ZUKUNFT: Mit Vollgas für Erdgas

Erdgas hat als fossile Energie zunehmend ein Imageproblem. Um mit Vorurteilen und Halbwahrheiten aufzuräumen, luden die Versorgungsunternehmen von Wil, Uzwil, Flawil und Gossau zum Infoanlass nach Flawil.

Andrea Häusler
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Luca Zillig, Leiter Markt und Kunden bei den TBF (links), und Roman Obrist vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) stellten sich den Fragen der geladenen Installateure und Vertreter von Immobilienverwaltungen. (Bilder: Andrea Häusler)

Luca Zillig, Leiter Markt und Kunden bei den TBF (links), und Roman Obrist vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) stellten sich den Fragen der geladenen Installateure und Vertreter von Immobilienverwaltungen. (Bilder: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

«Haben die in Bern nie Mitleid mit uns?» Die Frage aus dem Kreis der rund 50 im regionalen Wärmemarkt tätigen Akteure, die sich am Dienstag im bestuhlten Freileitungslager der Technischen Betriebe Flawil informieren liessen, blieb unbeantwortet. Sie spiegelt jedoch die Situation jener wieder, die Heizungssysteme evaluieren oder installieren müssen. Energiestrategie 2050, Mustervorschriften der Kantone im Gebäudebereich (Muken), Fördermassnahmen usw. sind allgegenwärtige Themen.

Es werde Druck aufgebaut, sagte Luca Zillig, Leiter Markt und Kunden bei den Technischen Betrieben Flawil. Zum Austausch von Heizungen gedrängt, weil in einigen Jahren angeblich keine fossilen Heizsysteme mehr erlaubt seien. Was schlicht falsch sei, wie Zillig betonte. Das Erdgas leide imagemässig. Zu oft werde es mit dem Erdöl in den selben Topf geworfen. Dabei lägen die CO2-Emissionen einer Erdgasheizung rund 25 Prozent tiefer als bei einer Ölheizung. Abgesehen vom reduzierten Anteil anderer Luftschadstoffe wie Feinstaub, Stickoxide oder Schwefel. Hinzu komme, dass Erdgas durch erneuerbares, klimaneutrales Biogas ersetzt werden könne. Welchem allerdings nach wie vor die gesetzliche Anerkennung fehle.

Allerdings hinke die Infrastruktur bei den Biogasanlagen hinten nach, wie Peter Graf, Bereichsleiter Energie und Marketing bei den St. Galler Stadtwerken, bedauerte. Graf betonte das symbiotische, für die Volkswirtschaft bedeutende Verhältnis zwischen Politik und Energie. «Es geht letztlich um eine bezahlbare Grundversorgung.» Der ökologische Umbau basiere sinnvollerweise auf dem Zusammenspiel der Strom-, Erdgas- und Wärmenetze. «Es macht keinen Sinn, Wärmepumpen zu fördern, wenn die Infrastruktur nicht darauf ausgerichtet ist. Es ist auch fragwürdig, Holz in ein Gasgebiet zu fahren.» Wo kein Fernwärme- oder Gasanschluss möglich sei, seien Holz oder Wärmepumpen Optionen. Stehe hingegen ein Gasanschluss zur Verfügung, böten sich Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlagen (Blockheizkraftwerke) und weitere Gaslösungen an, sagte Graf. Er glaubt an die Zukunft des (ökologisierten) Erdgases. «Ziel ist es, bis 2020 einen 30-Prozent-Anteil von erneuerbarem Erdgas in den Wärmemarkt einzuspeisen. Damit wären die Muken-2014-Vorgaben bereits erfüllt.»

Obwohl die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (Muken) keine Gesetze, sondern Empfehlungen seien, wie Roman Obrist vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie sagte. Er machte klar, dass diese kein Verbot fossiler Heizträger vorsehen. Über den Stand der Umsetzung sagte er, dass in den Ostschweizer Kantonen in den Jahren 2018/19 mit Vernehm­lassungen gerechnet werde. Angewendet werden sollen die Vorgaben ab 2020.

In einem separaten Teil referierte Patrik Schmid von der Wüst Partner AG über «Immobilien», bzw. die Wertentwicklung von Wohnbauten und den Sinn und Unsinn von Sanierungen.