ZERSTÖRT: In diesem Jahr ist nicht gut Kirschen essen

Die Obstbauern aus der Region bekommen nun den Frost von Ende April zu spüren. Sowohl bei der bevorstehenden Kirschenernte als auch bei anderen Obstsorten rechnen sie mit beachtlichen Ausfällen.

Gianni Amstutz
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An Werner Itens Kirschbäumen auf dem Flawiler Mattenhof-Areal muss man die Früchte richtiggehend suchen. (Bild: Andrea Häusler)

An Werner Itens Kirschbäumen auf dem Flawiler Mattenhof-Areal muss man die Früchte richtiggehend suchen. (Bild: Andrea Häusler)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Mittlerweile zeigt sich der Frühling von der schönen Seite. Sommerliche Temperaturen und tagelange Perioden ohne Regenschauer. Doch es ist noch keinen Monat her, da lag in Grosstei­len der Ostschweiz noch Schnee und das Thermometer zeigte Temperaturen im Minusbereich an. Dieser ungewöhnlich späte Frost Ende April blieb für die Obstbauern in der Region nicht ohne Folgen. Langsam zeigen sich nun die Auswirkungen der Frosttage. Denn im Juni beginnt für die Obstbauern die Kirschenernte.

Auch Familie Schilliger, die in Niederglatt einen Obstbaubetrieb führt, spürt die Nachwehen des Frühlingsfrosts. Noch könne er zwar keine Angaben zur Menge machen, die er in diesem Jahr ernten könne, sagt Alois Schilliger. «Es wird jedoch mit Sicherheit Ernteausfälle geben.» Seit sieben Jahren betreibe er mit seiner Frau Obstanbau. «Aber einen derart extremen Frost zu einem solch späten Zeitpunkt habe ich noch nicht erlebt.» Das bestätigt auch Werner Iten, Landwirt aus Flawil. «Das ist das erste und hoffentlich auch das letzte Mal.» Schilliger war jedoch überrascht, dass seine Kirschen die Kälte im April noch vergleichsweise gut überstanden hätten.

Andere Obsorten stärker betroffen

Die Menge der Kirschen werde in diesem Jahr sicherlich geringer sein als in den Vorjahren. «Vielleicht werden sie dafür grösser», sagt Schilliger optimistisch. Andere Obstsorten habe es stär­ker getroffen als die Kirschen. Zwetschgen, Mirabellen und Pflaumen werde es in diesem Jahr wohl bedeutend weniger geben als in normalen Jahren. Müssen nun also Naschkatzen auf die ­Kirsche auf dem Sahnehäubchen ihres Desserts verzichten? Mitnichten. Denn Schilliger betont: «Für den Verkauf in unserem eigenen Laden wird es von allen Obstsorten genug haben.» Dar­über hinaus könnte es jedoch vielleicht eng werden.

Für Werner Iten sieht die Lage jedoch weit schlimmer aus. «In diesem Jahr werde ich wohl gar keine Kirschen ernten können.» Vereinzelte fänden sich zwar an den Bäumen, doch die Menge sei so gering, dass eine Ernte nicht lohne.

In der Frage, ob die Kunden den Ernteausfall durch höhere Preise zu spüren bekommen, will sich Schilliger nicht auf Spekulationen einlassen. «Zuerst müssen wir wissen, wie gross die Ernteausfälle sind», sagt er. Erst dann werde er über den Preis entscheiden. Wenn es eine Preiserhöhung gebe, dann ohnehin nur eine geringe. «Wir können die Preise nicht beliebig in die Höhe treiben, nur weil wir Ernteausfälle zu beklagen haben», sagt er. Es könne nicht sein, dass Verluste auf die Kunden abgewälzt würden. «Das funktioniert so nicht.» Deshalb wird Schilliger den Gürtel in diesem Jahr etwas enger schnallen müssen. Denn anders als bei Winzern existiere für Obstbauern keine Versicherung gegen Frostschäden. «Das Risiko ist Teil des Geschäfts», sagt Schilliger. Das weiss auch Werner Iten. «Der finanzielle Schaden wird für mich und meine Familie sicherlich spürbar sein. Aber der Obstanbau ist nicht mein einziges Standbein. Deshalb geht es für mich nicht gleich um meine ganze Existenz.»

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