Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZÜBERWANGEN: «Knackiges» Nischenprodukt gefunden

Trotz Eiseskälte ist der Frühling da: Bei der Rutishauser AG läuft die Tulpenproduktion auf Hochtouren. Geschäftsführer Bruno Rutishauser über die hochmoderne Technologie, über Fingerspitzengefühl und Konkurrenz.
Angelina Donati
Violettes Licht: Damit die Tulpen sich nicht gelb verfärben und ihr Wachstum grösser ausfällt, werden sie für mehrere Tage mit LED-Licht bestrahlt. (Bilder: PD)

Violettes Licht: Damit die Tulpen sich nicht gelb verfärben und ihr Wachstum grösser ausfällt, werden sie für mehrere Tage mit LED-Licht bestrahlt. (Bilder: PD)

Angelina Donati

angelina.donati

@wilerzeitung.ch

Während am Valentinstag die Blumenläden für Rosen eingerannt wurden, gedeihte im Gewächshaus des Familienbetriebs Rutishauser AG in Züberwangen der heimliche Favorit unter den Schnittblumen. Die Tulpe wird als Frühlingsbote und als stärkstes Produkt in dieser Jahreszeit bezeichnet. Die Saison beginnt jeweils direkt nach den Weihnachtstagen und dauert bis Ende April. «Wenn es draussen nass und grau ist, verspüren die Leute Drang nach Farbe», sagt Geschäftsführer Bruno Rutishauser. Er führt den Betrieb zusammen mit seinen Geschwistern in der vierten Generation. «Mit Tulpen sind so viele Emotionen verbunden. In dieser Pflanze steckt eine grosse Kraft. Sie drückt den Frühling und Natürlichkeit aus.»

Schon Bruno Rutishausers Grossvater wusste um die Wirkung der Tulpen und vertrieb bis zu 50 Sorten. Das war in den 1970er-Jahren. Heute hat sich die Blumenfamilie Rutishauser nebst 50 weiteren Blumen- und Pflanzenartikeln auf 20 Tulpensorten spezialisiert. Jährlich verlassen Tulpen im einstelligen Millionenbereich die Produktion in Züberwangen. Sie werden über Detailhändler, Gartencenter, Blumenläden oder via Abo direkt zum Kunden befördert. Auf die Frage, welche Farbe bei den Kunden am beliebtesten ist, sagt Rutishauser sofort: «Gelb.» Die Nachfrage an roten und weissen Tulpen sei aber auch sehr gross. Auch er selbst bevorzugt die Farbe gelb – ohnehin benennt er die Tulpe als seine Lieblingspflanze.

Modernste Produktion der Schweiz

Bis die Tulpen in der Vase auf dem Stubentisch stehen, vergeht allerdings eine geraume Zeit. Es blasen eisige Temperaturen aus dem Kühler, als Bruno Rutishauser die schwere Türe öffnet: «Das sind rund eine Million Tulpenzwiebeln», sagt er und zeigt auf das Hochregallager. Hier reifen sie drei Wochen lang, bilden erste Wurzeln, ehe sich die Sprösslinge für vier weitere Wochen im Gewächshaus in Grösse und Form entfalten. Eine Woche lang und für mehrere Stunden pro Tag werden die Tulpen ausserdem durch ein LED-Licht bestrahlt. Dadurch verfärben sie sich nicht gelb und ihr Wachstum fällt grösser aus, als wenn sie von Anfang an bei direkter Sonneneinstrahlung gedeihen.

Was bei der Produktion auch sofort ins Auge sticht, ist, dass die Tulpenzwiebeln nicht in die Erde gesetzt werden, sondern auf Wasserkultur entstehen. «Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch ressourcenschonend», erklärt Bruno Rutishauser. Diese Methode sei zukunftsweisend. Es handle sich hier in Züberwangen um die modernste Tulpen-Produktion der Schweiz. Auch europaweit sei sie führend. Das Gewächshaus mit mehreren Lagen funktioniert vollautomatisch. «Doch jede Maschine ist nur so gut wie der Mensch, der sie bedient», sagt Yvonne Hallenbarter, Leiterin Marketing, die Bruno Rutishauser auf dem Rundgang durch die Produktionshallen begleitet. Das Fachwissen der Gärtner sei nach wie vor das Wichtigste, pflichtet er ihr bei. «Es braucht viel Fingerspitzengefühl.»

Dieses beginnt beim präzisen Einsetzen der Zwiebeln auf den Steckplatten bis hin zu den zahlreichen Qualitätskontrollen, die ab dem Import der Zwiebeln aus Holland bis hin zu den von Hand verpackten Tulpenbunden reichen. Aufgrund der grossen Nachfrage an den Tagen der offenen Türen im vergangenen Herbst wird nun am ersten März-Wochenende ein Einblick in die Tulpen-Produktion gewährt.

Tulpe wächst auch in der Vase weiter

Tulpe ist aber nicht gleich Tulpe, wie der Geschäftsführer weiter ausführt. Rutishausers kaufen nur die dicksten Zwiebeln ein – will heissen, solche, die 50 Prozent schwerer sind als herkömmliche. Die sogenannten Premium-Tulpen sind länger haltbar, kräftiger, und durch die kühle Lagerung «richtig knackig». Durch die kurzen Transportwege zeichne sich das Produkt zudem durch seine Frische aus. Mit dem Qualitätsprodukt hat die Blumenfamilie eine Nische gefunden. Denn: «Bei Massenartikeln können wir schlicht nicht mithalten», bekennt Bruno Rutishauser. Die Konkurrenz sei gross. Qualität hat allerdings auch seinen Preis. Derzeit entscheidet sich einer von zehn Käufern für die Qualitätstulpen – Tendenz steigend. Ob der Wirkung, dass die Premium-Tulpen in der Vase bis zu 30 Prozent weiterwachsen, sind die Marketingleiterin und der Geschäftsführer gleichermassen erfreut. «Man spürt richtig, wie die Pflanze lebt und Energie ausstrahlt.»

Angelangt bei der Eventfläche, die derzeit extra für die Tage der offenen Türen in einem Teil des Gewächshauses entsteht, hält Bruno Rutishauser inne. Er erzählt von einer neuen innovativen Idee, die ihm durch den Kopf geht. «Ich könnte mir vorstellen, diesen Raum für Bürotätigkeiten zur Verfügung zu stellen. Wer würde schon nicht gerne hier arbeiten? In diesem lebendigen Umfeld, wo etwas wächst und gedeiht.»

Hinweis

Heute Samstag und morgen Sonntag, jeweils 9 bis 16 Uhr, gibt die Rutishauser AG Einblick in die Tulpenproduktion – im Unterdorf 6 in Züberwangen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.