Zum Gedenken an Tony Vinzens

Zum Gedenken an Tony Vinzens, der am 17. Juni verstarb. Ein glücklicher Mann mit vielen Begabungen und der Fähigkeit, diese zur Entfaltung zu bringen.

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Lieber Tony, du hast deiner Familie, deinen Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen, all den Menschen, die dich kannten und liebten, den Abschied schwer gemacht. Du hinterlässt eine grosse Lücke, aber du hast auch durch dein ganzes Wesen tiefe Spuren geprägt, welche die Erinnerung umso stärker aufleuchten lassen.

Wenn jemand wie du einen guten, von aussen sichtbaren, erfolgreichen Weg hat beschreiten können, der ist ohne Zweifel auch einen bemerkenswerten inneren Weg gegangen,

der dich zu dem werden liess, der du gewesen bist: ein guter Mensch in dir selbst, aber auch zu all deinen Mitmenschen, angefangen von deinen Nächsten bis zu den Ferneren in deinem grossen, offenen Lebenskreis.

Du warst ein glücklicher Mann, reich an Begabungen, die dir deine Eltern mit auf den Weg gaben und die du in einem seltenen Ausmass zur Entfaltung gebracht hast.

Du warst wesentlich auf die Gemeinschaft mit andern ausgerichtet mit einem ausgeprägten pädagogischen Sinn, gleichzeitig von hoher Kreativität und beseelt von tiefer Verantwortung: Du hast nie für dich allein gelebt.

In Wil Wurzeln geschlagen

Es soll konkreter an einzelne Entwicklungen, Begebenheiten erinnert werden, die dich charakterisieren: Aufgewachsen bist du in St. Margrethen im Rheintal. Zielbewusst hast du die Kanti (damals St.

Gallen als nächste) mit Latein-Matura angestrebt, um anschliessend die Sekundarlehrerausbildung zu machen. An deiner ersten Stelle, nämlich in Wil, hast du so feste Wurzeln geschlagen, dass du nie mehr anderswohin zügeln musstest, gleich einem grossen Baum mit weit ausladenden Ästen: zuerst bis St. Gallen als Leiter der Städtischen Schulen (1986–2003), dann in die Direktion des Schulamtes in Zürich (2003–2010). Nichts konnte dich hindern, weitere wichtige Äste auszutreiben.

Grosses Engagement

Der Verheiratung mit Martha Rotzetter 1973 folgten die heiss geliebten Kinder Mischa und Nicola. Du hast berufsbegleitend an der HSG den MBA gemacht – gewiss im Blick auf künftige Herausforderungen. Manch andere Dinge liefen auch «berufsbegleitend»: Mutig Impulse zu geben, etwas anzupacken (gelegentlich heisse Eisen), zu inszenieren, aber auch durchzuziehen: So warst du dabei, als die katholische Kirche in den 70er-Jahren Schritte in die Zukunft versuchte.

Du hast zusammen mit deinem Freund Hans Wechsler die brodelnde Unruhe in der Wiler Jugend in eine aufbauende Jugendkultur umgewandelt. Anregungen für Theaterproduktionen und eigenes intensives Mitwirken besonders in St. Gallen sind in deiner Biographie zu finden so gut wie eine vorausschauende Restaurierung des Hofes zugunsten vielfältiger Nutzung.

Die Forderung neuer kultureller Ausdrucksformen und damit auch ihrer Akteure war dir ein permanentes Anliegen wie auch die Fortbildung all deiner Mitarbeitenden. Du hast auch nicht gezögert, deine Erkenntnisse und Erfahrungen in Vorträgen und Publikationen an andere weiterzugeben. Wie hast du, Tony, dies nur geschafft?

«Kraftort» Familie

Beim Gedanken an den wunderbar gestalteten Abschiedsgottesdienst vom vergangenen Freitag mit den berührenden Zeugnissen

deiner Kinder und anderer, erkennt man, wie sehr die Familie der «Kraftort» war, der all dies in deinem Leben möglich machte. Zusammen mit Martha hast du in und mit dieser Lebensgemeinschaft das Wachsen nie aufgegeben, zum Segen und Wohl von unzähligen Menschen. Immer wieder bist du auch neue Wege gegangen, bis hin zum Erlernen von neuen Sprachen.

Der harte Einbruch in deinen Lebensweg ereilte dich und die Deinen plötzlich im letzten Frühsommer. Eine gefährliche Krankheit machte sich bemerkbar, die zunächst der modernen Medizin nicht zu widerstehen schien. Du konntest nach Wochen die Arbeit wieder aufnehmen. Hoffnung erfüllte dich und alle. Im Spätherbst verschlechterte sich dein Zustand schrittweise, und seit Mitte März gingest du nicht mehr in deinen Wirkungskreis. Dein weites Blickfeld und deine Interessen engten sich ein.

Du musstest dich bescheiden auf eine sich verkleinernde Welt, musstest dich abfinden mit Störungen wichtiger Funktionen. Ohne darüber zu sprechen, ohne Hader hast du das Unausweichliche angenommen. In deinen Worten: «Die letzte Trompete bläst. Der letzte Vorhang fällt. Steig ein, ich flieg davon …» Nur die liebevolle Pflege durch Martha und die ganze Familie wie auch durch nahe Freunde brachte dir noch kurze Erleichterung. Deine Liebsten waren dir nahe in deiner äussersten Not.

Und dann gingest du ein in den Frieden, in das Geheimnis Gottes. Du warst bereit.

Tony, wir danken dir für alles, was du uns geschenkt hast. Stärker als Leid und Tod ist die lebendige Erinnerung an dich.

Hans Günter