Zum Tod von Siegfried Kobelt:  
Ein Leben voller Farbe und Musik

Siegfried (Sigi) Kobelt, einst Sekundarlehrer, leitete als Gemeindeammann die Geschicke der Gemeinde Uzwil von 1965 bis 1990. Am 31. Dezember ist er verstorben.

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Sigi Kobelt war ein kunstbeflissener und belesener Mensch. Besuchte gerne Konzerte und Ausstellungen. So war ihm die Schaffung der Galerie zur alten Bank in Niederuzwil ein besonderes Anliegen. Der Verstorbene hat überdies lange für einen Saal gekämpft. Es war ein steiniger Weg, ehe Uzwils Gemeindesaal als politisches und kulturelles Zentrum im Jahr 1987 eingeweiht werden konnte. Dem Bau waren lange Diskussionen vorangegangen. Zur Eröffnung schrieb der Verstorbene: «In alten Zeiten traf man sich am Dorfbrunnen, wo man plauderte, Neuigkeiten vernahm und so einander näherkam. Heute leben wir isoliert. Wir kennen kaum den Nachbarn. Der Sinn für Gemeinschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl ist weitgehend verloren gegangen.» Diese Gedanken hatte Kobelt notabene zu einer Zeit formuliert, als von Social Media noch keine Rede war und das Internet erst in seinen Anfängen stand.

Engagement für Bildung, Sport und Gesellschaft

Sigi Kobelt wohnte an der Ringstrasse nahe der Uze, die 1970 durch ein Hochwasser verheerende Schäden angerichtet hat. Erst nach seiner Amtszeit wurde ein Entlastungsstollen von der Uze in die Glatt Tatsache. Unter Kobelts Ägide entstand die Sportanlage Rüti in Henau, und auch das Schwimmbad wurde saniert. Hinzu kamen Bauten im Bildungsbereich wie der Kindergarten in der Breiti und der Doppel-Kindergarten an der Fichtenstrasse. Ebenso das neue Berufsschulzentrum an der Schöntalstrasse. Schliesslich engagierte sich Kobelt für das neue regionale Pflegeheim Sonnmatt, das 1987 eröffnet werden konnte.

«Trotz der Dominanz von Industrie und Gewerbe ist Uzwil als Wohnort attraktiv», hat Sigi Kobelt einmal gesagt und das Naherholungsgebiet gelobt. Er erwähnte, dass der Industrie Sorge getragen werden und keine Politik betrieben werden sollte, die dieser grundsätzlich zuwiderlaufe. Der Verstorbene erinnerte dabei an das Schwimmbad und die Kunsteisbahn, die ohne die Unterstützung der Bühler AG nicht zu Stande gekommen wären.

Mitglied der FDP

Siegfried Kobelt fühlte sich dem liberalen Gedankengut verpflichtet und war Mitglied der FDP. Überdies hat er den Bezirk Untertoggenburg als Kantonsrat in der Pfalz vertreten. Er verfolgte seine Ziele mit Vehemenz und scheute sich nicht vor kontroversen Diskussionen. Er habe die Gemeinde weitsichtig und zeitgemäss geführt, würdigt ihn seine Partei in einer Todesanzeige. «Für seinen grossen Einsatz in Gemeinde und Kanton sowie in regionalen Aufgaben sind wir sehr dankbar», hält die FDP Uzwil fest.

Distanz zur Lokalpolitik

Nach seinem Rücktritt betrachtete Siegfried Kobelt das Uzwiler Lokalgeschehen aus würdiger Distanz, hielt sich aus der Lokalpolitik heraus, war aus der Ferne aber trotzdem nah dran. Er zeichnete sich durch seinen geistreichen Humor aus. Reich erfüllt, voller Farbe und Musik sei sein Leben gewesen, schreiben seine Angehörigen. Und bis ins hohe Alter seien sein wacher Geist und seine Unternehmungslust erhalten geblieben. Am 31. Dezember ist Siegfried Kobelt im Alter von 94 Jahren gestorben. (stu)