Zangengeburt «neuer Marktplatz»: Realisierung in fernere Zukunft gerückt

Zu hohe Kosten, Überarbeitung des Vorprojekts, Priorisierung des Hochwasserschutzes: Flawils neuer Marktplatz rückt in die Zukunft.

Andrea Häusler
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Der Marktplatz nach der Idee der Schmid Landschaftsarchitekten/Esch Sintzel Architekten Zürich, den Gewinnern des Studienauftrags. (Visualisierung: PD)

Der Marktplatz nach der Idee der Schmid Landschaftsarchitekten/Esch Sintzel Architekten Zürich, den Gewinnern des Studienauftrags. (Visualisierung: PD)

«Im Herbst 2019 oder im Frühling 2020 soll der Baukredit für Tiefgarage, Kulturhaus und Marktplatz zur Abstimmung kommen.» Vom Zeitplan, der noch im Herbst 2018 kommuniziert worden war, hat man sich inzwischen meilenweit entfernt. Nach Vorliegen des Vorprojekts steht der Gemeinderat im aktuellen Mitteilungsblatt fest: «Das Projekt hat zu viel Speck angesetzt und ist aus Sicht des Rats so kaum mehrheitsfähig.» Die Arbeit geht zur Überarbeitung an die Planer zurück.

In Franken quantifizieren will der Rat den Umfang des Speckpolsters nicht. Ohnehin gibt sich die Behörde in Bezug auf die Offenlegung von Zahlen zurückhaltend. Zwischen dem Entscheid, die Neugestaltung des Marktplatzes voranzutreiben (Sommer 2015) und dem Status quo liegen nicht nur knapp fünf Jahre, sondern mehrere Projektentwicklungsschritte: die Machbarkeitsstudie, das von der Fachhochschule St.Gallen begleitete Partizipationsverfahren und der daraus resultierende Grundlagenbericht sowie das nun vorliegende (und inzwischen zur Überarbeitung/Kostenoptimierung zurückgewiesene) Vorprojekt mit Kostenschätzung. Weder zu den zwischen 2015 und heute aufgelaufenen Planungskosten noch zur Höhe der mit dem Vorprojekt eingereichten Kostenschätzung werden Angaben gemacht.

Parkhaus Westausfahrt: Keine Alternative

«Da das Vorprojekt noch nicht abgeschlossen ist, macht es wenig Sinn, die damit verbundenen Kosten zu nennen», sagt Flawils Informationschef, Markus Scherrer, auf Anfrage. Aus demselben Grund seien auch die bisherigen Planungskosten nicht abgerechnet. Immerhin lässt er wissen, dass der Rat für die Optimierung des Vorprojekts einen Nachtragskredit von 50000 Franken gesprochen hat.

Ziel der Projektüberarbeitung sind bekanntlich Kosteneinsparungen. Sieben Millionen Franken sind für die Neugestaltung des Areals an der Magdenauerstrasse im Investitionsbudget eingestellt. Dafür sollen der Marktplatz mit Markthalle gestaltet, das Kulturhaus und eine Tiefgarage gebaut werden. Dass dieser Betrag nicht ausreichen wird, steht seit dem Vorliegen des Gutachtens über die Bodenbeschaffenheit des Platzes ausser Frage. Scherrer sagt denn auch: «Die Bruttokosten werden wohl etwas höher sein.»

Der Marktplatz im Sommer 1980. Mit Ausnahme einiger Bäume und Bauten hat sich kaum etwas verändert. (Archivbild: Wiler Zeitung)

Der Marktplatz im Sommer 1980. Mit Ausnahme einiger Bäume und Bauten hat sich kaum etwas verändert. (Archivbild: Wiler Zeitung)

Hauptgrund dafür sind die bautechnischen Mehraufwände, die für den Bau der Tiefgarage nötig sind. Ein Verzicht auf das unterirdische Bauwerk zugunsten einer Forcierung des Parkhauses bei der Westausfahrt am Bahnhof, für das eine Machbarkeitsstudie der GGA Flawil vorliegt, ist für den Gemeinderat jedoch kein Thema. Markus Scherrer: ««Eine Tiefgarage am Marktplatz soll insbesondere auch Kunden von Fachgeschäften im Zentrum Parkierungsraum bieten, während ein Parkhaus bei der Westausfahrt vor allem von Bahnkunden oder Spitalbesuchern genutzt würde.»

Keine Auflösung der Vorfinanzierung

Die anstehende Optimierung der Arealgestaltung durch die Planer ist die eine Sache. Eine andere ist der Entscheid, den Hochwasserschutz für den Dorfbach und das Tüfibächli vom Marktplatzprojekt loszulösen und mit Priorität voranzutreiben. Die Investitionsplanung sieht für den Sanierungsbereich Reithalle bis Bärenplatz Bruttokosten von 10,77 Mio. Franken vor, von denen 3,75 Mio. zu Lasten der Gemeinde gehen.

Obwohl mit der Bevorzugung des Wasserbauprojekts die Neugestaltung des Marktplatzes weiter in die Zukunft rückt, will der Gemeinderat die vorfinanzierten 3,5 Millionen Franken aus dem Rechnungsgewinn 2017 nicht antasten, beziehungsweise zu Gunsten einer höheren Flexibilität in die Ausgleichsreserve überführen. «Der Rat möchte bei der Neugestaltung des Marktplatzes dranbleiben», begründet Markus Scherrer. Die von der Bürgerschaft genehmigte Vor- finanzierung solle erhalten bleiben. Auf einen Zeithorizont bis zur Abstimmung über das Hochwasserschutz oder das Marktplatzprojekt will sich Scherrer nicht festlegen.

Schon im Frühjahr 1981 sollte abgestimmt werden

«Was soll aus dem Marktplatz werden?» So titelte die Wiler Zeitung in der Ausgabe vom Dienstag, 10. Juli, 1979. Die Frage blieb unbeantwortet – bis vor Kurzem. Trotz des fortschrittlichen Vorgehens des Gemeinderats, der die Bevölkerung damals schon zur Mitwirkung eingeladen, Ideen gesammelt und Anregungen aufgenommen hatte. «Soll’s ein Parkplatz sein, eine Fussgängerzone, ist eine unterirdische Nutzung denkbar, gehört das Häuschen noch dahin?» Über derlei Fragen brüteten die Wettbewerbsteilnehmer, eruierten Varianten, präsentierten Lösungen. Der Zeitplan war ambitiös: Bis im Herbst des Folgejahrs sollte ein Projekt erarbeitet sein, im Frühjahr 1981 über den Baukredit abgestimmt werden. Es kam anders. Zwar hatten 17 Personen ihre Anregungen eingereicht und war eine Bürgerumfrage dazu lanciert worden – umgesetzt wurde bekanntlich nichts. (ahi)