Zeichen des Misstrauens

Das Nein zum Wechsel vom Kloster zur Stiftung als Vetragspartner zwischen der Stadt Wil und dem Kathi ist ideologisch und taktisch gefärbt.

Philipp Haag
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Das Nein zum Wechsel vom Kloster zur Stiftung als Vetragspartner zwischen der Stadt Wil und dem Kathi ist ideologisch und taktisch gefärbt. Die einen lehnen den Wechsel ab, weil sie die Ausrichtung des Kathi – die ausschliessliche Beschulung von Sekmädchen – und somit den Vertrag als rechtswidrig einstufen. Andere, weil sie das Kathi zu Zugeständnissen zwingen möchten. Pragmatisch oder zielführend ist die Ablehnung nicht. Der Antrag nimmt einfach eine Zusatzschlaufe. Der Stadtrat muss ihn wieder vorlegen, da nicht mehr das Kloster Trägerin der Schule ist, sondern die Stiftung. Das Nein war ist politisches Geplänkel.

Das Nein ist aber auch ein Misstrauensvotum. Ein Signal an den Stadtrat und den Stiftungsrat, dass trotz der Beteuerung, es habe eine Annäherung stattgefunden, eine sachliche Gesprächsgrundlage sei nun vorhanden und die Verhandlungen würden «ohne Tabus» vorgenommen, nach wie vor Misstrauen vorhanden ist. Es besteht der Verdacht, die Stadt werde sich erneut dem Kathi beugen, die Stadt werde sich weiter nach der Traditionsschule richten.

Der Stadtrat und der Stiftungsrat tun gut daran, die Forderung nach Einsitznahme der Schulratspräsidentin in den Stiftungsrat zu akzeptieren. Es wäre ein Zeichen, dass den Worten Taten folgen, dass die verbale Annäherung tatsächlich erfolgt.

Eine gewisse Brisanz besitzt Sebastian Kollers Antrag, die Stiftung dem im Kanton St. Gallen geltenden Öffentlichkeitsprinzip zu unterstellen. Der Stiftungsrat ist bereit, die Bücher der Schule offenzulegen. Im Sinn der Transparenz sowie als Zeichen des Entgegenkommens sollte sich der Stiftungsrat auch einverstanden erklären, die Bücher der Stiftung in einem gewissen Mass zu öffnen. Weigert er sich, kommt unverzüglich der Verdacht auf, er habe etwas zu verbergen. Es wäre ein Rückfall in die Zeiten, als das Verhältnis zwischen der Stadt und dem Stiftungsrat eisig und eine Lösung nicht absehbar war. Doch eine Lösung muss nun her. Die Bevölkerung verliert langsam die Geduld.

philipp.haag@tagblatt.ch