ZUZWIL: Der Stollen ist wieder da

Als Hochwasserschutz soll für 110000 Franken ein Entlastungsstollen unter dem Kirchhügel vertieft geprüft werden. Dies bestimmten Herr und Frau Zuzwiler an der Bürgerversammlung, obwohl sich der Gemeinderat dagegen ausgesprochen hatte.

Simon Dudle
Drucken
Teilen

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

«Den Stollen bachab geschickt», titelte die «Wiler Zeitung» vergangene Woche nach der Zuzwiler Vorgemeinde-Versammlung. Gemeinderatspräsident Roland Hardegger hatte damals erklärt, dass die Realisierung eines Entlastungsstollens mehr als doppelt so teuer zu stehen käme wie die geplante Sanierung des Dorfbachs. An den Mehrkosten würden sich Kanton und Bund nicht beteiligen. Darum sehe die Behörde von einer weiteren Prüfung des Projekts ab.

Nachdem sich die Befürworter des Stollens an jenem Anlass zurückgehalten hatten, schien das Projekt versenkt. War es aber nicht, wie sich am Mittwochabend an der Bürgerversammlung mit 336 Stimmberechtigten – die Beteiligung lag bei rund 10 Prozent – herausstellte. Den Befürwortern gelang es, mit verschiedenen Voten eine deutliche Mehrheit der Stimmenden dazu zu bewegen, einen Betrag von 110000 Franken für eine Machbarkeitsstudie ins Budget des laufenden Jahres zu nehmen. Bei der Abstimmung war das Ergebnis so klar, dass es nicht einmal die Stimmenzähler brauchte. Das Verdikt hatte sich mit zunehmender Fortdauer des Abends immer deutlicher abgezeichnet. Die meisten Votanten machten sich für die Prüfung des Stollens stark und erhielten dafür vom Souverän jeweils Applaus. Als sich Jean-Daniel Sieber von der FDP gegen das Projekt ausgesprochen hatte, blieb der Beifall aus.

Die teurere Variante prüfen

Die eine Woche zuvor vom Gemeinderat präsentierten Zahlen wurden in Frage gestellt. Die Behörde hatte an der Vorgemeinde publik gemacht, dass der Bau eines Stollens rund 10,4 Millionen Franken kosten könnte, während die Sanierung des entsprechenden Bachabschnitts mit lediglich 4,8 Millionen Franken zu veranschlagen wäre. Diese Zahlen hatten zwei Wasserbau-Firmen errechnet. «Diese Annahmen basieren auf äusserst groben Schätzungen. Es ist davon auszugehen, dass beim Stollen gegen oben gehalten wurde, beim Sanierungsprojekt gegen unten», sagte Heinz Felix. Er ist einer von zehn Personen, die sich in einem Ad-hoc-Komitee für die Prüfung eines Stollens einsetzen, um das Dorfbild zu wahren.

Eben dieses Dorfbild wurde mehrfach angetönt. Vor allem in der Dorfmitte im Bereich der Mitteldorfstrasse befürchten die Stollen-Befürworter, dass der Bach im Falle einer gewöhnlichen Sanierung deutlich abgesenkt werden müsste, da sich auf der einen Seite des Baches ein privater Weg befindet und auf der anderen eine Strasse. Es wurde proklamiert, dass eine «dreieinhalb Meter tiefe Schlucht» entstehen könnte. Praktisch alle Votanten kamen zum Schluss, dass die seriöse Prüfung eines Entlastungsstollens an die Hand genommen werden sollte. Einzig FDP-Präsident Sieber und Gemeindepräsident Roland Hardegger sprachen sie dagegen aus.

Hoffen auf Fels unter dem Kirchhügel

Somit wird das bereits aufgegleiste Sanierungsprojekt des Dorfbachs auf Eis gelegt. Erste Pläne des Stollens sehen vor, dass dieser nahe der Verbindungsstrasse Zuzwil-Wuppenau in den Kirchhügel eingeleitet wird und im Riet nahe der Tüfenwiesstrasse wieder an die Oberfläche gelangt. Unklar ist, ob sich unter dem Hügel loses Gestein oder Fels befindet. Ist es Fels, dürfte die Errichtung des Stollens rund eine Million Franken günstiger werden als bei Gestein. Der Stollen hätte eine Länge von rund 660 Metern. Bis wann die Machbarkeitsstudie vorliegt, ist offen.

Aktuelle Nachrichten