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ZUZWIL: Ein halbes Jahrhundert am Dirigentenpult

Am 1. Juli 1971 übernahm Heinz Felix die Direktion der Bürgermusik Zuzwil. Zugleich dirigierte er noch weitere Vereine und Formationen. Nach 46 Jahren ist nun Schluss. Langweilig wird es dem umtriebigen Rentner – auch ohne Musik – nicht.
Zita Meienhofer
Heinz Felix kann sich auf der Bank ausruhen. Er hat den Dirigentenstock an Bruno Ritter weitergegeben. (Bild: Zita Meienhofer)

Heinz Felix kann sich auf der Bank ausruhen. Er hat den Dirigentenstock an Bruno Ritter weitergegeben. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

«Es fehlt mir nichts», sagt Heinz Felix. Er, der seit mehr als 50 Jahren sehr eng mit der Blasmusik verbunden ist und nun den Dirigentenstock zur Seite gelegt hat. «Aufhören war ein Prozess. Eine innere Stimme sagte, dass es jetzt Zeit sei», schildert Felix den Umstand, dass er nach 46 Jahren die musikalische Leitung der Bürgermusik (BM) Zuzwil in andere Hände übergeben hat.

Doch der umtriebige Rentner fällt deswegen nicht in ein Loch. Seine Aufgabe als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission der Wasserkorporation Zuzwil, sowie bei der evangelischen Kirchgemeinde Wil und bei zwei Stiftungen, beschäftigten ihn. Vor allem sind es aber seine vier Enkelkinder, für die er jetzt mehr Zeit hat, sowie auch für die Arbeiten in Haus und Garten. Eine seiner Leidenschaften ist das Kochen, eine andere die mit seinem Sohn realisierte, digital betriebene Eisenbahnanlage im Garten. Ausserdem gehen Heinz Felix und seine Gattin Vreni gerne auf Reisen. Schon bald werden sie zu einem neuen Abenteuer starten: Die nächste Reise geht zum vierten Mal nach Südamerika, dieses Mal nach Kolumbien. Dies auch, um die spanische Sprache praktizieren zu können.

Die Freude an der Musik befruchtete seine Karriere

Die Musik und das Musizieren hatten die vergangenen 50 Jahre Priorität. Heinz Felix, mit vier Geschwistern in Wil aufgewachsen, stammt nicht aus einer ausserordentlich musikalischen Familie, wie er selbst sagt. «Meine Mutter sang im Kirchenchor, der Vater erfreute sich an der Gartenarbeit». Felix hatte als Kind Freude am Blockflötenspiel und lernte im Oberstufenalter Trompete. «Die Musik machte mir Freude, der Eintritt in die Stadtmusik war eine logische Folge», sagt er. Damit streute er wohl auch den Samen, woraus seine musikalische Karriere gedieh. Er absolvierte die Rekrutenschule im Militärspiel und wurde Spielführer. Während dieser Zeit war er bereits Vizedirigent der Stadtmusik Wil und war vor allem für die Marschmusik zuständig. Bei einer Marschmusikparade sahen ihn Musikanten aus Zuzwil, die einen Dirigenten suchten und ihn gleich zu einem Probedirigat einluden. Obwohl er eigentlich noch keinen Verein dirigieren und noch lieber etwas zuwarten wollte, sagte er zu, da es ihm bei den Zuzwilern gefallen hatte. Am 1. Juli 1971 übernahm Heinz Felix den Dirigentenstab bei der Bürgermusik Zuzwil und blieb bis jetzt. «Während dieser 46 Jahren hatte ich nie einen Anstellungsvertrag», sagt er.

Felix’ Eigenheit waren die Evolutionen

Mit 22 Jahren war Felix der Jüngste im Verein und hatte den älteren Herren, die es mit der Disziplin nicht sehr genau nahmen, die Grenzen aufzuzeigen. «Diese akzeptierten meine Einwände und entschuldigten sich sogar», erzählt er. So konnte er sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Es habe immer gestimmt, vor allem auch gesellschaftlich, das sei wichtig in einem Laienverein.

Heinz Felix, der zugleich 18 Jahre die Stadtmusik Wil dirigierte und 36 Jahre deren Mitglied war sowie 25 Jahre die Militärmusik Wil leitete, bestach durch eine Eigenheit. An 32 Kreismusiktagen sowie je fünf kantonalen und eidgenössischen Musikfesten absolvierte die Bürgermusik Zuzwil den Parademusikwettbewerb mit Evolutionen. Vor Jahrzehnten im bescheidenen Stil im Militär praktiziert, hatte ihm diese Art Marschmusik zu machen, gefallen. «Damit wird den Zuschauern auch etwas für das Auge geboten», erklärt er seine Faszination. Jahr für Jahr hatte Felix zu ent-sprechenden Märschen Figuren ausstudiert und diese mit den Musikantinnen und Musikanten einstudiert. Er habe gewusst, welchen Musiktitel er wählen müsse, damit Figuren attraktiv gelaufen werden konnten, sagt er.

Auch fehlte es ihm nie an Ideen. Die Bürgermusik habe Erfolg gehabt mit dieser Präsentation von Parademusik, sagt Heinz Felix rückblickend. Nur ein einziges Mal habe der Experte keine Freude an der Präsentation der Stadtmusik Wil gehabt. Die Figur hiess «Chaos» und es war ein bewusst wildes Durcheinanderlaufen, das der Experte letztlich nicht bewerten konnte. Felix attestiert den Zuzwiler Musikanten, dass sie immer bereit waren, für Evolutionen mehr Zeit aufzuwenden. Musste er anfangs froh sein, dass sie einen Kontermarsch (gegen- und ineinander) laufen konnten, sind es heute anspruchsvolle Kombinationen, die kreuz und quer oder im Zickzack verlaufen.

Sie turnt und er machte Musik

Heinz Felix, der bis zu seiner Pension bei der UBS tätig war, hat es ebenfalls der Musik zu verdanken, dass er seine Frau Vreni kennen gelernt hatte. An einer Hochzeit, zu der seine Frau eingeladen war, spielte er in der Kirche auf seiner Trompete. Anschliessend lernten sie sich näher kennen. Das war – notabene – im gleichen Jahr als er die Dirigententätigkeit in Zuzwil aufnahm. Schliesslich heirateten sie, zogen nach Zuzwil und wurden Eltern von zwei Knaben. Während er seine Zeit für die Musik investierte, engagierte sie sich – und engagiert sich heute noch – im Turnverein. Auch er bleibt der Bürgermusik verbunden, als Homepage-Betreuer. Ein musikalisches Engagement ist für ihn zurzeit kein Thema: «Ich möchte mich nicht wieder so stark binden lassen.».

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