Worte, Pralinen und ein Gemälde

Sechs Kandidatinnen und Kandidaten sind für den Prix Courage des «Beobachters» nominiert. Am Freitag, 30. Oktober, wird der mit 15 000 Franken dotierte Preis in Zürich verliehen. Dabeisein wird auch Erna Niedermann aus Flawil.

Andrea Häusler
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Bianca Koller …half Ebola- und Erdbebenopfern in Sierra Leone und Nepal

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FLAWIL. Zivilcourage hat viele Facetten. Das zeigen die Kandidatinnen und Kandidaten, die für den Prix Courage 2015 nominiert worden sind. Allen aber ist gemein, dass sie die eigenen Interessen zugunsten anderer zurückgestellt haben. Zwei Nominierte haben dabei gar ihr Leben riskiert. Zu ihnen zählt die Flawilerin Erna Niedermann, die im Frühsommer zwei junge Asylbewerberinnen aus Eritrea vor dem Ertrinken in der Thur gerettet hat. Am 30. Oktober wird sie, mit fünf weiteren Nominierten, im Zunfthaus zur Saffran in Zürich geehrt und der Preisverleihung vor Ort beiwohnen.

Eigentlich zwei Flawilerinnen

Zunächst habe sie gezaudert, sagt die 70-Jährige, auf die Preisverleihung angesprochen. Fast ein bissen peinlich sei ihr der ganze Rummel gewesen. Jetzt aber freue sie sich auf den Anlass. Unabhängig davon, wer den Preis erhält: «Alle haben etwas Gutes getan, selbstlos Mitmenschen geholfen oder ohne Rücksicht auf Nachteile der Gerechtigkeit zum Durchbruch verholfen: ich werde den Abend geniessen und mich überraschen lassen.» Speziell findet sie die Tatsache, dass sich neben ihr eine zweite Flawilerin für den Preis empfohlen hat. «Bianca Koller lebt zwar in Dietschwil, ist aber in Flawil aufgewachsen», erzählt sie. Ihre Eltern wohnten nach wie vor in Riedern.

Viele Reaktionen

Erna Niedermann ist seit ihrem beherzten Hilfsaktion an der Thur bei Oberbüren im Dorf bekannt wie ein bunter Hund. Oft habe man sie angesprochen, nachdem die Rettungsaktion über die Medien publik gemacht worden sei, sagt sie und erzählt von einem Spaziergang im Rehwald und dem Zusammentreffen mit einem asiatischen Paar: «Die jungen Leute hatten mich auf TVO gesehen.» Andere Menschen hätten ihr spontan auf der Strasse gratuliert, ehemalige Klassenkameraden hätten sich gemeldet, und ein Nachbar habe ihr Pralinen und eine Dankeskarte überreicht. «Es gab viele nette Begegnungen.» So auch der Kontakt mit der betagten Frau aus dem Wohn- und Pflegeheim, die ihr gratuliert und dann ein selbstgemaltes Bild in die Hände gelegt habe. Am meisten gefreut hat Erna Niedermann jedoch der Besuch von Fiyori, dem 17jährigen Mädchen, das sie aus der Thur geborgen hatte. «Es war ihr Wunsch, sich persönlich und mit einem Blumenstrauss bei mir zu bedanken.» Später seien Gegenbesuche im Thurhof, Oberbüren, und ein aus Fotos gestaltetes Erinnerungsbild dazugekommen.

Geschenk an sich selber

Mit der Rettung der beiden Eritreerinnen hat die Rentnerin nicht nur zwei Menschen vor dem Ertrinken bewahrt, sondern auch sich selber ein Geschenk gemacht. Das sei ihr erst im nachhinein bewusst geworden. «Das Wissen, in entscheidenden Momenten über mich hinauszuwachsen zu können, hat mir einen regelrechten Kick gegeben: Ich fühle mich seither so gut wie lange nicht mehr.»

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Erna Niedermann mit Hund Nico am Ort der Rettung. (Bild: Urs Bänziger)

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