Würde und Bürde mit Zeitzeugen

UZWIL. Die Gemeinde Uzwil revidiert ihre Schutzverordnung. Sie lud Eigentümer und die Bevölkerung zu einer Orientierung ein. Es zeigte sich, dass der Erhalt von historisch wertvoller Bausubstanz ein komplexes und emotionales Thema ist.

Urs Bänziger
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Die ehemaligen Arbeiterhäuser aus Sichtbackstein an der Ziegelgasse in Niederuzwil gehören neu zu den Ortsbildschutzgebieten. (Bilder: Urs Bänziger)

Die ehemaligen Arbeiterhäuser aus Sichtbackstein an der Ziegelgasse in Niederuzwil gehören neu zu den Ortsbildschutzgebieten. (Bilder: Urs Bänziger)

UZWIL. Eine historische Altstadt wie Wil oder Bischofszell hat Uzwil nicht zu bieten. Dennoch gibt es auch hier bedeutende und erhaltenswerte Zeitzeugen. Deshalb hatte die Gemeinde in den 1990er-Jahren eine Schutzverordnung erstellt, die jetzt überarbeitet wird. Betroffene Hauseigentümer und auch die Bevölkerung waren am Mittwochabend zu einer Orientierung in den Gemeindesaal eingeladen, an der Gemeindevertreter und Fachleute über den Stand der Revision informierten.

Heinz Pantli, Experte in Kunstgeschichte und Archäologie, und der stellvertretende Leiter des kantonalen Amtes für Kultur, Moritz Flury, holten in ihren Ausführungen weit aus und wollten die geschichtliche Entwicklung Uzwils vom Bauerndorf zum Industrieort aufzeigen, doch das interessierte nicht alle Besucher.

Verärgerter Teilnehmer

Ein älterer Herr verliess vorzeitig wutentbrannt die Versammlung und meinte, man solle endlich zur Sache kommen. Andere folgten ihm. Was die Zuhörer tatsächlich interessierte, zeigten ihre Fragen. Wie sehr man als Eigentümer eines geschützten Objektes bei Bauvorhaben eingeschränkt sei, wollten sie von den Referenten wissen, und was man innerhalb eines Ortsbildschutzgebietes machen dürfe und was nicht? Abschliessende Antworten gaben die Fachleute keine. Innerhalb eines Ortsbildschutzgebietes gebe es kein Bauverbot und dürften auch Neubauten erstellt werden, erklärten sie den Besuchern. Berücksichtigt werden müsse aber, dass gewachsene Strukturen, Zusammengehörigkeit und auch die Qualität eines Ortsbildes erhalten bleibe. Weitreichender sind die Einschränkungen bei geschützten Einzelobjekten. Da nehmen Gemeindebehörde und Kanton nicht nur bei Veränderungen an Fassade und Umgebung Einfluss, sondern bei historisch-wertvoller Bausubstanz auch im Innern eines Gebäudes.

Das kann so weit gehen, dass ein Hausbesitzer alte Fenster nicht einfach so ersetzen kann, wie er möchte, und bei einem Neuanstrich die Farbwahl genehmigen lassen muss.

Erhöhte Bewilligungspflicht

Eigentümer von in der Schutzverordnung aufgeführten Objekten und Gebieten hätten eine erhöhte Bewilligungspflicht, aber auch eine verstärkte fachliche und frühzeitige Beratung und kämen in den Genuss von finanzieller Unterstützung, wenn sie in den Erhalt von historischer Bausubstanz investieren, wurde weiter erklärt.

Obwohl die revidierte Schutzverordnung der Gemeinde Uzwil noch nicht in Kraft ist, lassen Reaktionen und Fragen an der Orientierungsversammlung darauf schliessen, dass die damit verbundenen Auflagen Emotionen schüren.

Geschütztes Objekt: Das alte Felsegg-Kraftwerk in Henau.

Geschütztes Objekt: Das alte Felsegg-Kraftwerk in Henau.

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