Zu teuer: Die SP Flawil fordert mehr Unterstützung in der ausserfamiliären Kinderbetreuung

Die SP hat eine Resolution für tiefere Tarife in der ausserfamiliären Kinderbetreuung eingereicht. Bei der Gemeinde ist man hingegen überzeugt, dass man im regionalen Vergleich sehr gut da steht.

Tobias Söldi
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Seit 2016 darf sich Flawil mit dem Label «Kinderfreundliche Gemeinde» von Unicef Schweiz schmücken. (Symbolbild: Andrea Stalder)

Seit 2016 darf sich Flawil mit dem Label «Kinderfreundliche Gemeinde» von Unicef Schweiz schmücken. (Symbolbild: Andrea Stalder)

Marco Lüchinger, Präsident der SP Flawil

Marco Lüchinger, Präsident der SP Flawil

Tiefere Tarife in der ausserfamiliären Kinderbetreuung: Das wünscht sich die SP Flawil in ihrer Resolution. «Für Normalverdienende ist die Betreuung eine teure Sache», sagt Marco Lüchinger, Präsident der SP Flawil. Die Partei erwartet von der Gemeinde mehr Engagement, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gewährleistet sei. Davon erhofft sich die SP auch höhere Steuereinnahmen. «Dies wegen mehr Erwerbsarbeit von beiden Eltern und einer höheren Attraktivität als Wohnort», erklärt Lüchinger.

Maya Niedermann-Bachmann, Geschäftsleiterin des Vereins Karussell, welcher die gleichnamige Tagesstätte betreibt, hat Verständnis für das Anliegen der Ortspartei. Sie findet: 

«Die Tarife sind überall sehr hoch. Damit Familie und Beruf besser vereinbar sind, braucht es grundsätzlich mehr Unterstützung der Tagesstätten durch die öffentliche Hand»

In der Ostschweiz sei man da «eher stiefmütterlich» unterwegs, während die Westschweiz in dieser Hinsicht schon viel weiter sei.

Von der Eduard-Grüninger-Stiftung mitfinanziert

Die Kosten im «Karussell» sind wie in allen Kindertagesstätten einkommensabhängig:

  • Bei einem anrechenbaren Einkommen gemäss Individueller Prämienverbilligung bis 50000 Franken kostet ein Betreuungstag 57.50 Franken, bei 100000 Franken 97.50 Franken.
  • Familien mit einem Einkommen bis 30000 Franken zahlen pro Tag 37.50 Franken für die Betreuung ihres Kindes.

Zum Vergleich:

  • In der Einkommensklasse bis 50000 Franken kostet ein ganzer Tag im «Chinderhus» in Uzwil 48 Franken, im «Kieselstein» in Degersheim 46 Franken.
  • Bei einem Einkommen von 100000 Franken kostet die Betreuung im «Chinderhus» 108 Franken beziehungsweise 90 Franken im «Kieselstein».

Das «Karussell» finanziert sich aus Spenden, Eltern- und Mitgliederbeiträgen sowie aus Subventionen. «Letztere sind elementar», sagt Maya Niedermann. Die Subventionen kommen seit 2016 aus der Eduard-Grüninger-Stiftung, welche die Betreuungskosten der unteren Einkommensklassen mitfinanziert:

  • Die Preise in den Einkommensklassen bis 30000 Franken werden mit 40 Franken pro Tag unterstützt.
  • Diejenigen der Einkommenstarife zwischen 30000 bis 50000 Franken mit 30 Franken pro Tag.
  • Im mittleren Bereich, bei Einkommen zwischen 50000 und 100000 Franken, unterstützt der Verein die Tarife bis zur Kostendeckung.

«Mehr Unterstützung für Kunden aus dem mittleren Einkommensbereich wäre wünschenswert», sagt Niedermann.

Die Unterstützung des «Karussells» durch die Eduard-Grüninger-Stiftung ist ein weiterer Aspekt, den die SP Flawil beschäftigt. «Wir haben Angst, dass das Karussell ausgehungert wird», sagt Lüchinger. Er fragt sich: Was passiert mit dem «Karussell», wenn die Gelder der Stiftung ausgegangen sind?

«Uns ist bewusst geworden, dass hier Planungsunsicherheit herrscht.»

Es sei darum wichtig, eine Leistungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem «Karussell» auszuarbeiten, welche die finanzielle Unterstützung der Tagesstätte auch in Zukunft regelt. Wann der Stiftung die Gelder ausgehen, kann Lüchinger allerdings nicht sagen.

«Bedürfnisgerechtes und gut ausgebautes Angebot»

Beim Verein Karussell stösst das Anliegen der SP grundsätzlich auf Interesse. Niedermann-Bachmann sagt: 

«Für uns ist wichtig, dass die Unterstützung auch dann gewährleistet ist, wenn die Gelder der Grüninger-Stiftung ausgehen.»

Man hoffe, dass auch nach einem Wegfall der Stiftungsgelder eine finanzielle Beteiligung mindestens in der gleichen Höhe gewährleistet sei.

Auf Rückfrage gibt Gemeindepräsident Elmar Metzger Entwarnung: 

«Die Kindertagesstätte Karussell wird jährlich mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt – ohne Befristung.»

Der Gemeinderat bearbeitet die Resolution der SP und wird nach der Sommerpause darauf antworten. Metzger ist der Meinung, dass Flawil in Sachen ausserfamiliärer Kinderbetreuung im regionalen Vergleich sehr gut abschneidet. Auch preislich: «Ich bin überzeugt, dass die Angebote konkurrenzfähig sind.» Insbesondere hebt er die flächendeckenden Tagesstrukturen hervor, welche seit über zehn Jahren ausserhalb der Blockzeiten ein Betreuungsangebot samt Mittagstisch für Schulkinder bieten. «Für Kinder und Jugendliche besteht vom Säuglingsalter bis zum Ende der Schulpflicht ein gut ausgebautes und bedürfnisgerechtes Angebot.»

Keine bindende Wirkung

Die Resolution wurde am Montag vor einer Woche beim Gemeinderat Flawil eingereicht. Einen bindenden Charakter hat sie nicht. Sie stellt lediglich eine Möglichkeit dar, auf ein Thema aufmerksam zu machen. Man wolle mit der Resolution in erster Linie das Thema aufs Tapet bringen und sich Gehör verschaffen, sagt SP-Präsident Lüchinger.

Aus einer Umfrage heraus entstanden

Den Hintergrund der Resolution bildet die alljährliche Umfrage der SP am Flawiler Frühlingsmarkt. In dieser hätten sich Bewohnerinnen und Bewohner für tiefere Tarife bei den Betreuungsangeboten ausgesprochen. Weiter gab der Dorfrundgang der SP Anlass zur Resolution, auf dem die Partei die Kindertagesstätte Karussell besuchte. In der an der Hauptversammlung verabschiedeten Resolution erwartet die SP vom Gemeinderat, dass er «die Standortattraktivität der Gemeinde in einem grösseren Kontext definiert und wichtige Standortfaktoren wie das Angebot für die ausserfamiliäre Kinderbetreuung entschlossen fördert». (tos/pd)