Zuckerlos durch den Tag: Für ihre Maturaarbeit hat Eva Frehner sechs Wochen lang auf Zucker verzichtet

Ihr Körper rebellierte zuerst, profitierte dann aber von der Umstellung. Alltagstauglich findet die Wiler Maturandin die Ernährungsweise aber nur bedingt.

Tobias Söldi
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Maturandin Eva Frehner verzichtete sechs Wochen auf Zucker. (Bild: Tobias Söldi)

Maturandin Eva Frehner verzichtete sechs Wochen auf Zucker. (Bild: Tobias Söldi)

Eva Frehner hat gerne Süsses: «Ich esse zwar gesund und kein Fast Food, dafür aber oft Süssigkeiten.» Damit war vergangenen Sommer für sechs Wochen Schluss. Die 21-jährige Wilerin verzichtete für ihre Maturarbeit vollständig auf Zucker und Zuckerersatzstoffe. Das bedeutete: Keine Schokolade, keine Süssgetränke, keine Fertigprodukte, aber auch keine Chips und keine vermeintlich gesunden Müesli.

«Es hat mich manchmal schockiert, wo es überall Zucker drin hat. Auch in Würsten beispielsweise.»

Erlaubt war lediglich Zucker, der in natürlicher Form, etwa in Getreide oder Gemüse vorkommt, und Zucker, welcher von frischen Früchten stammt oder in der Milch vorhanden ist.

Dreimal so viel Zucker wie empfohlen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt einer Person, welche 2000 Kalorien am Tag zu sich nimmt, nicht mehr als 50 Gramm Zucker zu konsumieren – das sind etwa sechs Teelöffel. Das ist nicht viel: Gemäss schweizerischem Ernährungsbericht liegt der Zuckerkonsum von Herr und Frau Schweizer bei etwa 130 Gramm pro Tag.

Was der Zuckerverzicht im Alltag bedeutet, davon zeugt Eva Frehners minutiös geführte Ernährungsprotokoll, das sie ihrer Arbeit angehängt hat. Viele Früchte und Gemüse finden sich darin, aber auch Süsskartoffeln und Nudeln. Am ersten Tag des Experiments landeten beispielsweise Süsskartoffeln mit Brokkoli, Tomaten, Mais und Frühlingszwiebeln auf dem Mittagstisch. Zum «Zvieri» gab es Maiswaffeln, zum Abendessen Bratkartoffeln mit Gemüse, später am Abend Maiswaffeln, Trauben und Nüsse. «Ich habe viel ausprobiert beim Essen. Für einen Dessert habe ich beispielsweise Bananen als Süssungsmittel eingesetzt.»

Positive Effekte nach einigen Tagen

Frehners Körper fiel die Umstellung nicht leicht, zumindest zu Beginn: «Ich hatte ständig Lust auf Süsses, war schnell müde und hatte Stimmungsschwankungen.» Nach einigen Tagen hatten sich diese Symptome aber gelegt, und bald zeigten sich die positiven Effekte des Verzichts.

«Mein Tief nach dem Mittag ist völlig verschwunden, ich hatte den ganzen Tag über genügend Energie und weniger Stimmungsschwankungen.» 

Auch andere gemessene Parameter verbesserten sich, darunter der Blutzuckerspiegel und die Leberwerte. Zudem verlor Frehner an Gewicht. Letzteres wurde aber oft falsch interpretiert: «Viele haben das Experiment mit einer Gewichtabnahme in Verbindung gebracht. Darum ging es mir gar nicht. Ich wollte lediglich zeigen, wo es überall Zucker hat und was für einen Effekt zuckerfreie Ernährung auf die Gesundheit hat.»

Maiswaffeln während des OpenAirs

Schwieriger als der Verzicht auf Zucker war für Frehner jedoch der Aufwand, der mit dem Experiment einherging. «Ich musste ständig schauen, wo es Zucker drin hat.» Kochte sie für sich, stellte das kein Problem dar. In Restaurants, in ungewohnter Umgebung, dagegen war es schwieriger. «Während des Open Air St. Gallen hatte ich fast nur Maiswaffeln gegessen.»

Und auch, als Frehner während einer Woche an einem Schullager teilnahm, war die Kontrolle über das Essen nicht immer so einfach. «Ich habe es so gut wie möglich probiert, bin aber nicht zu 100 Prozent sicher, dass ich wirklich keinen Zucker zu mir genommen habe.»

Bewusster Zuckerkonsum

Nach sechs Wochen Enthaltsamkeit war der erste Biss ins Süsse ein Ereignis. «Ich habe mich schon darauf gefreut», erinnert sich Frehner. Überrascht hat sie die durch den Verzicht entwickelte Sensibilisierung:

«Es war lecker, aber der Geschmack war sehr extrem, eine richtige Explosion.»

Die Erfahrungen dieser sechs Wochen haben ihre Spuren hinterlassen. Zwar verzichtet Frehner nicht mehr so radikal auf Zucker wie während ihres Experiments, ihren Konsum aber hat sie heruntergefahren. «Ich bin mir viel bewusster geworden, wie viel Zucker ich zu mir nehme.» Süsses esse sie immer noch gerne, aber abgesehen davon nähme sie wenig Zucker zu sich. «Ich frage mich immer: Hat es etwas anderes ohne Zucker?»