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ZUZWIL: Blauer Brief an den Zuzwiler Pfarrer

Nach der Pfarreisekretärin hat nun auch der katholische Zuzwiler Pfarrer Simon Niederer von der Kirchenverwaltung die Kündigung erhalten. Er ist überzeugt, dass diese nicht rechtens ist. Dem widerspricht der Anwalt des Kirchenverwaltungsrats.
Ursula Ammann
Pfarrer Simon Niederer nimmt vor den Medien Stellung zur Kündigung, die er vom Kirchenverwaltungsrat erhalten hat. (Bild: Ursula Ammann)

Pfarrer Simon Niederer nimmt vor den Medien Stellung zur Kündigung, die er vom Kirchenverwaltungsrat erhalten hat. (Bild: Ursula Ammann)

ZUZWIL. Er sei erschrocken, habe nicht gedacht, dass so etwas möglich sei, sagt Simon Niederer. Der katholische Zuzwiler Pfarrer spricht von der Kündigung, die er per eingeschriebenem Brief erhalten hat. Der Kirchenverwaltungsrat der katholischen Kirchgemeinde Zuzwil-Züberwangen listet in mehreren Punkten die Gründe auf, weshalb das Arbeitsverhältnis mit dem Priester aufgelöst werden soll. Für Simon Niederer sind diese ungerechtfertigt. «Zehn Halbwahrheiten ergeben noch keine Wahrheit», sagt er.

In den aufgeführten Punkten kritisiert der KVR unter anderem ein «eigenmächtiges» Handeln sowie eine «destruktive und desinteressierte» Haltung Niederers. So heisst es etwa, dass der Pfarrer schon seit Jahren darauf bestehe, den Religionsunterricht für Erstkommunikanten selber durchzuführen, «obwohl sich die Eltern jedes Jahr über den emotionslosen, unprofessionellen und demotivierenden Unterricht beschweren». Auch das Verhalten des Pfarrers im Fall Sandra Monsorno kommt zur Sprache. Die Pfarreisekretärin hatte vom Kirchenverwaltungsrat die Kündigung per Ende Dezember erhalten. «Gegen den ausdrücklichen Willen des Pfarrers und des Pastoralteams», wie darauf in einem Inserat, auf einem Transparent und im Mitteilungsblatt der Gemeinde zu lesen war. Mit dieser Aktion trug der Pfarrer den unterschwelligen Konflikt mit dem KVR an die Öffentlichkeit. Rückendeckung erhielt er von der IG «Transparenz und Menschlichkeit in der Pfarrei». Diese lud im September an einen öffentlichen Infoanlass, wo mit Vorwürfen an die Adresse des KVR nicht gespart wurde. Der Anlass war Startschuss für eine Unterschriftensammlung (siehe Infokasten) gegen die Kündigung der Pfarreisekretärin.

«Eine weitere Machtdemonstration»

Dass nun auch der Pfarrer den blauen Brief erhalten habe, sei Ausdruck eines weiteren Machtaktes, den der Kirchenverwaltungsrat demonstriere, sagt Claudine Hofer von der IG. Sie und Niederer sind überzeugt, dass die Kündigung nicht rechtens ist. Der Pfarrer sei vom Volk gewählt und habe einen bischöflichen Auftrag.

«Diese Kündigung ist juristisch möglich», sagt Raphael Kühne, Rechtsanwalt des katholischen Kirchenverwaltungsrats Zuzwil. Eine Pfarrwahl durch das Volk bedeute nicht automatisch, dass dieses auch bei einer Kündigung mitreden könne. «Das Volk drückt mit der Wahl lediglich seine Zustimmung aus, dass es mit dem Kandidaten, den der Bischof vorschlägt, einverstanden ist.»

Allerdings müsse man zwischen dem staatskirchenrechtlichen und dem kirchenrechtlichen Teil unterscheiden, so Kühne. Die Kündigung, die der Kirchenverwaltungsrat ausgesprochen habe, sei staatskirchenrechtlicher Natur. Den bischöflichen Auftrag, die Missio, könne nur der Bischof selbst aufheben, wie es das Kirchenrecht vorsieht. Tut dies der Bischof nicht, so hat Simon Niederer zwar noch einen Auftrag vom Bistum, aber kein Anstellungsverhältnis in der Kirchgemeinde und damit auch keinen Lohn mehr.

Der Bischof hat mittlerweile von der Kündigung erfahren, jedoch nicht durch Niederer selbst. Dieser habe noch keinen Kontakt mit Bischof Markus Büchel aufgenommen, sagt Sabine Rüthemann, Kommunikationsbeauftragte des Bistums St. Gallen. Nun gelte es, die Situation neu zu beurteilen. Mehr könne im Moment nicht dazu gesagt werden.

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