Zu warm, zu trocken: Das Mittelmeerklima ist in der Region Wil angekommen

Der Trend zur fortschreitenden Erwärmung beschleunigt sich weiter. 2019 war das zweitwärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1864.

Christoph Frauenfelder
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Am 12. Juli 2019 richtete ein heftiges Unwetter grossen Schaden an in Wil. Im Bild ein zerstörtes Gewächshaus der Psychiatrie St. Gallen Nord (PSGN).

Am 12. Juli 2019 richtete ein heftiges Unwetter grossen Schaden an in Wil. Im Bild ein zerstörtes Gewächshaus der Psychiatrie St. Gallen Nord (PSGN).

Bild: Hans Suter

Diese Erwärmung begann vor rund 70 Jahren in moderatem Umfang, um dann eine immer steilere Kurve einzunehmen. Die letzten 40 Jahre erwärmten sich rasant um 1,5 Grad Celsius.

Das Mittelmeerklima rückt damit immer näher und ist im vergangenen Jahr auch auf der Alpennordseite erneut Realität geworden. Seit 1988 liegen sämtliche Jahrestemperaturmittel überdurchschnittlich hoch. Mit einem Jahresdurchschnitt von 10,8 Grad liegt das vergangene Jahr um 1,8 Grad über dem langjährigen Mittel (1981–2010). Wärmer war nur noch das Jahr 2018 mit 10,9 Grad Durchschnittstemperatur.

Doppelt so viel Sommertage als üblich

Der Mai war der einzige Monat, der zu kalt ausfiel. Er hatte nicht im Entferntesten etwas mit einem Wonnemonat zu tun. Im Fürstenland überschritt das Quecksilber im heissen Sommerhalbjahr an 21 Tagen die 30-Grad-Marke. Normal wären vier. Der Temperaturumfang reichte an der Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil im vergangenen Jahr von -8 Grad im Januar bis 36 Grad im Juli. Die Heizgradziffer ergab lediglich 3013 Grad. Die Anzahl Sommertage mit 25 Grad und mehr lag mit 60 Tagen doppelt so hoch wie üblich. Eistage (ganztags unter 0 Grad) und Frosttage (Minimum mindestens 0 Grad) lagen massiv unter den Erwartungen.

Der 20. Dezember brachte uns die höchste je gemessene Dezembertemperatur seit 155 Jahren mit 18,9 Grad. Derweil kletterten im Rheintal die Temperaturen mit kräftiger Föhnunterstützung auf 22 Grad. Dort wurde verbreitet der wärmste Dezember seit Messbeginn verzeichnet.

Jahresniederschläge sind seit dem Jahr 2002 defizitär

Parallel zum immer wärmeren Klima gehen die Niederschläge zurück. Nur Mai und Oktober fielen zu nass aus. Zehn Monate waren teils deutlich zu trocken. Die Jahressumme ergab 101 Zentimeter Niederschlag, was lediglich 80 Prozent des langjährigen Durchschnitts ausmacht. Prekär wirkt sich ein Niederschlagsdefizit vor allem in der Vegetationsperiode des Sommerhalbjahrs aus, wenn die Verdunstung aus dem Blattwerk besonders gross ist, was auch im vergangenen Jahr länger der Fall war. Seit 2002 sind die Jahresniederschläge defizitär.

Hinweis
Der Autor ist Inhhaber der Meteotop Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil.