Zielen wie Robin Hood

Salvatore Sarda und sein Sohn Alessio haben schon oft ins Schwarze getroffen. Ihr Hobby ist das Bogenschiessen, eine nicht alltägliche Sportart. Die beiden versuchen, zu zielen wie Robin Hood auf der Jagd nach neuen Medaillen.

Mirjam Bächtold
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Salvatore Sarda (rechts) und sein Sohn Alessio trainieren oft gemeinsam im Garten. (Bilder: Mirjam Bächtold)

Salvatore Sarda (rechts) und sein Sohn Alessio trainieren oft gemeinsam im Garten. (Bilder: Mirjam Bächtold)

LÜTISBURG. Salvatore Sarda spannt einen Pfeil ein, hebt den Bogen und zielt. Er hat das Reh im Visier, konzentriert sich und schiesst. Der Schuss beeindruckt das Reh überhaupt nicht, es ist eine Attrappe aus Kunststoff, die im Garten von Salvatore Sarda in Lütisburg steht. Der 44-Jährige sieht im Kunststoffreh kein Tier, sondern ein Trainingsobjekt für sein Hobby. Er hat noch andere sogenannte 3D-Attrappen im Garten: in Form eines Wildschweins und einer Wildgans, aber oft schiesst Salvatore Sarda auch auf Zielscheiben.

Cowboys und Indianer

Schon als Kind hat Salvatore Sarda aus Ästen und Schnur Pfeil und Bogen gebastelt und mit Freunden Indianer und Cowboys gespielt. Dann vergingen aber mehrere Jahre, bis er wieder einen Bogen zur Hand nahm. 2007 besuchte er mit einem Kollegen ein Schnuppertraining des Bogenclubs Thurland in Wil. «Ich habe einen Sport gesucht als Ausgleich zu meinem Bürojob», sagt er. Fussball wäre das Naheliegendste gewesen, sein Vater und sein Bruder waren sehr ambitionierte Fussballspieler. «Mir ist das aber schnell verleidet. Ich wollte etwas Eigenes machen.» Zuerst schoss er mit einem Leihbogen, aber bald kaufte er sich seine erste eigene Ausrüstung. Er schiesst mit dem sogenannten Recurve-Bogen, der an den Enden je eine Gegenbiegung hat. Dadurch erhält der Pfeil mit weniger Kraftaufwand eine höhere Geschwindigkeit.

Seit acht Jahren ist Salvatore Sarda nun Bogenschütze und hat mit seiner Leidenschaft auch seinen Sohn Alessio angesteckt. Mit sechs hat der heute 10-Jährige mit dem Bogenschiessen begonnen. In den FC wollte er eigentlich auch, aber er musste sich entscheiden. «Das Bogenschiessen gefällt mir besser. So kann ich etwas mit Papi machen», sagt Alessio. Er ist auch Mitglied im Bogenclub Thurland und hat an drei Schweizer Meisterschaften geschossen. An der letzten hat er drei Medaillen nach Hause gebracht. An der Indoor-Meisterschaft, an der in einer Halle auf Zielscheiben geschossen wird, holte Alessio Silber. «Das war so gemein, ich war nur zwei Punkte schlechter als der Erste.» Auch an der Feld-Jagd-Meisterschaft, wo im Freien bei jedem Wetter auf Scheiben geschossen wird, wurde er Zweiter. Bei der 3D-Meisterschaft, bei der man im Freien auf Tierattrappen schiesst, holte er die Bronzemedaille.

Schwierig einzuschätzen

Dieses Turnier ist schwierig, weil man die Distanz zu den Attrappen nicht kennt. Man muss also schätzen, in welchem Winkel man den Bogen ausrichten muss, damit der Pfeil, der im Flug sinkt, trotzdem noch trifft.

Ehre gerettet, Pfeile kaputt

Salvatore Sarda war an den letzten Meisterschaften ebenfalls erfolgreich. Beim Indoor-Turnier schoss er sich zum Schweizer Meister, draussen wurde er Vierter. «Die Feld-Jagd-Meisterschaft ist die Königsdisziplin», sagt er. Man schiesse auf eine Distanz bis zu 73 Meter, da sehe man kaum die Scheibe. «Nach dem Schuss lausche ich: Wenn ich ein <Tock> höre, ist alles gut, wenn nicht, heisst es Pfeile suchen.» Salvatore Sarda schätzt an seinem Hobby die Vielseitigkeit. Es gibt Turniere draussen und drinnen, bei den 3D-Parcours ist man viel unterwegs und legt zwischen den Posten einige Kilometer zurück. «Es ist ein ruhiger Sport, für mich ist es mentales Training und ein guter Ausgleich.»

Anfangs war das Bogenschiessen für Salvatore Sarda einfach ein Zeitvertreib. Doch der Ehrgeiz wurde immer grösser, jetzt ist es ein Hobby, bei dem er etwas erreichen möchte. «Ich will meine Treffsicherheit regelmässig steigern.»

Nächstes Jahr wird er wieder an der Schweizer und auch an der Europameisterschaft teilnehmen. Dort will er sich im Vergleich zu diesem Jahr noch verbessern. Und wenn möglich Robin-Hood-Schüsse vermeiden. Er hat es schon geschafft, zweimal genau gleich zu schiessen, so dass der zweite Pfeil im ersten stecken blieb. «Das war zwar toll für die Ehre, alle jubelten, und ich freute mich. Die zwei Pfeile sind aber kaputt.»

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