Zum 150-jährigen Geburtstag: Die Feuerwehr präsentiert sich der Öffentlichkeit

Die Feuerwehr Degersheim lud zur Nacht der offenen Tore ein. Ihre Absicht: neue Feuerwehrmänner und -frauen finden.

Michael Hug
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Für Nachwuchs ist gesorgt: First Responder Brigitte Schättin (l.) mit ihrer Familie.Bild: Michael Hug

Für Nachwuchs ist gesorgt: First Responder Brigitte Schättin (l.) mit ihrer Familie.Bild: Michael Hug

Der Schweizer Feuerwehrverband wird dieses Jahr 150 Jahre alt. Das bedeutet auch, dass Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Feuerwehren in der Schweiz entstanden. Wann die Feuerwehren in Degersheim und Flawil gegründet wurden, lässt sich wahrscheinlich in den Gemeindechroniken herausfinden. Doch das wollte am vergangenen Freitagabend eigentlich niemand so genau wissen.

Im Vordergrund stand auch nicht das Jubiläum des Verbands, das wohl Anlass war, sondern die «Nacht der offenen Tore». Ein neuer Begriff für den «Tag der offenen Tür», ein Anlass, an dem die hiesige Feuerwehr von innen betrachtet und erfahren werden durfte.

Mehr hilfreiche Technik

Umgekehrt war das Offenhalten der Türen notabene bis Mitternacht, für die Feuerwehr auch eine Gelegenheit, für neue Feuerwehrler zu werben, männlich wie weiblich. 650 Feuerwehren in der Schweiz öffneten wie Degersheim ihre Tore, darunter alle des Sicherheistverbunds Gossau-Flawil-Degersheim (mit Waldkirch) sowie etliche weitere Feuerwehren im unteren Toggenburg und Fürstenland. «Wir wollen dieses Jubiläum mit einem Volksfest feiern und gleichzeitig Werbung machen», sagte Degersheims Ortskommandant Major Steve Bischof.

Keine technische Leistungsshow, sondern eine Bestandesschau mit einem Lächeln. Bischofs Männer und Frauen zeigten dem interessierten Publikum ihre Fahrzeuge, ihre Geräte, ihre Einsatzpläne und die neueste Technik in Bezug auf Internet und Online-Kommunikation während des Einsatzes. Zum Beispiel, so Major Bischof, «muss der erste Offizier, der im Depot bei einem Alarm erscheint, nicht mehr zuerst die Informationen zum Objekt und zum Weg dahin aus den Dokumentationen suchen, sondern kann gleich losfahren und bekommt alle Infos unterwegs aufs Tablet gesendet inklusive Wegbeschreibung».

Wer nicht mitmacht, der bezahlt

Derweil die Knaben und vereinzelt auch ein paar Mädchen stets als Erste am Steuer eines der Fahrzeuge sitzen wollten, erklärten die Offiziere ihr Equipment. Kommandant Bischof sprach auch über die Neuerungen bezüglich Feuerwehrpflicht: «Das Eintrittsalter wurde ja schon vor ein paar Jahren auf 20 Jahre verschoben. Nicht weil wir zu viele Junge hätten, sondern weil die Jungen heute länger in der Ausbildung sind. Sie sollen erst einmal ihre Schul- oder Lehrabschlüsse oder auch die Rekrutenschule hinter sich haben, bevor sie bei uns eintreten.» Der Eintritt – früher das «Stellen» – erfolge heute mit einem Aufgebot zu einem Infoanlass. Wer da erscheine, werde gemustert und die Kandidaten können dann mit einem ärztlichen Attest zur Erstausbildung gehen.

Diejenigen 20-Jährigen, die am Infoanlass nicht erscheinen, erhalten ihre erste Steuerveranlagung mit Feuerwehrersatzabgabe. «Gezwungen wird heute niemand mehr», so Major Bischof, «wer nicht freiwillig Feuerwehrdienst leistet, der bezahlt.»