freiheit: Roman Brühwiler gönnt sich auf einem Gletscherbett der Antarktis-Insel Peter The First einen Moment der Ruhe. (Bild: PD)

Und welches ist das schönste Land der Welt? «Natürlich die Schweiz. Hier ist es sicher, landschaftlich sehr abwechslungsreich, und hier ist mein Zuhause.» Im Ausland vergibt er die Krone an Neuseeland und Südgeorgien in der Antarktis. «Südgeorgien punktet mit hohen Bergen, spektakulären Gletschern, einer reichen Tierwelt und wunderschöner Natur», sagt Brühwiler. Die Antarktis ist alleine aufgrund ihrer Lage schon einzigartig. Im minus drei Grad kalten Salzwasser ohne Neoprenanzug zu baden, bezeichnet er als «erfrischend und ganz gemütlich». Die schönste Insel der Welt sei Lord Howe Island, 800 Kilometer östlich von Sydney. «Das ist ein wunderschönes Paradies mit Bergen, vielen schönen Stränden, wenigen Menschen und unzähligen Fischen.»

Ob Lord Howe wirklich die schönste Insel ist? Roman Brühwiler will es herausfinden. Und auch, ob es wirklich möglich ist, alle Provinzen der Welt zu besuchen.

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