«Zischtigcafé» – Spielen ohne Anmeldung

Vor dem Mocafe an der Magdenauerstrasse 1 in Flawil ist ein Plakat aufgestellt. «Zischtigcafé – alle sind herzlich willkommen» steht darauf. Im hinteren Teil des Dorfcafés türmen sich auf zusammengeschobenen Tischen bekannte und weniger bekannte Gesellschaftsspiele.

Andrea Häusler
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Mitinitiantin Mäerthel Walczewski (rechts) greift unterstützend ein, wenn dies nötig und gewollt ist. (Bild: Andrea Häusler)

Mitinitiantin Mäerthel Walczewski (rechts) greift unterstützend ein, wenn dies nötig und gewollt ist. (Bild: Andrea Häusler)

Vor dem Mocafe an der Magdenauerstrasse 1 in Flawil ist ein Plakat aufgestellt. «Zischtigcafé – alle sind herzlich willkommen» steht darauf. Im hinteren Teil des Dorfcafés türmen sich auf zusammengeschobenen Tischen bekannte und weniger bekannte Gesellschaftsspiele. Daneben haben sich fünf Frauen vor Wassergläsern und Spielkartenstapeln versammelt, legen auf- und absteigende Zahlenreihen. Gespielt wird Skip-Bo, ein Kartenspiel.

Spontan, ohne Anmeldung

Es sind nicht langjährige Freundschaften, die hier zwischen 14 Uhr und 16 Uhr gepflegt werden, sondern mehr oder weniger Zufallsbekanntschaften. Denn der alldienstägliche Spiel- und Begegnungsnachmittag ist ein öffentliches Angebot, das jedermann spontan und unangemeldet nutzen kann: herkommen, hinsetzen, Spass haben, lautet die Devise.

Initiiert wurde das «Zischtigcafé» von Irene Lichtensteiger und Mäerthel Walczewski. Sie waren und sind überzeugt, dass eine unverbindliche Kontaktmöglichkeit in einem öffentlichen Lokal einem Bedürfnis entspricht. Und das Echo in den ersten Wochen seit Bestehen gibt ihnen recht. Ohne viel Werbeaufwand ist es bisher gelungen, stets eine Gruppe von drei bis acht Personen ins Mocafe zu bringen.

Kein Spielzwang

Inzwischen ist die Skip-Bo-Siegerin ermittelt. Die Konkurrenz applaudiert. «Es ist nicht wichtig, wer gewinnt», sagt Mäerthel Walczewski und schiebt einen Teller mit Kuchen zur Seite. Das Entscheidende sei das Gemeinschaftserlebnis, die gesellschaftlichen Aspekte im allgemeinen. «Es gibt auch keinen Zwang zu spielen», betont sie. «Wer nur zuschauen und sich austauschen möchte, ist genauso willkommen.»

Die Fünferclique am Tisch kämpft inzwischen mit den Ständern für die «Rummicub»-Zahlenplättchen. Ein Gefummel sei das, findet eine der Spielerinnen, schafft es dann aber doch irgendwie, dem Plastikding Standfestigkeit zu geben.

Am Nebentisch stellt eine ältere Dame die Handtasche auf den Stuhl, schielt hinüber zum Spieltisch. Mäerthel Walczewski wirft ihr einen aufmunternden Blick zu, lädt sie ein, sich doch zu den Frauen zu gesellen. Ein kurzes Zögern, dann ist die Gruppe sechsköpfig. Man ist gleich per Du. Das sei üblich, sagt Walczewski, aber nicht zwingend: «Wir respektieren die Wünsche der Teilnehmenden, hinterfragen sie auch nicht: Bei uns soll sich einfach jeder wohl fühlen.»