Ziel Weltcup wird realistisch

Cédric Noger, der 24jährige Wiler Skirennfahrer, hat es geschafft. Er fand bei Swiss Ski Aufnahme im B-Kader und wird nächsten Winter vorwiegend Europacup-Rennen bestreiten.

Peter Gerber
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Der Aufwand wurde belohnt. Nach einer dreijährigen Durststrecke ist Cédric Noger wieder dort angekommen, wo er immer hin wollte. (Bild: pd)

Der Aufwand wurde belohnt. Nach einer dreijährigen Durststrecke ist Cédric Noger wieder dort angekommen, wo er immer hin wollte. (Bild: pd)

SKI ALPIN. «Zurück in die Zukunft». Der Titel des 1985 gedrehten Hollywood-Films trifft auf die Geschichte von Cédric Noger zu. Der Wiler ist wieder dort, wo er im Winter 2012/13 schon einmal war: im Kader von Swiss Ski. Heute, drei Jahre nach dem ersten Anlauf Richtung ganz grosse Bühne, soll aber alles anders, sportlich erfolgreicher und – vor allem das – für den Slalom- und Riesenslalom-Spezialisten befriedigender werden. Weil Noger nicht die Vergangenheit verändern, wohl aber die Zukunft anders gestalten kann, steckt der Riesenslalom- und Slalom-Spezialist mitten in Materialtests. Ein Wechsel des Sportgerätes und des Schuhwerks ist angesagt. Ein nächster Schritt in die Zukunft. Dennoch ist im Fall von Cédric Noger zuerst ein Blick in die Vergangenheit nötig.

Hoffnungsvolles Talent

Der Skirennfahrer gehörte zu den hoffnungsvollen Nachwuchsfahrern der Schweiz und wurde Ende Winter 2012/13 als 21-Jähriger für das nationale C-Kader selektioniert. Es wurde eine Saison, die für Cedric Noger unter keinem guten Stern stehen sollte. «Ich habe mich nicht wohl und vom damaligen Trainer bei Swiss Ski nicht unterstützt gefühlt. Die Resultate stimmten nicht, und nach einem Jahr war ich den Kaderstatus wieder los.» Etwas drastischer formuliert es Dietmar Thöni. Mit dem österreichischen Trainer war Noger im Jahr vor dem Aufstieg ins Swiss-Ski-Kader unterwegs. «Cedric wurde komplett fertiggemacht und war verunsichert. Wegen der reglementarischen Veränderungen im Riesenslalom-Material hätte er Unterstützung gebraucht, hatte diese aber kaum. Ich habe ihn und seine Fahrweise nach diesem Jahr nicht mehr wiedererkannt.»

Schwierige Planung

Weil Thöni 2014/15 Trainer der Ungarin Edith Miklos war, konnte Noger nicht zu seinem Coach zurückkehren und schloss sich im Training unter anderem dem Liechtensteinischen Skiverband an. «Das war nicht ganz einfach, schon was die Renntermine betraf. Die Saison war dann auch bis in den März hinein eine einzige Katastrophe.»

Im vergangenen Winter stand Dietmar Thöni, der zuvor schon mit Reinfried Herbst und dem heutigen Shiffrin-Manager Kilian Albrecht gearbeitet hatte, jedoch wieder zur Verfügung. Die dank privaten Sponsoren (Hotel one66 in St. Gallen) und der Unterstützung durch die Familie finanzierten Trainings fanden mehrheitlich im Pitztal (Sommer) und im Kühtai (Winter) statt. Wertvolle Unterstützung erhielt der Skirennfahrer auch vom Ostschweizer Skiverband, der mithalf, die Renntermine zu organisieren. Aber auch der Fahrer selbst hat zur Finanzierung beigetragen. «Ich habe im Sommer als Fitness-Trainer gearbeitet. Einerseits konnte ich so etwas Geld verdienen und andererseits konnte ich auch den Kopf frei bekommen», sagt Noger, der diese Koexistenz von Arbeit und Training im Sommer weiterführen wird.

Eins auf den Deckel bekommen

Im vergangenen Winter klappte es dann auch in den Rennen wieder. Cedric Noger aber bleibt nach der Saison 2015/16 selbstkritisch: «Ich hatte super Rennen, wie jene mit den Siegen in Oberjoch oder Meiringen. Aber bei den Europacup-Einsätzen habe ich ziemlich auf <den Deckel> bekommen. Da gibt es noch viel Luft nach oben.»

Den Glauben nie verloren

Cedric Noger hat nach dem Rückschlag Ende 2013/14 nicht aufgesteckt, weiter an seinen Traum geglaubt und seine Ziele verfolgt. «Ich habe 2012/13 eine wirklich tolle Saison gehabt, unter anderem bei der Schweizer Meisterschaft Bronze im Riesenslalom gewonnen und gesehen, dass einiges drin liegt. Auch nach der Saison im Kader von Swiss Ski war ich überzeugt davon, dass ich eigentlich mithalten könnte. Klar war ich frustriert, aber Aufgeben war für mich keine Option.»

Gute Resultate gefordert

Jetzt ist Cédric Noger also wieder dort, wo er vor drei Jahren schon einmal gewesen ist. Er wird als B-Kader-Athlet gute Resultate im Europacup brauchen und auch erste Einsätze im Weltcup müssen bald kommen. Mit 24 Jahren ist der Wiler nicht mehr das Nachwuchstalent von einst, sondern ein Athlet im besten Rennfahrer-Alter. Der zweite Anlauf soll und muss erfolgreicher verlaufen, das weiss der Techniker selber am besten. Darum möchte Noger künftig als Swiss-Ski-Kadermitglied nicht gänzlich auf sein geschaffenes Umfeld ausserhalb des Verbandes verzichten.

Es ist wieder einiges möglich

Thöni kennt seinen Schützling und traut ihm auch zu, im zweiten Anlauf Fuss fassen zu können. «Vor drei, vier Jahren war er vor allem im Riesenslalom wirklich stark unterwegs. Die Materialveränderungen und das wenig glücklich verlaufene Jahr bei Swiss Ski haben ihn zurückgeworfen. Wenn Cédric aber gut arbeitet, ist wieder einiges möglich. Er muss, weil er nicht mehr 20 Jahre alt ist, jetzt im Europacup vorne mitfahren und im kommenden Winter oder im Winter 2017/18 im Weltcup starten können.» Noger brauche das Gefühl, dass man auf ihn setze und seinen Fähigkeiten vertraue, sagt Thöni. «Aber manchmal braucht er auch einen Motivator, der ihn in den Allerwertesten tritt.» Ob und wie die Verbandstrainer und Thöni diese Aufgaben in der Betreuung von Cédric Noger gemeinsam anpacken werden, muss sich in den nächsten Wochen konkretisieren.