Yvonne und Franz Dähler haben vor zehn Jahren in Niederuzwil eines der ersten B&B der Region eröffnet

Das Ehepaar Dähler schätzt und braucht den Kontakt zu Menschen aus aller Welt. Deshalb haben sie das B&B Säntis eröffnet. Eine Entscheidung, die sie nie bereut haben.

Zita Meienhofer
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Yvonne und Franz Dähler sitzen für einmal selber am Frühstückstisch, der an anderen Tagen für ihre Gäste reserviert ist. (Bild: Zita Meienhofer)

Yvonne und Franz Dähler sitzen für einmal selber am Frühstückstisch, der an anderen Tagen für ihre Gäste reserviert ist. (Bild: Zita Meienhofer)

In einer Radiosendung erzählt eine Bäuerin aus dem Aargau, wie sie die einst von Angestellten benutzten Zimmer heute als Gästezimmer anbietet. «Das ist es», denkt sich Franz Dähler aus Niederuzwil. Er, der unterwegs ist, ruft seine Frau Yvonne an und erzählt ihr von dieser Idee. Sie, die ihre Ausbildung im Hotelfach absolviert hatte, ist alles andere als abgeneigt. Für die drei Zimmer, die Dähler, als er noch sein Car-Reise-Unternehmen führte, für das Personal benötigte, findet er nun eine neue Verwendung.

Yvonne Dähler informiert sich, was nötig ist, um eine Bed-and- Breakfast-Unterkunft anbieten zu können. Sie stosst dabei auf die Organisation B&B Schweiz, die unter dem gleichen Namen eine Website betreibt, auf der die Unterkünfte aufgelistet sind. Dählers definieren den Standard, den sie anbieten wollen – vier Sterne – und werden später von B&B Schweiz entsprechend geprüft und zertifiziert. Bei B&B Schweiz seien sie in guten Händen, sagt Yvonne Dähler, das Unternehmen kontrolliere nicht nur die Unterkünfte, sondern machen auch auf negative Gäste aufmerksam. «Sie sind sehr seriös.» Für die Dienstleistung der Organisation bezahlen Dählers jährlich 400 Franken.

Erlebtes mit den Gästen bleibt in Erinnerung

Seither sind fast zehn Jahre vergangen. «Wir gehörten zu den Ersten, die ein B&B in der Region Uzwil eröffnet hatten», sagt Franz Dähler heute. Spätere B&B-Gründer holten sich bei ihnen Rat. Dählers B&B wird weniger von Touristen aufgesucht als vielmehr von Personen, die in Uzwil tätig sind. «Es sind höchstens einmal Velofahrer, die hier nächtigen», sagt Yvonne Dähler. Das ist auch der Grund, weshalb sie nicht auf www.booking.com zu finden sind. «Das ist nicht nötig.»

Ihre Unterkunft buchten in den vergangenen Jahren vor allem Lehrpersonen der Dachdeckerschule, Personen, die in Uzwils Industriebetrieben arbeiten und eine Schlafstätte benötigten, oder Fachleute, die mit der Revision der Furka Dampflokomotiven beschäftigt waren. Mit den «Furka-Bähnlern» teilen Dählers ein ganz besonderes Erlebnis. Sie begleiteten ihre Gäste, als diese im vergangenen Juni die revidierte Dampflokomotive nach Realp brachten. «Wir waren die Ersten in Realp, die dort auf dem Platz standen und den blinkenden Tross heranfahren sahen», schwelgt Franz Dähler in Erinnerung.

Die Teilnehmer der Schweizer Mei

Den Kontakt zu den Gästen, die Diskussionen am Abend im Garten oder am Küchentisch, den schätzen Dählers sehr. Es sei spannend Menschen aus der ganzen Welt als Gäste zu haben, auch wenn es hin und wieder mit der Verständigung nicht ganz klappt. Dählers geben aber auch klar zu verstehen:

«Nicht alle suchen den Kontakt, was für uns kein Problem ist.»

Gerne erinnern sie sich auch an die Teilnehmenden der Schweizer Meisterschaft der Ballonfahrer. Dählers waren am Start in Sitterdorf dabei und bei der Landung am Bettenauer-Weiher. «Das war ein unglaubliches Bild, all die Ballone am Himmel, die zur Landung ansetzten. Zudem war das Licht speziell», erinnert sich Yvonne Dähler.

Hochwertige Qualität und regionale Produkte

Dählers Unterkunft mit drei Doppelzimmern, einem Badzimmer sowie einem zusätzlichen WC ist zu 80 Prozent ausgebucht, Hochbetrieb herrscht in den Monaten Juni, September und Dezember. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist das B&B Säntis, wie es Dählers getauft haben, geschlossen. Im Januar läuft nicht viel, dann verreist das Paar öfters in die Ferien.

Yvonne Dähler legt viel Wert auf qualitativ hochwertige, regionale Produkte. Auf dem Frühstückstisch finden die Gäste deshalb vorwiegend Bioprodukte oder solche von örtlichen Anbietern. Yvonne Dähler hat in den vergangenen Jahren festgestellt, dass ein Frühstück immer weniger gefragt wird. «Öfters reicht einfach ein Kaffee.» Qualität schätzt sie nicht nur beim Essen, sondern auch bei der Bettwäsche. Die mit Edelweiss verzierten Decken und Kissen sind von erstklassiger Qualität, ohne chemische Fasern und in der Schweiz produziert. Ihr bereitet es auch Freude, mit Details das Übernachten in ihren Räumen wohnlicher zu machen.

Schliesslich stellt Franz Dähler klar, dass mit einem B&B nicht das grosse Geld verdient werden kann. Das ist auch nicht der Grund, weshalb sie die drei Zimmer vermieten. Als er noch als Car-Unternehmer tätig gewesen sei, habe er mit vielen Leuten zu tun gehabt, konnte sich austauschen.Er sagt:

«Ich dachte jeweils, dass ich nach der Pensionierung ein Beizli eröffnen werde.»

Aus dieser Idee ist nun das B&B Säntis entstanden. Ein Entscheid, den weder er noch seine Frau jemals bereut hatte.