Zeugen der Vergangenheit: Zwei Hobby-Archäologen aus der Region Wil bergen Fundstücke

Daniela Wiesli und Walter Truniger finden auf einem abgeernteten Acker im Wiler Umland Relikte aus längst vergangenen Zeiten.

Adrian Zeller
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Walter Truniger und Daniela Wiesli finden in diesem Acker in der Umgebung von Wil immer wieder Überbleibsel von historischen Ereignissen.

Walter Truniger und Daniela Wiesli finden in diesem Acker in der Umgebung von Wil immer wieder Überbleibsel von historischen Ereignissen.

Bild: Adrian Zeller

Ein abgeernteter Acker im Umland von Wil – nichts scheint ihn von anderen Feldern zu unterscheiden. Für Eingeweihte, wie Daniela Wiesli und Walter Truniger, ist das Feld so etwas wie ein Geschichtsbuch. Die Wilenerin Daniela Wiesli sagt schmunzelnd:

«Dieses Feld ist für mich wie eine Wundertüte.»

Aus ihm haben die beiden Geschichtsinteressierten verschiedene Relikte geborgen. «Auf dieser Route führte der Weg von Wilen zur Kirche St.Peter in Wil», erzählt die 44-Jährige, die als Übersetzerin arbeitet und eine Ausbildung in Unterwasserarchäologie absolvierte.

Auf dem Weg zur Kirche verloren

Beim Kirchgang oder beim Leichengeleit fiel den Gläubigen gelegentlich ein Medaillon oder ein kleines Kreuz herunter, das bis zu seiner Wiederentdeckung im Humus ruhte.

Auch Münzen finden die beiden Freizeit-Forschenden immer wieder. Wie Walter Truniger berichtet, wurde früher bei der Aussaat rituell eine Münze in die Erde verbracht, sie sollte für eine gute Ernte sorgen.

Auch anderes Kleingeld haben die beiden schon geborgen, es ist mutmasslich frührömischer Herkunft. Und auch kleine Gewandfibeln, wahrscheinlich römischen sowie keltischen Ursprungs, fanden sie. Diese hielten nach dem Prinzip der Sicherheitsnadel Kleidungsteile zusammen.

Vielleicht mit Aushubmaterial hierhin gelangt

«Ob diese Gegenstände schon immer hier lagen, oder mit Aushubmaterial in diesen Bereich gebracht wurden, ist unklar», sagt Truniger. In nächster Nähe führt die Autobahn vorbei.

Fundsachen aus verschiedenen Jahrhunderten zeugen von unterschiedlichen Ereignissen in der Region Wil.

Fundsachen aus verschiedenen Jahrhunderten zeugen von unterschiedlichen Ereignissen in der Region Wil.

Bild: PD

Weitere Fundstücke dürften tatsächlich an jener Stelle verloren worden sein, denn historische Stiche zeigen, dass 1712 in diesem Gebiet Belagerungstruppen Position bezogen hatten, die mit ihren Geschützen gegen Wil feuerten. «Über tausend Mann standen hier», weiss Wiesli.

In der Folge blieben ein Pulvertrichter, Uniformknöpfe, ein Zollstock, ein Zirkel sowie eine kleine Kugel von einem Artilleriegeschoss, einer sogenannte Kartätsche, im Erdreich zurück. Truniger und Wiesli fanden im Weiteren Medizinalfläschchen, ein Bronzepferdchen sowie ein Fragment eines Bolzens. Mit ihm wurden in der Zeit des Mittelalters mittels einer Armbrust Jagd auf Vögel gemacht.

Ein Teil der Funde geht in die Kantonsarchäologie

Die Funde landen in Plastiksäckchen. Diese werden mit den Koordinaten des Auffindungsorts, dem Datum und weiteren Angaben versehen. Ein Teil davon gelangt nach St.Gallen oder nach Frauenfeld in die entsprechende Kantonsarchäologie. Die Grenze zwischen den beiden Kantonen führt mitten durch den Acker.

An beiden Orten interessiert man sich vor allem für Fundstücke, die ein bestimmtes Alter aufweisen. Einige Gegenstände jüngeren Datums sind kaum von historischem Interesse. Daniela Wiesli erzählt: «Hier in der Nähe brannte vor längerer Zeit ein Bauernhaus, davon findet man beispielsweise angekohlte Nägel in der Erde.» Für die Altertumsforschung sind sie unergiebig.

Acker verschwindet bald

Im Zug der Arealerweiterung eines Gewerbebetriebes wird der Acker bald unter einer Teerdecke verschwinden. Daher nutzen die beiden Geschichtsinteressierten die Zeit, um weiter Jagd auf historische Zeugnisse zu machen. «Vom Suchen könnte man fast süchtig werden», sagt Walter Truniger, der neben seinem Metalldetektor steht.

Beide betonen, dass es für das Graben nach Überbleibseln aus der Vergangenheit eine Lizenz des Amtes für Archäologie braucht, andernfalls droht eine Busse. Ebenso ist eine Bewilligung des Landeigentümers unverzichtbar.

Nachforschungen in einem anderen Gebiet

Auch wenn ihr derzeitiges Suchareal bald geteert wird, geht ihnen die Arbeit nicht aus; sie werden in einem anderen Gebiet ihre Nachforschungen fortsetzen. Gemäss Wiesli birgt die Grenzregion von Wil und dem Hinterthurgau höchstwahrscheinlich noch etliche Zeugen der Vergangenheit.

Wie Truniger ergänzt, trafen in diesem Gebiet einst das Hoheitsgebiet des Bischofs von Konstanz sowie des Fürstabtes von St.Gallen aufeinander. Entsprechend waren die Grenzen mit Befestigungsbauten gesichert, von denen noch einige Überreste im Erdreich sein dürften.