ZEITLOSIGKEIT: Alltagskomik trifft auf Lebensphilosophie

Wie der Name andeutet, pendelt das Kabarett Pessimopten zwischen Pessimismus und Optimismus. Am Wochenende debütierten die vier Protagonisten vor heimischem Publikum im Kulturpunkt in Flawil und regten zum Nachdenken an.

Christine Gregorin
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Cornelia Buder (links) und Helga Giger haben sich dem Trunk ergeben und sinnieren darüber, wo die Zeit geblieben sein könnte oder was sie alles tun könnten, wenn sie nur Zeit hätten. (Bild: Christine Gregorin)

Cornelia Buder (links) und Helga Giger haben sich dem Trunk ergeben und sinnieren darüber, wo die Zeit geblieben sein könnte oder was sie alles tun könnten, wenn sie nur Zeit hätten. (Bild: Christine Gregorin)

«Hört Ihr Leut und lasst Euch sagen», rezitiert der nachtaktive Zeitwächter Karl Ulmer in minnesängerischer Manier zu jeder vollen Stunde. Nicht alle sechzig Minuten selbstverständlich. Vielmehr wirkt er als ansagender ­Moderator – als roter Faden, der durch die kurzweiligen «Zeitsplitter» führt.

Von Zeitgeist bis Zeitdieb bekommt Jede und Jeder sein Fett weg. Die Anfang 2016 gegründeten Pessimopten verstehen sich als Kabarett der Zwischen­töne. Alltagskomik und Lebensphilosophie haben hier genauso ihren Platz wie Kritik und Ermunterung. So pendeln Helga Giger, Cornelia Buder, Tilly Neuweiler sowie Joe Joehl zwischen Pessimismus und Optimismus beim Versuch, das Leben und seine Hintergründe in kleinen Szenen, Texten und Liedern zu erforschen. Wie beim Coiffeur vom anderen Ufer – der einer Kundin die trendige «Trumptolle» verpasst – Gerüchte entstehen, wo manche Auswärtige noch auswärtiger sind bis hin zum Anschauungsunterricht für die schreibende Zunft wird fast alles abgedeckt. Fakenews fürs Herz: reisserisch bis zum Geht-nicht-mehr und postfaktische Halbwahrheiten verbreitend. Grufties machen überdies auf jung, versuchen sich in Permachillen sowie Littering. Und die Moral von der Geschicht: Es macht ihnen überhaupt keinen Spass: «Es isch zum Hüüle!»

Suche nach der verlorenen Zeit

Neben zuckersüss bis bitterbösen, ehelichen Zankereien zur Geisterstunde machen sich die Protagonisten zudem auf die ­Suche nach der verlorenen Zeit. Und treffen dabei auf Zeitdiebe im Rundlauf: Zahnarzt, Plastikverpackung, Sonntagspredigt, Psychiater, Hund, Stau, Stromausfall oder die Schlange vor dem Damenklo werden gnadenlos als solche blossgestellt. Zeitlose Beratersprüche wie «Die Zeit heilt alle Gesunden» und«Zeit ist ein Garant, dass sich die Zeiten ändern» oder «ein Terminator, der die Zeit totschlägt» und zu guter Letzt die Tatsache, dass so mancher die Kontinenz verliert, kurz bevor sie oder er das Zeitliche segnet, lassen die Gäste im ausverkauften Haus den Alltagstrott vergessen, machen gleichzeitig nachdenklich und regen zum Schmunzeln an.

Auftakt zu einer langen Ära

Unmittelbar nach dem Auftritt in Flawil zeigen sich Helga Giger und Joe Joehl stellvertretend für das gesamte Ensemble sehr zufrieden. «Es hat Spass gemacht», konstatieren sie einhellig und betonen mit einem Augenzwinkern, dass dies für die Pessimopten hoffentlich erst der Anfang einer langen Ära sei.

Christine Gregorin

redaktion@wilerzeitung.ch