Zum Essen gehen sie in die Stadt

RICKENBACH. Gestern war es wieder so weit. Einmal im Monat treffen sich rund 20 Seniorinnen und Senioren aus Rickenbach zum Mittagstisch. Dieser findet jenseits der Kantonsgrenze statt. Im eigenen Dorf lässt sich kein geeigneter Gasthof finden.

Sven Kellenberger
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Die teilnehmenden Senioren genossen die Gesellschaft. Über die Vergangenheit, aber auch über aktuelle Angelegenheiten wurde geplaudert und sich ausgetauscht. (Bild: Sven Kellenberger)

Die teilnehmenden Senioren genossen die Gesellschaft. Über die Vergangenheit, aber auch über aktuelle Angelegenheiten wurde geplaudert und sich ausgetauscht. (Bild: Sven Kellenberger)

RICKENBACH. Zeit ist bekanntlich ein kostbares Gut. Doch was tun, wenn sie im Alter endlich zur Genüge vorhanden ist? Ganz einfach: Mittag essen. Das haben sich auf jeden Fall die 15 Teilnehmer am gestrigen Mittagstisch gedacht. Für 14 Franken pro Person konnten sie einige gesellige Stunden verbringen.

Rickenbacher in Wil

Seit nunmehr mehr als drei Jahren treffen sich einige Senioren an jedem zweiten Donnerstag des Monats zum gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Lindenhof. Ins Leben gerufen hat den Anlass die Ortsvertretung der Pro Senectute in Rickenbach. Sie besteht aus dem Ehepaar Dora und Werner Walthert. Die meisten Teilnehmer kommen ebenfalls aus dem Dorf. Ortskundigen dürfte nun auffallen, dass dieser Umstand ein wenig widersprüchlich ist. Denn das Restaurant Lindenhof befindet sich – obwohl nahe an der Kantonsgrenze – in Wil.

Dominik Bruhin, der regelmässig teilnimmt und seit über 50 Jahren in Rickenbach wohnt, weiss warum: «Es gibt in Rickenbach schlichtweg keine geeignete Gastwirtschaft.» Der 69jährige Werner Walthert präzisiert: «Natürlich haben wir zuerst in Rickenbach nach einem Restaurant gesucht. Wir haben uns alle Gasthöfe im Dorf angesehen, aber keines erfüllte unsere Ansprüche.» Diese sind auf die Bedürfnisse der Senioren abgestimmt. Geachtet wird auf ein Rauchverbot, wenige Hindernisse (wie Treppen) und vorhandene technische Hilfsmittel (zum Beispiel Lifte). «Der <Lindenhof> erfüllt alle diese Anforderungen», sagt Walthert. «Wir sind ausserdem sehr zufrieden mit dem Service.»

Abwechslung für die Senioren

Die Teilnehmer des Seniorenmittagstisches verstehen sich jedoch keineswegs als Verein. Es gibt keine Mitgliederbeiträge und auch keinen Zwang. Neue Teilnehmer können sich jederzeit für den gesellschaftlichen Anlass anmelden, ohne eine Verpflichtung einzugehen. Das Alter der teilnehmenden Senioren und Seniorinnen beträgt üblicherweise mindestens 60 Jahre. Es dürfen aber auch Enkelkinder und andere Besucher, die nicht ganz so alt sind, mitessen.

Gestartet wurde 2011 mit acht Teilnehmern, inzwischen kommen regelmässig zwischen 18 und 23 Senioren. Und es gefällt ihnen. «Hier kann ich gut essen und ein bisschen plaudern. Der Mittagstisch bietet mir die Gelegenheit, mich unter die Leute zu mischen», sagt Berty Steger, die ebenfalls in Rickenbach wohnt. Auch der älteste Teilnehmer, Emil Wiesli, ist zufrieden mit dem Essen. Der Urrickenbacher, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, wurde von seinem Sohn auf den Mittagstisch aufmerksam gemacht.

Werner Walthert und seine Frau Dora haben den Mittagstisch ins Leben gerufen, «damit die alten Leute nicht alleine zu Hause versauern.» Sie seien allerdings noch nicht ausgelastet. «Wir sind immer froh über neue Gesichter und haben noch Platz», sagt Werner Walthert.

Es geht auch ohne Sponsoren

Ein Aspekt, den Walthert besonders hervorhebt, ist der Umstand, dass es keine Sponsoren gibt. Auch die Gemeinde zahlt keinen Beitrag. Im Gegenteil: Für jeden Teilnehmer erhält Pro Senectute vom Bund einen fixen Betrag. Der Mittagstisch ist somit der Unterstützer und nicht der Unterstützte. Weil es sich um keinen Verein handelt, bezahlen die Senioren ausserdem nur ihr eigenes Essen.

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