Zug um Zug unter der Maske: Das 1. Acrevis Amateur Chess Open lockte rund 100 Schachbegeisterte in die Schulanlage Lindenhof in Wil

Am Freitagabend kamen Schachspieler in Wil zusammen, um erstmals seit dem Lockdown wieder analog zu spielen. Die Resonanz auf das Turnier war so gut, dass eine Wiederholung wahrscheinlich ist.

Christof Lampart
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Mit Mundschutz oder «Schild» sitzen sich die Kontrahenten in der Schulanlage Lindenhof gegenüber.

Mit Mundschutz oder «Schild» sitzen sich die Kontrahenten in der Schulanlage Lindenhof gegenüber.

Bild: Christof Lampart

Dem Internet sei Dank, mussten die Freunde des Schachspiels zwar auch während der Hochzeit der Pandemie nicht auf ihr geliebtes Spiel der Könige verzichten. Allerdings: «Wenn man einem anderen Spieler in persona an einem Wettkampf gegenübersitzt, dann hat das doch noch einmal eine ganz andere Qualität als online», sagte der Initiator und Co-Organisator (zusammen mit dem Verein Sprengschach Wil) des 1. Acrevis Amateur Chess Open, Reto Zaugg, am Samstagmittag. Er freute sich, während er eine erste Zwischenbilanz zog. Er sagte:

«Wir haben 100 Anmeldungen von Amateur-Spielern erhalten; der jüngste Teilnehmer ist zehn, der älteste 84 Jahre alt.»

«Das zeigt doch, dass viele Schachspieler einfach wieder einmal richtig heiss darauf waren, sich wieder von Angesicht zu Angesicht mit anderen zu messen», so Zaugg.

20 Stunden oder mehr im Einsatz

Wobei das mit dem «von Angesicht zu Angesicht» so eine Sache war. Denn um das Schachturnier in den Räumen der Schulanlage Lindenhof überhaupt durchführen zu können, brauchte es in Zeiten der Coronakrise umfassende Sicherheitsvorkehrungen.

Dass überall aufgehängte Infoblätter und Desinfektionsspender angebracht waren, versteht sich von selbst. Bei der Anmeldung am Freitag mussten alle ihre Telefonnummer und Adresse zwecks Contact-Tracing hinterlegen. Wer spielte, trug ausnahmslos eine Maske oder einen Hygieneschild vor dem Gesicht; beides konnte man am Infostand kaufen.

Der Frauenfelder Thomas Wunderlin entschied sich fürs «Schild», denn «auf die Dauer stört die Maske mehr». Was damit gemeint ist, verdeutlichte Reto Zaugg: «Jeder Spieler trägt am Freitag eine und am Samstag und am Sonntag je zwei Partien aus. Da eine Partie im Durchschnitt vier Stunden dauert, sitzt man locker 20 bis 25 Stunden seinen fünf Kontrahenten gegenüber, weshalb es zwar in erster Linie aus Gesundheitsgründen wichtig ist, dass man einen Mundschutz trägt. Dieser soll aber auch bequem sein».

Hans Karrer vom Sprengschach Wil freut sich, «dass es endlich wieder losgegangen ist». Und das, obwohl der organisatorische und finanzielle Aufwand fürs Turnier beträchtlich gewesen sei.

Das erste, aber nicht das letzte Chess Open

Die ursprünglich nicht eingeplanten zusätzlichen Aufwendungen bezüglich des verfügbaren Platzes und des Hygienekonzepts führten beispielsweise dazu, dass das Preisgeld gekürzt werden musste – ein Umstand, den die Mehrheit der Schachfreunde gelassen hinnahm, zumal das Turnier sehr professionell organisiert worden war. Hans Karrer sagte:

«Wir sind vor allem froh, dass wir wieder das tun können, was wir am liebsten tun, nämlich den Gegner schachmatt setzen.»

Reto Zaugg kann es sich ausserdem gut vorstellen, dass das erste nicht zugleich das letzte Acrevis Amateur Chess Open gewesen ist: «Wenn es die Möglichkeit gibt, kann ich es mir gut vorstellen, dass wir im nächsten oder übernächsten Jahr wieder ein solches Turnier durchführen, denn es hat sich gezeigt, dass die Resonanz positiv war. Ein solches Turnier tut der Ostschweizer Schachszene offenbar einfach gut».