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Zur Menschenrechtsarbeit berufen

Der Degersheimer Pater Josef (Chepe) Schönenberger engagiert sich im Auftrag der Bethlehem Mission Immensee (BMI) in der kolumbianischen Menschenrechtsarbeit. Morgen wird er mit dem Anerkennungspreis der Jurt-Stiftung honoriert.
Pater Josef Chepe Schönenberger erhält für seine Menschenrechtsarbeit in Kolumbien den Jurt-Preis. (Bild: zVg.)

Pater Josef Chepe Schönenberger erhält für seine Menschenrechtsarbeit in Kolumbien den Jurt-Preis. (Bild: zVg.)

Herr Pater Chepe Schönenberger, Sie sind in Degersheim geboren und aufgewachsen. Was zog Sie nach Kolumbien?

Chepe Schönenberger: Ich hatte schon immer den Wunsch, zu studieren und andere Völker und Kulturen kennenzulernen. Mit zwölf Jahren habe ich das Immensee-Gymnasium in Rebstein besucht. Mich hat Lateinamerika schon immer fasziniert. Schon während des Studiums habe ich mich zur Menschenrechtsarbeit berufen gefühlt. Nach der Priesterweihe bin ich nach Kolumbien gereist, um als Missionar mit anderen zusammenzuarbeiten.

20 Jahre arbeiteten Sie an verschie- denen Orten im Süden des Landes

als Priester, seit fünf Jahren

für die Diözese Quibdó (Provinz

Chocó im Nordwesten), einer

Partnerorganisation der BMI

in der Menschenrechtsarbeit.

Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Schönenberger: Die Böden in der Provinz sind reich an Gold und Mineralien. Mit Palmöl-Monokulturen für Agrotreibstoffe lässt sich viel Geld verdienen. Hinzu kommt der Coca-Anbau. Die Bevölkerung wird auf ihrem Land bedroht, sie werden bestochen und vertrieben. Geld regiert. Guerilla und Paramilitärs, die Mafia, die Armee und die Regierung wollen alle etwas vom Kuchen. Innerhalb der Diözese arbeite ich mit der Kommission «Leben, Gerechtigkeit und Friede». Wir sind sechs Personen, ein Schweizer, zwei Deutsche und drei Kolumbianer. Die Kommission besteht aus Juristen, Pressesprechern und anderen. Wir begleiten und unterstützen Dorfgemeinschaften und Menschen, die aufgrund des bewaffneten Konflikts in Kolumbien in Gefahr leben. Zehntausende von Menschen mussten fliehen, viele wurden ermordet. Unsere Kommission klärt die Menschen über ihre Rechte auf.

Hatten Sie Erfolg?

Schönenberger: Zu Beginn unserer Arbeit haben die Menschen geschwiegen. Sie haben nicht erzählt, was ihnen widerfahren ist. Sie haben für sich behalten, dass ihre Angehörigen ermordet und von ihrem Land vertrieben wurden. Mit der Zeit haben sie sich geöffnet. Wir konnten bis heute 700 Fälle registrieren. Der interamerikanische Gerichtshof in Washington hat eine Sammelklage angenommen, das ist eine sehr erfolgreiche Sache. Das finde ich sehr erfreulich.

Haben Sie nie Angst verspürt?

Schönenberger: Angst habe ich nie gehabt. Ein mulmiges Gefühl überkommt mich, wenn man einen Kontrollposten des Militärs passiert, oder wenn man auf bewaffnete Gruppierungen trifft. Aber direkt bedroht wurde ich noch nie. Mein internationaler Status und die Diözese wird respektiert.

Hatten Sie nie Heimweh?

Schönenberger: Nein, Heimweh habe ich nie verspürt. Im Gegenteil. Zwischendurch war ich für neun Jahre wieder zurück in der Schweiz. Damals hatte ich riesiges Heimweh nach Kolumbien. Ich mag das kolumbianische Volk und ihre Kultur. Viele Leute bringen Kolumbien mit Drogen und Gewalt in Verbindung. Schätzungsweise zehn Prozent der Bevölkerung sind in kriminelle Machenschaften verwickelt. Die restlichen neunzig Prozent sind ganz tolle Leute.

Morgen Samstag erhalten Sie den

Anerkennungspreis der Alois

und Jeanne Jurt Stiftung für Ihr

Engagement in der Menschen-

rechtsarbeit. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Schönenberger: Ich bin überhaupt nicht erpicht darauf, als Held dazustehen. Eigentlich müsste der Preis an die ganze Kommission gehen. Doch der Preis wird nur an einen Schweizer Missionar verliehen. Ich mache jetzt das Beste daraus und finde es gut, dass die Menschenrechtsanliegen auf diesem Weg Publik werden. Ich bin nun für einen ganzen Monat in der Schweiz und werde in Pfarreien und Schulen über die Menschenrechtssituation berichten.

Sie sind vom 18. bis 21. Juni auch

in Degersheim.

Schönenberger: Ja, darauf freue ich mich. Ich freue mich, meine Verwandten und die Degersheimer wieder zu sehen. Ich wurde in die katholische Pfarrei eingeladen. Am Sonntag werde ich in der Kirche in Degersheim und Wolfertswil die Predigt halten. Am Montagabend erzähle ich an einem öffentlichen Anlass von meiner Arbeit und werde Schulklassen besuchen.

Der Jurt-Preis ist mit 25 000 Fran-

ken dotiert. Was machen Sie mit

dem Geld?

Schönenberger: Die Hälfte davon finanziert meine Arbeit für ein Jahr. Die andere Hälfte geht in einen Fonds für juristische Beratung und Begleitung für Gewaltopfer und deren Angehörigen.

Sie sind 64 Jahre alt. Was haben Sie für Pläne?

Schönenberger: Ich hoffe, dass ich bis siebzig weiter in Kolumbien arbeiten kann. Denn die Menschenrechtsarbeit liegt mir sehr am Herzen.

Interview: Melanie Graf

In der heutigen Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens ist ein Beitrag über Josef Chepe Schönenberger geplant.

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