Zum Töpfern nach China: Stefanie Montagna reist für einen Studienaufenthalt in die «Stadt des Porzellans»

Stefanie Montagna ist vom Amt für Kultur mit einem Werkbeitrag ausgezeichnet worden. Das Preisgeld setzt sie ein, um nach Jingdezhen zu reisen. Zwei Monate wird sie dort in einem internationalen Keramik-Zentrum ihrem Handwerk nachgehen.

Tobias Söldi
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Bei der Arbeit: Aus einem unförmigen Klumpen Ton entsteht eine wohlgeformte Schale. (Bilder: Tobias Söldi)

Bei der Arbeit: Aus einem unförmigen Klumpen Ton entsteht eine wohlgeformte Schale. (Bilder: Tobias Söldi)

Stefanie Montagnas Vorfreude ist gross: «Ich arbeite schon so lange mit Porzellan, war aber noch nie an dessen Ursprung.» Das wird sich im Herbst des nächsten Jahres ändern. Dann reist die 57-Jährige Töpferin von Flawil nach Jingdezhen, eine 1,5-Millionen-Stadt im Osten von China, auch bekannt als «Stadt des Porzellans». Ihr Ziel: der «Pottery Workshop Jingdezhen», ein internationales Keramik-Zentrum mit Ateliers für Künstlerinnen und Künstler, Galerien, einem Bildungszentrum und einem Designstudio.

Zwei Monate wird Montagna in diesem «Laboratorium», wie sie es nennt, verbringen und ihrem Handwerk nachgehen. «Ich gehe ohne konkretes Projekt hin, lasse mich inspirieren und suche nach neuen Impulsen.» Inputs erhofft sie sich auch von den Hunderten von Töpfereien, die es rund um das Keramik-Zentrum gibt. «China hat ein grosses Wissen um keramische Techniken mit einfachen Mitteln», sagt sie.

Möglich macht der Aufenthalt auch der kantonale Werkbeitrag in der Höhe von 10000 Franken, den Montagna kürzlich vom Amt für Kultur erhalten hat (siehe Kasten). Nach dem Studienaufenthalt in der Werkstatt plant Montagna, einen weiteren Monat durch die Region zu reisen. «Allerdings muss ich noch etwas besser Englisch lernen», sagt sie mit einem Lachen.

Kantonale Werkbeiträge

In diesem Jahr unterstützt der Kanton dreizehn Vorhaben von Kulturschaffenden mit einem Werkbeitrag. Zudem kommen vier Personen in den Genuss eines Atelieraufenthalts in Rom oder Berlin. Beworben haben sich 78 Personen mit Bezug zum Kanton St. Gallen. Mit den Werkbeiträgen fördert der Kanton interessante und eigenständige Projekte von Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten. Die Unterstützung soll den Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, ihre Ideen, Vorhaben und Werke auszuarbeiten, ihre künstlerische Tätigkeit weiterzuentwickeln oder ihre Recherchen zu vertiefen. (pd)

Im Haushalt und an Ausstellungen

Montagna ist dem Ton verfallen. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet sie als Töpferin. «Ton war – neben meinen Kindern – irgendwie immer ein Teil meines Lebens», sagt sie. Schon als Sekundarschülerin wusste sie von ihrer Bestimmung, bildete sich aber zuerst zur Kindergärtnerin aus. Erst später absolvierte sie eine Lehre als Töpferin. Heute stellt Montagna in ihrer Werkstatt in Flawil, versteckt hinter einem wild wuchernden Garten an der Schulstrasse beim Spital, Keramikgegenstände aller Art her, darunter Tassen, Teller und Schalen für den täglichen Gebrauch.

«Ich finde es schön, jeden Tag etwas in der Hand zu haben, das mit viel Liebe gemacht ist», sagt sie. Ihre Arbeiten verkauft Montagna, einige waren aber auch schon an verschiedenen Ausstellungen zu sehen. Ab Juli sind ihre Werke zudem in einem kleinen Geschäft in Zürich zu erstehen, der «Brunngass Keramik», geführt von einem Kollektiv von Keramikprofis.

Florale Muster gehören zu Montagnas Spezialitäten.

Florale Muster gehören zu Montagnas Spezialitäten.

Fotografien auf Keramikplatten

«Ton ist wahnsinniges Material, das mir immer wieder neue Möglichkeiten bietet. Es ist mir auf jeden Fall noch nie verleidet», schwärmt sie. So sei Ton vielseitig einsetzbar, ursprünglich – «der Mensch hat schon immer mit Ton gearbeitet» – und in seiner Weichheit und Formbarkeit einladend. Fehler liessen sich einfach umformen; Kinder könnten genauso damit arbeiten wie Profis. «Und es eignet sich auch für die therapeutische Arbeit», sagt Montagna, die nebenbei als Kunsttherapeutin wirkt.

Besonderes Augenmerk legt Montagna dabei auf die Oberflächengestaltung ihrer Werke. «Ich arbeite viel mit floralen Mustern», erklärt sie. Eine Faszination, die sich auch in ihrem Engagement im Naturschutzverein Flawil spiegelt. Aufwendig seien auch die Glasuren für die Gefässe. «Ich pröble viel, bis ich die richtige Zusammensetzung gefunden habe.» Zurzeit experimentiert Montagna zudem mit der Cyanotypie, einem alten fotografisches Edeldruckverfahren mit typisch cyanblauen Farbtönen. Sie versucht, Fotografien auf Keramikplatten abzubilden. «Da führe ich seit Jahren Versuche durch», sagt sie.