Zeitenwende bei den Brändlis: Das Flawiler Uhren- und Schmuckgeschäft ist an die nächste Generation übergegangen

Für die neuen Inhaber, Roman und Johanna Brändli, ist die Übernahme eine Rückkehr und ein Neuanfang zugleich.

Tobias Söldi
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Eine ruhige Hand ist unabdingbar: Roman Brändli repariert in der Werkstatt eine Uhr.

Eine ruhige Hand ist unabdingbar: Roman Brändli repariert in der Werkstatt eine Uhr.

Bilder: Tobias Söldi

Die Äpfel sind bei den Brändlis nicht weit vom Stamm gefallen. Roman Brändli, 36, war schon früh klar, dass er etwas Mechanisches lernen wollte. Die Wahl fiel auf das Uhrmachertum – jenen Beruf, den auch sein Vater Jakob Brändli, 65, erlernt hatte. Ruhige Hände haben sie beide: Mit winzigen Werkzeugen arbeiten sie an den Werkbänken hinter dem Ladengeschäft an kleinsten Uhrenteilchen und reparieren sie. Eine Präzisionsarbeit, die heutzutage nicht mehr oft ausgeübt wird.

Vergangenen November hat Jakob Brändli das Uhren- und Schmuckgeschäft an der St.Gallerstrasse 5 in Flawil, das er zusammen mit seiner Frau Christine, 66, im Jahr 1993 eröffnet hat, an seinen Sohn Roman und dessen Frau Johanna übergeben. Der Senior freut sich nun, wieder vermehrt in der Werkstatt zu stehen. Denn unterstützen werden die beiden Älteren die Jüngeren auch nach der Übergabe. «Die Uhrmacherei ist in den letzten Jahren neben dem Verkauf und dem Kundenkontakt fast etwas zu kurz gekommen», sagt er.

Den Generationenwechsel erfolgreich vollzogen: (von links): Roman, Johanna, Christine und Jakob Brändli.

Den Generationenwechsel erfolgreich vollzogen: (von links): Roman, Johanna, Christine und Jakob Brändli.

Das Geschäft als Familienmitglied

Für Roman Brändli stellt die Übergabe eine Rückkehr dar. «Ich habe schon als Kind Zeit im Laden verbracht», erinnert er sich. Vor drei Jahren hat er mit einem kleinen Pensum im elterlichen Geschäft zu arbeiten begonnen. Damals sei auch der Entscheid gefallen, das Unternehmen zu übernehmen. Sukzessive habe man die Übergabe vorbereitet, vor knapp einem Jahr ist er mit seiner Frau nach Flawil gezogen. Brändli, der zuletzt mehrere Jahre in Winterthur gelebt und gearbeitet hat, sagt:

«Die Selbstständigkeit bietet
sehr viel Abwechslung und der Kundenkontakt motiviert.»

Dort hat er auch seine Frau Johanna, 35, kennen gelernt. Für sie ist es eine Rückkehr ins Ländliche, stammt sie doch aus dem appenzellischen Wolfhalden, aber auch ein Neuanfang. Denn als gelernte Architektin hat sie mit der Schmuck- und Uhrenbranche wenig am Hut. Nun arbeitet sie jeweils einen Tag im Geschäft und hilft mit, wo sie kann – «wie ein Lehrling», sagt sie mit einem Lachen.

«Die Arbeit gefällt mir. Und es ist schön, den Blick von aussen einbringen zu können.»

Beruf, Privatleben und Eltern auf so engem Raum – wird das nie zuviel? Roman Brändli winkt ab. «Bis jetzt nicht. Wir konnten immer gut abschalten.» Aber natürlich werde auch am Abend mal übers Geschäft diskutiert. «Der Laden ist wie ein Familienmitglied.»

Vom Zeitmesser zum Schmuckstück

Und dieses Familienmitglied hat sich über die Jahrzehnte verändert. «Als ich die Lehre gemacht habe, gab es nur mechanische Uhren», erinnert sich Jakob Brändli. Bald kamen die Quarzuhren. Doch verdrängt hat der elektromechanische oder vollelektronische Neuling die klassische Uhr nicht. Im Gegenteil:

«Heute erlebt die mechanische Uhr nicht nur im hohen, sondern auch im mittleren Preissegment ein Comeback.»

Geändert hat sich aber die Bedeutung der Uhr: Früher war sie ein Zeitmesser, heute ist sie ein Schmuckstück.

Anders sieht es in der Schmuckbranche aus, dem zweiten Standbein des Geschäfts. «Sie ist Trends stärker unterworfen», sagt Jakob Brändli. Und sein Sohn ergänzt: «Ich habe den Eindruck, der Kauf von Schmuck verteilt sich mehr über das ganze Jahr und konzentriert sich weniger auf Anlässe wie beispielsweise Weihnachten.» Wer sich etwas leisten möchte, tue dies auch während des Jahres.

Die Selbstständigkeit als Abenteuer

Und was haben die jungen Inhaber nun mit dem Geschäft vor? «Wir wollen nicht alles über den Haufen werfen», sagt Roman Brändli. Einige Details haben sich aber bereits geändert: So wurde der Internetauftritt aufgefrischt und ein neues Logo gefunden.

«Die Selbstständigkeit ist ein Abenteuer», sagt Brändli. «Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Aber wir wagen es.»