Zum 20-Jahr-Jubiläum
eine dritte CD

Der böhmisch-mährische Stil gefällt Ernst Lenggenhager. Deshalb entschied sich der Flawiler vor 13 Jahren den Gallusmusikanten beizutreten. Sie frönen einem Musikstil, der an Popularität gewinnt – vor allem bei jungen Musikern. Er weiss warum.

Zita Meienhofer
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Bei schönen Melodien sich vom Alltagsstress erholen und ihn vergessen, das ist für Ernst Lenggenhager der Grund für seine Mitgliedschaft bei den Gallusmusikanten.(Bild: PD)

Bei schönen Melodien sich vom Alltagsstress erholen und ihn vergessen, das ist für Ernst Lenggenhager der Grund für seine Mitgliedschaft bei den Gallusmusikanten.(Bild: PD)

Ernst Lenggenhager, 64-jährig, aus Flawil machte, was damals als 18-Jährige etliche taten: er lernte ein Blechblasinstrument, trat dem örtlichen Musikverein bei und blieb rund 30 Jahre Mitglied der Harmoniemusik Flawil. Dazwischen spielte er bei der Brass Band Ostschweiz.

Mit etwa 50 Jahren befand Ernst Lenggenhager, dass er nur noch jene Musik spielen wolle, an der er Freude hat. Musik der böhmisch-mährischen Stilrichtung – Polkas, Walzer kurzum Melodien, die er gerne hört. So kam er vor 13 Jahren zu den Gallusmusikanten, die einen Bassisten suchten. Seit elf Jahren ist er Präsident dieser Blaskapelle und sagt: «Ich habe den Plausch daran.»

Aus dem Musikverein entstand eine Blaskapelle

Die Gallusmusikanten entstanden aus der Blasmusik St. Jakob-St. Gallen. Diese hatte in den 1980er- und 1990er-Jahren turbulenten Zeiten erlebt und Neuanfänge in verschiedenen Formationen versucht. Ein Neuanfang glückte erst, als sich die Musikantinnen und Musikanten am böhmischen Stil zu orientieren begannen. Vor 20 Jahren wurde der Grundstein der Gallusmusikanten gelegt, denn es folgte die Umbenennung sowie die Mitgliedschaft im kantonalen und eidgenössischen Blasmusikverband sowie bei der Interessengemeinschaft Schweizer Blasmusikkapellen. Seither wird wöchentlich am Donnerstagabend im Restaurant Kreuz in Winkeln geprobt. Ernst Lenggenhager hält fest, dass zudem zu Hause regelmässig geübt werden müsse. Das werde von jedem Mitglied erwartet.

22 Musikantinnen und Musikanten aus dem Toggenburg, dem Rheintal, dem Thurgau und aus Appenzell Ausserrhoden sowie die Techniker Artur Zettner und Adrian Lenggenhager bilden die Formation, die von Alois Gmür dirigiert wird. Dazu gehören auch das Gesangsduo Christine Zetter und Wolfgang Hartmann. «Der Gesang ist es», so Ernst Lenggenhager, «der uns abhebt, denn Sänger haben nur wenige Kapellen».

Rund 20 Auftritte stehen jährlich auf dem Programm nebst dem Frühlingskonzert. Für dieses werden stets neue Titel eingeübt. Etwa 50 Titel gehören zum Repertoire der Blasmusikkapelle, viele Titel, die nicht ständig zu hören sind, aber auch Ohrwürmer dieser Stilrichtung und Eigenkompositionen. In den Reihen der Gallusmusikanten befindet sich nämlich der Dussnanger Josef Meile. Er spielt Bariton und Tenorhorn und gehört seit drei Jahren der Formation an. Er ist es auch, der Titel für die Gallusmusikanten komponiert, ebenfalls etwas, was nicht jede Blasmusikkapelle hat.

Dritter Tonträger zum Jubiläum

Das 20-Jahr-Jubiläum gehört gefeiert, waren sich die Gallusmusikanten einig. Neben den Festivitäten entschieden sie sich auch, eine weitere CD herauszugeben. Es ist die dritte der Blaskapelle. Am Jubiläumsfest vom kommenden Samstag wird diese nun getauft. Die Auswahl trafen die Mitglieder. Jeder notierte drei Stücke, daraus wurden die Titel ausgewählt. «Interessant», so Ernst Lenggenhager, «waren die zweieinhalb Tage im Tonstudio». Er bezeichnet diese Zeit als intensiv, die Arbeit als schön. Eine CD sei eine gute Gelegenheit, die Freude an der böhmisch-mährischen Musik weiterzugeben.

Neue Kapellen mischen die «Szene» auf Kapellen des böhmisch-mährischen Musikstils können seit Jahrzehnten auf eine eingefleischte Fangemeinde zählen. Äusserst bekannt waren vorwiegend tschechische und deutsche Formation wie Ernst Hutter und seine Egerländer Musikanten. Vor etwas mehr als 15 Jahren mischte Vlado Kumpan mit seinen Musikanten die «Szene» neu auf. Ein junger Slowake, der den böhmisch-mährischen Stil traditionell, aber auch modern interpretierte. So kam es, dass vermehrt Blasmusikkapellen gegründet wurden, die sich diesem modernen Stil verschrieben – Kapellen mit jungen Amateur- aber auch Profimusikerin. Lublaska aus Luzern ist eine davon - sie gehört zu den besten der Schweiz - wie auch Fihuspa aus der Ostschweiz. Die 13 – fast ausschliesslich – Profimusiker haben sich vor vier Jahren zusammengeschlossen. Ernst Lenggenhager freut sich darüber: «Das belebt das böhmisch-mährische Umfeld».

Von Konkurrenz kann nicht die Rede sein

Die Kapellen kennen sich, laden sich ein und wollen dafür nicht unbedingt Geld, sondern viel lieber eine Gegeneinladung. Die Atmosphäre untereinander sei sehr kollegial – egal in welcher Klasse – Ober, Mittel oder Unterklasse – gespielt werde. Weshalb dieser Musikstil an Beliebtheit gewonnen hat, kann Ernst Lenggenhager nur vermuten. Wohl wegen des melodiösen Klangs. Werden Musiker gefragt, machen sie klar, dass etliche Titel technisch anspruchsvoll seien.

Die Ostschweiz ist ein hartes Pflaster

Obwohl in der Ostschweiz in den vergangenen Jahren einige Kapellen gegründet wurden, sagt Ernst Lenggenhager: «Die Ostschweiz ist ein hartes Pflaster.» Während in den Kantonen Aargau, Bern, Luzern, Wallis und in der Romandie dieser Musikstil schon seit jeher viele Leute begeistern konnte, tue sich die Ostschweiz schwer. Woran das liegt, kann der gelernte Werkzeugmacher nicht sagen. Für ihn ist allerdings klar, dass er solange wie möglich noch dem böhmisch-mährischen Stil frönen und den B-Bass bei den Gallusmusikanten spielen wird. Vorerst wird das 20-Jahr-Jubiläum gefeiert mit allem Drum und Dran.

Festakt in Gossau

Am kommenden Samstag, 22. September,im  Festzelt Brauerei Freihof Gossau, feiern die Gallusmusikanten ihr 20-Jahr-Jubiläum verbunden mit CD-Taufe (20 Uhr) und Auftritten von den Rheintalmusikanten (18.30 Uhr) sowie Michael Meier und seinen Blasmusikfreunden (21.30 Uhr). Infos: www.gallus-musikanten.ch.