Zu wenig Helfer, zu wenig Vorstandsmitglieder: Das Degersheimer Festival am Gleis hat zu kämpfen

Ob das Festival im nächsten Jahr durchgeführt werden kann, steht laut Vereinspräsident Urs Graber noch in den Sternen.

Tobias Söldi
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Rund 900 Besucherinnen und Besucher zählte das Festival am Gleis im vergangenen Jahr.

Rund 900 Besucherinnen und Besucher zählte das Festival am Gleis im vergangenen Jahr.

Bild: Christoph Heer

Es ist nicht das Corona-Virus, das Urs Graber, Präsident des Vereins Festival am Gleis, Sorgen bereitet. Es sind auch nicht die steigenden Gagen für die Bands oder die Konkurrenz durch andere Open Airs. Vielmehr hat der Degersheimer Verein mit personellen Ressourcen zu kämpfen: Es fehlt an «Manpower», wie Graber es ausdrückt, an Leuten, die sich als Helferinnen und Helfer zur Verfügung stellen oder im Vereinsvorstand mitarbeiten. Er sagt:

«Ob wir das Festival nächstes Jahr durchführen können, steht noch in den Sternen.»
Urs Graber, Vereinspräsident

Urs Graber, Vereinspräsident

Ein unschönes Detail dabei: Nächstes Jahr würde das Festival sein 10-Jahre-Jubiläum feiern.

Ursache für diese Aussicht ist der Umbruch, in dem sich der Vorstand befindet. Für drei Mitglieder ist das diesjährige Festival am 8.August das letzte, danach treten sie zurück. Dazu kommt, dass sich die drei Gründungsmitglieder nach zehn Jahren im Vorstand Gedanken über ihre Nachfolge machen. «Es wäre schön, wenn wir die Leitung des Festivals langsam an die nächste Generation übergeben könnten», sagt Graber, selbst Gründungsmitglied.

Konsumieren statt mithelfen

Doch die Suche nach engagiertem Ersatz gestaltet sich – wie für viele andere Vereine – nicht ganz einfach. «Wir stellen fest, dass immer mehr Leute konsumieren wollen, ohne aber selber aktiv mitzuhelfen – obwohl sie lässig finden, was wir machen», sagt Graber. Klar ist: je weniger Leute im Vorstand, desto grösser der Aufwand für die Verbliebenen. Und irgendwann wird es zu viel.

«Wir wollen das Festival nicht ‹durchzwängen›. Das Organisieren soll weiterhin Spass machen.»

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der jährlichen Suche nach Helferinnen und Helfern, die vor, während und nach dem Festival anpacken. 70 bis 80 Leute sind jeweils nötig, im vergangenen Jahr war man erst zwei Wochen vor dem Festivalstart komplett. «Es ist jedes Jahr schwieriger, Helfende zu finden», sagt Graber.

Entscheid fällt nach dem Festival

Damit auch 2021 beim Bahnhof in Degersheim die Musik wieder spielen kann, ist der Verein zurzeit auf der Suche nach geeigneten Leuten für den Vorstand. Noch setzt man auf Mund-zu- Mund-Propaganda, geplant sind aber auch Aufrufe auf Facebook und im Mitteilungsblatt der Gemeinde Degersheim und Flawil. Zudem überlege man sich, so Graber, bei der Gemeinde Degersheim oder anderen Vereinen anzuklopfen.

Der definitive Entscheid über die Zukunft des Festivals fällt der Verein nach der diesjährigen Durchführung. «Dabei spielt auch eine Rolle, wie sich in den nächsten Monaten die Suche nach Helfern und Vorstandsmitgliedern gestaltet und wie gut das Festival in diesem Jahr läuft», sagt Graber.

Les Sauterelles in Degersheim

Für das anstehende Festival sind die Vorbereitungen auf jeden Fall auf Kurs. Das Line-up steht, Graber kann bereits einen Namen bekanntgeben:

«Wir konnten Les Sauterelles mit Toni Vescoli nach Degersheim holen.»

Neben der legendären Schweizer Band aus den 1960er-Jahren stehen ein Swiss-Music-Award- Gewinner auf der Bühne, eine deutsche Band sowie regionale Musiker – mehr will Graber nicht verraten. Auch die Neuerungen aus dem vergangenen Jahr, namentlich die Chalets, werden weitergeführt. «Wir haben da sehr gute Rückmeldungen bekommen.»

Ganz ohne Festival am Gleis wird 2021 aber nicht auskommen müssen – selbst wenn die Veranstaltung abgesagt werden würde. «Wir haben bereits eine Band verpflichtet. Falls das Festival nicht stattfände, würden wir eben ein normales Konzert organisieren», sagt Graber.