ZENTRUM: Die Wiler Altstadt wird nicht autofrei

Der Wiler Stadtrat legt das Altstadtleitbild vor. Bei einem umstrittenen Punkt hat er einen strategischen Entscheid gefällt: Parkplätze bleiben bestehen. Das Fahrradfahren ist in der Fussgängerzone weiterhin verboten.

Philipp Haag
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Im vergangenen Jahr war die Lesebank unterhalb des Hofs in der Wiler Altstadt aufgestellt worden. In diesem Sommer zieht sie um, und zwar an einen Standort genau gegenüber beim «Baronenhaus». (Bild: PD)

Im vergangenen Jahr war die Lesebank unterhalb des Hofs in der Wiler Altstadt aufgestellt worden. In diesem Sommer zieht sie um, und zwar an einen Standort genau gegenüber beim «Baronenhaus». (Bild: PD)

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

«Kein Quantensprung, aber ein gutes Basispapier, mit dem sich arbeiten lässt», sagt Simon Lumpert. Der Präsident der Wiler Altstadtvereinigung spricht das neue Altstadtleitbild an, das in einem partizipativen Prozess erarbeitet worden war und das der Stadtrat nun öffentlich freigegeben hat. Um die Altstadt und die beiden Vorstädte in ihrer Nutzungsvielfalt zu erhalten, stehen drei Wirkungsziele im Fokus: Vielfalt an Wohnen und Einkaufen fördern, eine vielgestaltige Vernetzung mit der Stadt sowie vielfältige Begegnungen ermöglichen. Konkreter ausformuliert sind die Absichten in den strategischen Zielen.

Konträre Positionen bei den Parkplätzen

Das bei der Erarbeitung am kontroversesten diskutierte Thema waren die Parkplätze, da konträre Positionen bestehen. Die einen wollen eine autofreie Altstadt, die anderen die Parkplätze im historischen Zentrum von Wil unbedingt erhalten. Der Stadtrat hat nun deutlich Stellung bezogen. «Das Altstadtleitbild gibt die klare Vorgabe, dass ein angemessenes Angebot an Parkplätzen notwendig ist», heisst es auf Anfrage von Seiten des Departments Bau, Umwelt und Verkehr. Im Altstadtleitbild ist zwar von Kurzzeitparkplätzen die Rede, die erlaubte Parkierdauer wird allerdings erst in einem noch zu erarbeitenden Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) konkretisiert. Die Parkplätze mit einer maximalen Parkdauer von 15 Minuten beim Restaurant Hartz sind mittlerweile durch eine Anpassung des Parkier-Regimes aufgehoben worden. Nun gilt für alle öffentlichen Parkfelder eine maximale Parkierdauer von zweieinhalb Stunden.

Lumpert begrüsst das im Leitbild fixierte Bekenntnis des Stadtrats zu den Parkplätzen in der Altstadt. «Die Parkfelder müssen unbedingt bleiben.» Dies stosse auch auf Akzeptanz, da eine angemessene Frequenz an Personen in der Altstadt nur durch ein adäquates Parkplatzangebot erreicht werden könne. Die Aufhebung der Kurzzeitparkfelder findet er sinnvoll, «da diese seit der Schliessung der Post nicht mehr benötigt werden». Anerkennend erwähnt Lumpert, dass der Stadtrat ein Parkleitsystem zur Verminderung des Suchverkehrs prüfen möchte. Ein solches ist insbesondere am Samstagmorgen notwendig, wenn auf dem Hofplatz der Wochenmarkt stattfindet, «damit die Autofahrer genau wissen, wo sie ihr Fahrzeug abstellen können». Ein Thema, an dem sich ebenfalls die Geister scheiden, ist das Fahrradfahren in der Altstadt. Auf dem Hofplatz (Begegnungszone) ist es erlaubt, ab dem Pankratiusbrunnen auf der Markt- und der Kirchgasse nicht mehr (Fussgängerzone). Der Stadtrat hält im Leitbild fest, dass das Velofahren in der Fussgängerzone unter Berücksichtigung der topografischen Situation zu prüfen sei. Die Öffnung der Fussgängerzone für Fahrräder war bereits bei der Erarbeitung des Leitbildes angeschaut worden. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten sei dies zumindest kurzfristig und ohne Begleitmassnahmen nicht möglich. «Daher bleibt das Fahrradfahren im Bereich der Fussgängerzone vorderhand nicht gestattet», schreibt das BUV. Lumpert zeigt sich gegenüber einer Öffnung der Fussgängerzone für Velos offen, ist aber skeptisch. Er zweifelt, dass eine gegenseitige Rücksichtnahme, die vor allem im Bereich des Bärenplatzes «absolut notwendig» wäre, angewendet würde.

Damit es nicht bei schönen Sätzen bleibt

Damit das Altstadtleitbild kein Papiertiger wird, ist in den Augen von Lumpert die Diskussion über die Handlungsanleitungen mit den Betroffenen sowie die Erarbeitung des Betriebs- und Gestaltungskonzepts zwingend notwendig. «Sonst haben wir lediglich ein paar schöne Sätze formuliert», wie er sagt. Die Altstadtvereinigung wird sich einbringen, da der rollende und ruhende Verkehr neben der Nutzung und der Gestaltung die wesentlichen Elemente sein werden. Ein Gestaltungselement, «einen Farbtupfer», wie Lumpert es nennt, realisiert die Altstadtvereinigung bereits in dieser Woche: Eine Lesebank vor dem Baronenhaus, gemeinsam mit der Stadtbibliothek und dem Finnshop.

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