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Kraftwerk mit originellem Ursprung: Zukunft des Glattmüli-Weihers ist offen

Seit 125 Jahren liefert das Kleinwasserkraftwerk bei Niederglatt Strom aus Wasserkraft. Jetzt steht die Zukunft des dazugehörigen Glattmüli-Weihers zur Diskussion.
Johannes Rutz
Die Staumauer oberhalb des Glattmühli-Weihers mit Kran für das Geschiebe. Bild: Johannes Rutz

Die Staumauer oberhalb des Glattmühli-Weihers mit Kran für das Geschiebe. Bild: Johannes Rutz

Das Kleinwasserkraftwerk Niederglatt liefert jährlich zwischen 700000 und 820000 kWh Strom, was dem Verbrauch von 180 bis 200 Haushalten entspricht. Wie Markus Schwendimann von den Stadtwerken Gossau betont, entspreche dies lediglich rund 0,3 Prozent des Energieverbrauchs von Gossau. «Im Hinblick auf die Energiewende 2050 ist aber jeder noch so kleine Beitrag aus erneuerbaren Energien wichtig», unterstreicht er.

Vor allem im Winter sei Wasserkraft eine gute Ergänzung zur Sonnenenergie. Spitzenjahr war 1993 mit 847140 kWh. Am wenigsten lieferte das Werk im heissen Sommer 2003 mit lediglich 427480 kWh. Im 2018 war das erste Quartal gut, dann folgten wegen der ungewöhnlichen Wärmeperiode zwei schwache Quartale, mit einer leichten Verbesserung im letzten.

Eine stabile Anlage

Wie Adrian Koch, Projektleiter bei den Stadtwerken Gossau, schildert, wird die Anlage mit einer Ossberger-Turbine mit 30 Schaufeln aus dem Jahr 1965 betrieben. Der Generator der Maschinenfabrik Oerlikon hat eine Leistung von 395 kW. Es ist eine gute, wenig störungsanfällige Anlage. Die Fallhöhe des Wassers beträgt zehn Meter. Es wird nach dem Passieren der Turbine durch einen rund 200 Meter langen Kanal bis in die Glatt geleitet. Der Unterhalt konzentriert sich darauf, Verstopfungen durch Äste und Bäume zu verhindern. Der gewonnene Strom wird in das Gossauer Netz eingespiesen. Subventionen wie KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung) oder Mehrkostenentschädigung gibt es für die Anlage nicht. Sie hat eine Konzession bis 2044.

Vorgaben des Bundes verlangen nun Sanierungsmassnahmen. Die Fischmigration, das heisst der Fischaufstieg und -abstieg sowie die Gewässerstruktur müssen verbessert werden. Die Durchgängigkeit für Fische ist zu optimieren. Damit stellt sich unter anderem die Frage nach der Zukunft des Weihers beim Weiler Glattmüli. Seine Funktion als Ausgleichsbecken ist wegen der Vernetzung zwischen den Kraftwerken nicht mehr zwingend nötig.

Lösung für den Weiher bis 2021

Gemäss Adrian Koch sind die Stadtwerke Gossau daran, für die behördlichen Vorgaben Lösungen zu erarbeiten. Bezüglich der Zukunft des Glattmühli-Weihers sind verschiedene Varianten denkbar: das Belassen des Weihers, die Umwandlung in ein Naturschutzgebiet oder die Rückgabe des Weihers an die Landwirtschaft. In Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Umwelt und Energie ist eine Lösung bis 2021 zu realisieren.

Die Kosten der Aufwertungsmassnahmen sind durch den Bund gedeckt. Sie werden aus dem Topf «Abgabe zum Schutz der Gewässer und Fische» (aktuell 0,1 Rp./kWh) finanziert. Die entsprechenden Einnahmen sind Bestandteil der Abgabe für die KEV von derzeit 2,3 Rappen pro kWh. Der Betreiber des Kraftwerkes hat als Auflage, den Wasserspiegel des Stauweihers nicht mehr als 50 Zentimeter variieren zu lassen.

Ein weiteres Problem sind die grossen Mengen Feinmaterial, die sich mit den Jahren ansammeln. Weiherspülungen hatten wegen der Beeinträchtigung des wertvollen Biotopes früher zu starker Kritik des St.-Gallischen Naturschutzbundes geführt.

Origineller Ursprung

Das Kleinwasserkraftwerk in Niederglatt hat einen originellen Ursprung. Der aus der Gossauer Müllereidynastie stammende Hermann Klingler erlebte 1891 staunend in Frankfurt an der Weltausstellung, dass elektrische Energie über lange Distanzen ohne grossen Verluste übertragen werden kann. Zurück in seiner Heimat erwarb er sich an der Glatt die Wassernutzungsrechte und baute in der Folge das Kraftwerk in Niederglatt. Bereits zwei Jahre später, im Jahr 1893, leuchteten in Gossau am Chlausmarkt die ersten elektrischen Strassenlampen – mit Strom aus Niederglatt! Und das noch vor der Stadt St. Gallen. (pd)

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