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«Die Temperaturen sind eine Zumutung» – zu kalte Wiler Eishalle erhitzt die Gemüter

Zuschauer des EC Wil beschweren sich, dass die Temperaturen in der Eishalle im Bergholz zu tief sind. Angeblich könne die Halle besser beheizt werden. So einfach sei dieser Vorgang jedoch nicht, sagt der Geschäftsführer des Sportparks.
Nicola Ryser
Sorgen die tiefen Temperaturen in der Eishalle im Bergholz für leere Zuschauerränge?Bild: Nicola Ryser

Sorgen die tiefen Temperaturen in der Eishalle im Bergholz für leere Zuschauerränge?Bild: Nicola Ryser

Peter Rüesch ist unzufrieden. Der Sirnacher besucht gelegentlich die 1.-Liga-Spiele des EC Wil, nun sei ihm jedoch die Lust vergangen. Das habe weniger mit dem Eishockeyverein und seinen sportlichen Leistungen zu tun: «Der Club unternimmt viel, um attraktiven Sport zu zeigen. Zudem ist die erste Mannschaft aktuell erfolgreich.» Das Problem, das Rüesch aufwühlt, ist die Kälte in der Eishalle. Diese sei unerträglich. Aus dem Grund kämen auch sukzessive weniger Besucher an die Heimspiele. «Trotz des Erfolgs gelingt es dem Verein nicht, die Zuschauerränge zu füllen. Die Kälte hält die Leute vom Besuch ab. Die Temperaturen sind eine Zumutung.»

Durch seine Beobachtungen stellt sich Rüesch selbst die Frage: «Was nützt eine modern konzipierte Eishalle mit 1000 Sitz- und 400 Stehplätzen, wenn die Fans frierend und schlotternd auf den Rängen sitzen müssen?» Er ist enttäuscht von den Betreibern der Eishalle, die anscheinend nichts dagegen unternehmen wollen – obwohl sie es eigentlich könnten. «Die Einrichtungen zur Beheizung der Halle aus der Abwärme, die durch die Eisproduktion entsteht, sind vorhanden. Sie müssen nur eingesetzt werden.»

Pro Match gehen zwei Reklamationen ein

Christian Herzog, OK-Präsident Weltklasse-Eishockey

Christian Herzog, OK-Präsident Weltklasse-Eishockey

Geteilt werden Rüeschs Frust und Meinung von Christian Herzog, ehemaliger Sportchef des EC Wil und aktueller OK-Präsident des Turniers Weltklasse-Eishockey, das jeweils im August im Bergholz ausgetragen wird. Herzog, der «seit 48 Jahren mit Eishockey zu tun hat», findet das Klima in der Halle ebenfalls sehr kalt – und steht mit diesem Gefühl nicht alleine da: «Pro Match erhalten wir eine bis zwei Reklamationen zu den Temperaturen. Es ist schade, dass die Zuschauer das schöne Eishockey nicht geniessen können.» Er ist sich bewusst, dass das Bergholz als Eishalle und nicht als «Sommerhalle» projektiert und konstruiert wurde und die Temperaturen auf dem Feld tief sein müssen. Aber: «Bei der Halleneröffnung vor fünf Jahren war es wärmer, die Tribünen wurden beheizt. Das sollte doch auch heute möglich sein, die Kompressoren würden genügend Wärme abgeben», erklärt Herzog.

«Es ist schade, dass die Zuschauer das schöne Eishockey nicht geniessen können.»

Die Gründe, warum die Betreiber dennoch nichts unternehmen, kann er nur erahnen: «Vielleicht sind es die Kosten, vielleicht technische oder energetische Aspekte. Aber grundsätzlich soll es doch die Aufgabe der Betreiber sein, für das Wohl der Besucher zu sorgen.»

Marcel Schneller, Geschäftsführer IGP Sportpark

Marcel Schneller, Geschäftsführer IGP Sportpark

Marcel Schneller, Geschäftsführer des IGP Sportpark Bergholz, hat mitbekommen, dass die Kälte in der Eishalle für Diskussionen sorgt, auch wenn ihn ausser den Verantwortlichen des Weltklasse-Turniers und Peter Rüesch noch niemand persönlich damit konfrontiert hat. Er betont, dass die kalten Temperaturen im Stadion kein Mangel seien, sondern zum Konzept gehören: «Unsere Eishalle wurde als Kalthalle konzipiert und gebaut. Die Temperaturen bewegen sich für eine solche im normalen Bereich.» Heisst: Während eines Trainings ist der Sollwert auf der Tribüne bei 6 bis 8 Grad, während eines Spiels bei 10.

Es bestehe zwar die Möglichkeit, mit den Temperaturen nach oben zu variieren, doch stehe ein ökologisches Hindernis im Weg. «Als einziger Minergie-Sportpark der Schweiz ist unser Fundament die Energieeffizienz. Und durch die Leistungsvereinbarung mit der Stadt Wil müssen wir sparsam mit den Ressourcen umgehen.»

Energetische Kompensation und Jahreszeit als wichtige Faktoren

Dabei kann laut Schneller nicht einfach von heute auf morgen die Abwärme genutzt werden. «Das Gesamtenergiesystem im Sportpark ist extrem komplex, alles ist miteinander verbunden. Die Abwärme wird beispielsweise für Bodenheizungen oder gewisse Becken im Hallenbad genutzt, so ist es im Konzept festgelegt.» Nutze man nun mehr Energie für die Beheizung der Eishalle, müsse man sie an einem anderen Ort im Sportpark wegnehmen. «Das zu kompensieren ist nicht trivial und wird irgendwann auch zu einem ökonomischen Thema. Zudem führt eine wärmere Eishalle dazu, dass für die Eisfläche mehr Kühlenergie benötigt wird.»

«Das Gesamtenergiesystem im Sportpark ist extrem komplex, alles ist miteinander verbunden.»

Es seien auch weitere Faktoren bei den Temperaturen entscheidend: «Im Spätsommer kann die Aussenluft genutzt werden, um das Hallenklima zu erwärmen.» Auch empfinde es der Besucher automatisch als kälter in der Halle, wenn draussen die Temperaturen höher sind.

Schneller unterstreicht jedoch, dass er in Kontakt mit den Veranstaltern des Weltklasse-Turniers sei. Das Wohl der Besucher sei ihm sehr wichtig: «Ich besuche gelegentlich die Spiele und bin dankbar über jede Rückmeldung. Die Zufriedenheit der Besucher treibt uns an.»

Peter Rüesch wiederum ist nicht zufrieden. Er plant, voraussichtlich keine weiteren Heimspiele des EC Wil zu besuchen. Dennoch sieht er einen Hoffnungsschimmer am Horizont: «Die Hockeysaison dauert noch lange genug, um zu beweisen, dass auch bei einem verbesserten Raumklima Eishockey gespielt werden kann.»

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