«Zur Not hätten wir einen Plan B»: Köhlerin will der Region Wil tüchtig einheizen, wenn es das Corona-Virus zulässt

Das Köhlerfest Hochwacht in Sirnach ist für den 12. bis 28. Juni geplant. Ob es stattfinden kann, unklar. Entschieden wird wohl erst Mitte Mai.

Hans Suter
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Alle sind bereit für das Köhlerfest auf der Hochwacht. Wenn es die Corona-Krise erlaubt, wird der Meiler ab 5.Juni aufgebaut. Im Bild Revierförster und Initiant Claude Engeler (links), die Entlebucher Köhlerin Doris Wicki und der pensionierte Förster und Köhlerkollege André Schraner aus dem aargauischen Wil.

Alle sind bereit für das Köhlerfest auf der Hochwacht. Wenn es die Corona-Krise erlaubt, wird der Meiler ab 5.Juni aufgebaut. Im Bild Revierförster und Initiant Claude Engeler (links), die Entlebucher Köhlerin Doris Wicki und der pensionierte Förster und Köhlerkollege André Schraner aus dem aargauischen Wil.

Bild: Hans Suter

«Die Region trifft sich am Meiler.» Das ist die Leitidee des Köhlerfestes 2020, das für den 12. bis 28. Juni geplant ist. Als vor zwei Jahren das Holz für den Meiler geschlagen wurde, ahnte allerdings noch niemand, dass die Schweiz zwischenzeitlich die «ausserordentliche Lage» erklären und Teile der Armee mobilisieren würde. Und das wegen eines unsichtbaren Feindes: dem Corona-Virus. Initiant Claude Engeler, der Förster des Forstreviers Sirnach, lässt sich davon aber nicht entmutigen. «Wir haben gegen 3000 Reservationen im Festzelt und 400 von etwa 500 Helferinnen und Helfern sind bereits eingeteilt: Wir sind auf der Zielgeraden.»

«Bis zum Schluss flexibel bleiben»

Doch was ist, wenn die Corona-Krise eine Durchführung verunmöglicht? «Zur Not hätten wir einen Plan B», sagt Claude Engeler, mag aber noch nicht darauf eingehen. Denn die Hoffnung hat er noch nicht ganz aufgegeben. «Der definitive Entscheid dürfte erst in der zweiten Maihälfte fallen. Bis dahin geht die Planung unter den gegebenen Umständen weiter und wir bleiben bis zum Schluss flexibel», sagt der Balterswiler.

Ein altes Handwerk lebt wieder auf

Für den Aufbau und das Abbrennen des Meilers ist die Entlebucher Köhlerin Doris Wicki verantwortlich. Dem alten Zieglergruss «Gut Brand!» auf ihrem roten Halstuch will sie alle Ehre machen. «Es wird ein stattlicher Meiler werden», verspricht sie mit einem Lächeln. 50 Ster Holz haben die Waldbesitzer zur Verfügung gestellt. Daraus werden gegen fünf Tonnen Holzkohle entstehen. Das alte Handwerk hat sie 2004 von ihren Brüdern und ihrem Vater gelernt.

In einer Saison, die von Frühling bis Herbst dauert, baut und verkohlt Doris Wicki vier bis fünf Meiler. Je hälftig unter und über 40 Ster. Als Vorstandsmitglied des europäischen Köhlervereins EKV setzt sie sich zudem weit über die Unesco-Biosphäre Entlebuch hinaus für den Erhalt des Köhlerhandwerks ein.

Was in einem Meiler vor sich geht

Wie aber funktioniert ein Kohlemeiler? Basis bildet ein stabiler Unterboden, der die Last der 25 Tonnen aufgeschichteten Buchholzscheite tragen muss und unter dem die Luft zirkulieren kann. In der Mitte wird eine Art Kamin errichtet, in der Entlebucher Fachsprache Füllihaus oder Füllischacht genannt. Vor diesem Kamin werden dann rundherum Buchenholzscheite von einem Meter Länge möglichst dicht und in einem definierten Winkel aufgeschichtet. Ist das vollbracht, wird der entstandene Meiler mit Tannen- und Fichtenästen abgedeckt, damit kein Material von der noch aufzutragenden Deckschicht ins Holz gelangen kann: dem Löschimantel. Dieser besteht aus Kohlestaub und kleinen Kohlestücken und wird möglichst dicht angepresst. «Der Löschimantel verschliesst den Meiler luft- und wasserdicht», sagt Doris Wicki. Als Löschi verwendet sie Jahrzehnte altes Material aus ehemaligen Entlebucher Meilern. Die rund 20 Kubikmeter Material für den Löschimantel werden mit einem Lastwagen vom Entlebuch auf die Hochwacht und am Ende wieder zurück ins Entlebuch transportiert. Als letzter Arbeitsschritt werden nun von allen Seiten Löcher in den Meiler gebohrt. Diese lassen sich beliebig so öffnen und schliessen, dass die Glut in Gang bleibt und das Holz langsam verkohlt.

Mit dem Anzünden beginnt ein 24-Stunden-Job

«Der Verkohlungsprozesse erfolgt von oben nach unten und von innen nach aussen», sagt Doris Wicki. «Entscheidend ist, dass von Anfang an sehr exakt gearbeitet wird.» Da dürfe nichts schief gehen. «Gelangt zu viel Sauerstoff an das Holz, verbrennt es und es bleibt nur Asche statt Holzkohle übrig.»

Der grosse Moment für die Köhlerin ist das Anzünden des Meilers. Dazu wird heisse Glut von oben in den Füllischacht gefüllt, etwas Holz nachgelegt und dann wird der Kamin verschlossen. Nun beginnt der Verkohlungsprozess. Für die Köhlerin bedeutet das den Beginn eines 24-Stunden-Jobs. Sie muss den Meiler alle zwei Stunden kontrollieren und je nach Situation eingreifen.

Am 28. Juni schliesslich ist alles vorbei und Doris Wicki kann endlich wieder ruhig schlafen.

Weitere Informationen unter www.koehlerfest-hochwacht.ch