Zehn Umrundungen um die Erde

Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in der Bazenheider Mühlau hat im April ein neues Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen. Es ergänzt die beiden bisherigen aus dem Jahr 2000 und sorgt für eine feststellbare Effizienzsteigerung.

Beat Lanzendorfer
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Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Bazenheid wurde von 1967 bis 1972 erstellt und von 1999 bis 2009 komplett erneuert und ausgebaut. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Bazenheid wurde von 1967 bis 1972 erstellt und von 1999 bis 2009 komplett erneuert und ausgebaut. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

REGION. Ein Blockheizkraftwerk erzeugt unter Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung sowohl elektrische Energie (Strom) als auch thermische Energie (Wärme). Dasjenige in Bazenheid wird mit Klärgas betrieben, welches im Faulturm aus Abfallprodukten (auf der Kläranlage anfallender Frischschlamm) entsteht.

Die Gasmotoren des Blockheizkraftwerks treiben einen Generator an und produzieren elektrische Energie. Die entstehende Abwärme wird für die Beheizung der Gebäude und die Schlammerwärmung genutzt. Dazu Klärmeister Michael Palecek: «Bisher betrug die elektrische Leistung 120 Kilowatt pro Motor, mit dem neuen können 220 Kilowatt produziert werden. Die alten Motoren brauchten 60 m³/h, der neue 90 m³/h Gas, somit erhalten wir Punkto Wirkungsgrad eine Verbesserung von 30 auf 40 Prozent.»

55 Kilometer in der Stunde

Rechnet man die Zeit, in der das Blockheizkraftwerk in Betrieb ist, auf Kilometer um, wären es in der Stunde deren 55. Multipliziert man diese Zahl mit 24 und anschliessend mit 365, ergibt sich die zurückgelegte Strecke im Jahr. Nach Abzug einiger Tage, in denen das Blockheizkraftwerk wegen Revisionsarbeiten nicht in Betrieb ist, ergibt sich der Totalwert von 440 000 Kilometern. Die neue Maschine legt somit jährlich mehr als zehnmal den Erdumfang (rund 40 000 Kilometer) zurück. Die Gesamtkosten des neuen Blockheizkraftwerks betragen rund 800 000 Franken. Sie liegen im budgetierten Bereich.

ARA ist autark

Laut Michael Palecek ist die ARA dank Effizienzsteigerung und Energieeinsparungen mittlerweile autark, also eigenständig, und so weit, dass sie mehr Strom produziert, als sie selber benötigt. «Wir sind bei etwa 114 Prozent. Die Norm bei Kläranlagen liegt bei rund 60 Prozent. Natürlich beziehen wir in Spitzenzeiten weiterhin Strom von der RWT (Regionalwerk Toggenburg), unter dem Strich erwirtschaften wir aber einen Gewinn, indem wir dem Energielieferanten Strom verkaufen können», erklärt der Klärmeister. Ertragssteigernd wirkt sich im besonderen die Optimierung der Faulturmbewirtschaftung aus. «Wir arbeiten eng mit der Micarna zusammen, die uns Flotat aus Produktionsabfällen und Schweineblut des Schlachtbetriebs (SBAG) liefert, was im Faulturm zur Gaserzeugung beiträgt», erklärt Michael Palecek weiter.

Grosse Vielfalt

Blockheizkraftwerke gibt es in vielen verschiedenen Variationen, wobei diese sowohl nach Leistung, nach verwendetem Brennstoff als auch nach der Technik der Energieumwandlung unterschieden werden. Hinsichtlich des Brennstoffes kommen Erdgas, Flüssiggas, Biogas, Klärgas, Heizöl, Biodiesel, Holzpellets, Hackschnitzel und Wasserstoff zur Anwendung. Im Toggenburg betreiben nebst der ARA in Bazenheid die Abwasserreinigungsanlagen in Wattwil, Bütschwil-Ganterschwil, Nesslau, Neckertal und Ebnat-Kappel Blockheizkraftwerke, um Strom und Wärme zu erzeugen. Ähnliche Systeme kommen auch beim Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) sowie beim Holzwärmeverbund in Nesslau zur Anwendung.

Der Motor des neuen Blockheizkraftwerks der Abwasserreinigungsanlage in Bazenheid läuft seit April.

Der Motor des neuen Blockheizkraftwerks der Abwasserreinigungsanlage in Bazenheid läuft seit April.

Michael Palecek Klärmeister ARA Bazenheid

Michael Palecek Klärmeister ARA Bazenheid