Zuhause auf den Dächern der Welt: Oberuzwiler Dachdecker brillierte an der Berufsweltmeisterschaft in Riga

Die Schweiz ist wohl nicht das «Dach der Welt», die Schweizer aber wohl die Besten auf den Dächern der Welt. Denn die Mitglieder der Dachdeckernationalmannschaft räumten an der WM im lettischen Riga ab.

Christof Lampart
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Patrik Angst aus Oberuzwil ist frischgebackener Weltmeister im «Abdichten». (Bild: PD)

Patrik Angst aus Oberuzwil ist frischgebackener Weltmeister im «Abdichten». (Bild: PD)

Der Erfolg kam nicht von ungefähr. Denn der 24-jährige Oberuzwiler bereitete sich akribisch zusammen mit seinem Teamkollegen Kerim Hut aus Bürglen auf die Welttitelkämpfe im Baltikum vor. «Wir hatten den Vorteil, dass die Berufsschule, wo alle unsere Zusatztrainings stattfanden, in Uzwil, also praktisch vor unserer Haustüre, ist. Somit hatten wir in der Vorbereitung ziemlich kurze Wege, was sicherlich ein Vorteil war, denn das gezielte Training war doch sehr anspruchsvoll», erinnert er sich an die zurückliegenden Monate. Zumal Patrik Angst auch praktisch zeitgleich noch eine Weiterbildung als Objektleiter Flachdach absolvierte.

Als es dann Mitte November auf dem Messegelände in Riga ernst galt, waren die jungen Berufsmänner gut vorbereitet. «Wir wussten ungefähr zu 80 Prozent, was gefragt sein wird und welche Materialien verwendet würden, kannten aber nicht die genaue Aufgabe», erinnert sich Angst.

Problemlose Umstellung

Das Spezielle an der Teilnahme sei für ihn gewesen, dass er zwar als amtierender Abdichter-Schweizer-Meister (die Bezeichnung «Abdichten» steht im Fachjargon, vereinfacht gesagt, für einen Flachdachspezialisten) für das Weltchampionat qualifiziert war, im Berufsalltag allerdings für die Merz + Egger AG aus St. Gallen auf den Steildächern der Nation unterwegs ist. «Die Grundlagen sind zwar ähnlich, aber man braucht am Ende einer dreijährigen Lehre noch eine einjährige Zusatzlehre, um das andere Dach auch zu beherrschen», klärt Patrik Angst auf. Er musste sich also umstellen, doch das sei eigentlich kein Problem gewesen, denn «wir haben hier in der Schweiz eine sehr gute Ausbildung, die viel Wert aufs Praktische legt».

Allgemein sei auffällig gewesen, dass gerade jene (deutschsprachigen) Nationen, welche grossen Wert auf die duale Berufsbildung legten, an der WM gut abschnitten. «Vor allem Deutschland, Österreich und die Schweiz waren in den diversen Kategorien auf den vordersten Plätzen», sagt Angst. Rückblickend erklärt er:

«Der Wettkampf war alles andere als ein Spaziergang»

Die Ausmachung im Abdichten erstreckte sich über zwei Tage, an denen je sieben Stunden intensiv gearbeitet wurde. Ab wann hatte er das Gefühl, dass es zu einer guten Platzierung reichen könnte? «Ich habe schon vor der Abreise mit einem dritten Platz spekuliert, doch als wir am ersten Abend zehn Minuten vor Abgabetermin mit der Aufgabe fertig wurden, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, denn in der Vorbereitung waren wir praktisch nie in der Zeit». Und das ist schlecht: Es gibt doch fürs Überschreiten der Zeit genauso Minuspunkte, wie es fürs Unterbieten derselben Pluspunkte gibt.

«Gut hinbekommen», trotz fehlender Erfahrung

«Als wir abends im Hotel sassen, wussten Kerim und ich, dass wir auf einem guten Weg waren – auch wenn erst gerade Halbzeit war.» Patrik Angst sollte recht behalten, denn das Programm am zweiten Wettkampftag stellte sich als zeitlich weniger herausfordernd heraus. «Wir waren eineinhalb Stunden vor der Maximalzeit fertig.»
Alles in allem verlief der Wettkampf für die jungen Berufsprofis geschmeidig, doch gab es auch die eine oder andere Schwierigkeit zu meistern. Die Montage der «Dampfbremse», einer hauchdünnen Folie, welche als Membran die feuchte Luft im Gebäude reguliert, war heikel, «da wir das in Lettland ziemlich populäre Produkt in der Schweiz praktisch nicht verwenden, obwohl es von der Sika hergestellt wird. Da fehlte uns einfach die Erfahrung damit – doch allzu schlecht scheinen wir es ja nicht hinbekommen zu haben», lacht Angst verschmitzt.