ZUCKENRIET: Mit dem Cornet in die Welt hinaus

Matthias Keller reist nach England. Dort wird der Cornetist sein Studium fortsetzen und mit einer der renommiertesten Brass Bands auftreten. Sein Herz schlägt aber nach wie vor für die Ostschweizer Blasmusikszene.

Ursula Ammann
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Matthias Keller spielt sein Instrument bereits seit dem Alter von neun Jahren. (Bild: Ursula Ammann)

Matthias Keller spielt sein Instrument bereits seit dem Alter von neun Jahren. (Bild: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Der Flug geht am Montag. Am Dienstag beginnt für Matthias Keller bereits das Austauschstudium am Royal Northern College of Music in Manchester. Und am 14. Oktober steht er zusammen mit der Brighouse & Rastrick Band, einer von Englands bekanntesten Brass Bands, auf der Bühne in der Royal Albert Hall in London. «Es war immer mein Traum, einmal dort spielen zu können», sagt der 26-Jährige. «Dass es schon in zwei Wochen so weit sein wird, hätte ich nicht gedacht.» Insgesamt wird Matthias Keller fast ein Jahr in England verbringen. Unter der Woche drückt der Musikstudent der Hochschule Luzern die Schulbank. Um am Royal Northern College of Music aufgenommen zu werden, musste er sich bewerben: Mit einem halbstündigen Video, in dem er seine musikalischen Fähigkeiten unter Beweis stellte, und einem Motivationsschreiben. Er hat unter diversen anderen Bewerbern das Rennen gemacht und kann nun vom Wissen der besten Dozenten auf dem Gebiet des Cornets profitieren.

An den Wochenenden wird er jeweils mit der Brighouse & Ras-trick Band unterwegs sein. Auftritte in ganz England stehen an. «Ich freue mich, dieses Land kennen zu lernen», sagt Keller, der vorher noch nie in England war. Vorher noch ausruhen ist Fehlanzeige. Denn dieses Wochenende konzertiert er mit der Liberty Brass Band Ostschweiz am Swiss Open Contest im KKL Luzern.

Hin- und zurückjetten für wichtige Auftritte

Matthias Keller ist in Zuckenriet aufgewachsen. Im Alter von neun Jahren erhielt er Trompetenunterricht, entschied sich aber schon nach einer Lektion fürs Cornet. Dessen Klang habe ihm mehr zugesagt, sagt Keller.

Ein weiterer Grund aber war, dass er bereits damals Mitglied der Musikgesellschaft Zuckenriet werden wollte. Eine Brass-Formation, in der Cornets eine wichtige Rolle spielen. Bereits im Alter von elf Jahren trat er in den Verein ein und blieb ihm all die Jahre treu.

Der Liberty Brass Band Ostschweiz, in welcher er als Principal Cornetist agiert, wird er auch während seines Englandaufenthalts treu bleiben. So spielt Matthias Keller beispielsweise an der Schweizer Meisterschaft in Montreux Ende November mit. «Ich werde am Dienstag den Flug von Manchester in die Schweiz nehmen, am Samstag und Sonntag den Wettbewerb spielen und am Montag direkt von Genf zurückfliegen», erklärt der Cornetist.

Mit seinem Umzug nach England begibt sich der Zuckenrieter in die Hochburg der Brass Bands. Auch ist er dort als Musiker gefragt. So hat der 26-Jährige unter anderem von den renommierten Black Dyke ein Angebot zum Spielen erhalten, dieses aber zugunsten der Brighouse & Rastrick Band abgelehnt. Für ihn ist dennoch klar, dass er wieder in die Heimat zurückkehren will. Zur Liberty Brass Band, der Musikgesellschaft Zuckenriet und zur Bürgermusik Gonten, wo er als Dirigent wirkt, und auch zu seinen Privatschülern, welche er wöchentlich unterrichtet.

Den Aufenthalt in England sieht er als Lernstätte und Inspirationsquelle, wo er sich das Rüstzeug für sein künftiges Wirken am Ort seiner Herkunft holen will. «Die Ostschweiz ist ein Entwicklungsland für Brass Bands», sagt Matthias Keller. Er wolle seinen Teil dazu beitragen.

Aus der Heimat erfährt der Cornetist viel Unterstützung. Die Musikgesellschaft Zuckenriet hat ein Crowdfunding lanciert, um ihn in England finanziell unterstützen zu können. «Das schätze ich sehr», sagt Matthias Keller. Die Ostschweizer Brass-Band-Szene, in der er bereits als Primarschüler vorne mit dabei war, ist ihm so sehr ans Herz gewachsen, dass er sie auch nicht gegen die berühmteste Brass Band der Welt tauschen würde.