Zu Weihnachten Aktien geschenkt

Die Suche nach einem Nachfolger an der Spitze stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Beim Unternehmergespräch des Vereins «Pro Zürcher Berggebiet» schilderten Hans-Jürg Schmid und Philipp Lüscher, wie sie den Schritt vollzogen.

Ruth Bossert
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FISCHINGEN. «Es war nicht einfach, diesen Schritt zu gehen, doch heute bin ich zufrieden.» Hans-Jürg Schmid, Verwaltungsrat der Eschliker Firma Schmid AG, weiss, wovon er spricht. Im vergangenen Jahr hatte er anlässlich der 75-Jahr-Feier der Firma das Zepter an seinen Schwiegersohn Philipp Lüscher übergeben und gleichzeitig das Büro in der Chefetage gegen ein kleines Büro im Kellergeschoss getauscht. «Ich bin der Einzige, der raucht. Deshalb ist der Keller der richtige Ort», sagte er mit einem Augenzwinkern den über 130 Interessierten, die sich am Montagabend im Kloster Fischingen zum Unternehmergespräch des Vereins «Pro Zürcher Berggebiet» einfanden.

Lange an vorderster Front

52 Jahre war Schmid an vorderster Front. Er hat das Familienunternehmen von seinem Vater übernommen, die moderne Holzenergie weiterentwickelt und das Unternehmen mit 300 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 70 Millionen Franken pro Jahr übergeben. Dass dieser Prozess für alle so gut vonstatten ging, verdankt Schmid der Familienstruktur und den vielen Gesprächen, die er mit seinen drei Kindern geführt hatte. «Es war mir wichtig, dass alle Nachkommen gleichberechtigt behandelt werden und dass jedes Familienmitglied seinen Fähigkeiten entsprechend im Unternehmen eingesetzt wird.»

Nach Lösungen gesucht

«Mit dem Konzept eines Treuhänders wäre die Sache schlecht herausgekommen», sagte Schmid und ergänzte, «dass man mit den Finanzexperten im Verwaltungsrat nach Lösungen gesucht und gefunden hat.» Der Patron hielt 91 Prozent der Aktien, neun Prozent habe er den Kindern jeweils zu Weihnachten geschenkt. Als die interne Lösung stand, habe er zuerst seine Aktien der Firma zurückbezahlt. Dann habe jedes der drei Kinder 17 Prozent erhalten, er habe 39 Prozent für sich genommen, und der Schwiegersohn und heutige CEO musste sich 10 Prozent dazu kaufen. Die Holdinggesellschaft hält 100 Prozent der Schmid Gruppe und muss in den nächsten fünf Jahre festgelegte Teilrückzahlungen tätigen. Nach fünf Jahren werden geregelte Erbvorbezüge an die Nachkommen ausgerichtet, und in einem zweiten Schritt werde die Firma mit einer Mehrheits-Aktienlösung dastehen. Mit diesem Modell müssen sich die Nachkommen nicht massiv verschulden, und die Substanz bleibe in der Firma.

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