Wohnung angezündet - Mieter festgenommen

Der Brand in einer der Dach-Maisonettewohnungen im Haus 12c an der Wilenstrasse in Uzwil hat am Donnerstag einen Schaden von mehreren hunderttausend Franken verursacht. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Andrea Häusler
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Die 6 1/2-Zimmer-Maisonette-Wohnung war an eine fünfköpfige Familie vermietet. (Bild:kapo)

Die 6 1/2-Zimmer-Maisonette-Wohnung war an eine fünfköpfige Familie vermietet. (Bild:kapo)

Kurz vor 18.30 am Donnerstagabend. Die Mieter der Gartenwohnung haben es sich um den Grillplatz gemütlich gemacht. Kinder spielen auf dem Rasen. Ein kleines Mädchen schlägt ein Rad. Dann sieht es den Rauch, der aus dem Elternzimmer der Maisonettewohnung im dritten Stock tritt. Nun geht alles schnell: die Alarmierung, aber auch der Einsatz der Uzwiler Feuerwehr, die mit einem rund 50-köpfigen Trupp ausgerückt ist. Tatsächlich gelingt es ihr zu verhindern, dass die weiteren fünf Wohnungen nennenswert Schaden nehmen – weder durch das Feuer noch durch das Löschwasser. Die Bewohner der Liegenschaft sind sich bewusst: Sie hatten riesiges Glück.

Schwarzer Russ und weisses Pulver

Nichtsdestotrotz wirkt tags darauf der Schrecken nach. Mieterinnen und Mieter des Mehrfamilienhauses nördlich des Neuhof-Schulhauses verarbeiten das Erlebte im verbalen Austausch: am Fenster oder im Hausflur, wo sich der Brandgeruch in Wände und Böden gefressen hat. Theo Seger, Vater des ehemaligen ZSC-Lions Verteidigers und Nationalspielers Mathias Seger und Teammanager der 1. Mannschaft des EHC Uzwil, steht im Werkraum neben dem Garagentrakt. Er wohnt hier und weiss: Der Mieter, laut Polizei der mutmassliche Brandleger, hatte mit Drogen zu tun.

Theo Seger, Vater des ehemaligen ZSC-Lions Verteidigers und Nationalspielers Mathias Seger sowie Teammanager der 1. Mannschaft des EHC Uzwil hat die Feuerwehr aufgeboten. (Bilder: Andrea Häusler)

Theo Seger, Vater des ehemaligen ZSC-Lions Verteidigers und Nationalspielers Mathias Seger sowie Teammanager der 1. Mannschaft des EHC Uzwil hat die Feuerwehr aufgeboten. (Bilder: Andrea Häusler)

«Genau da», sagt er und weist auf die Schleifmaschine, mit denen er die Kuven der Hockeystiefel bearbeitet, «habe ich schon weisses Pulver gefunden.» «Die Analyse habe alle Zweifel ausgeräumt: «Es war Kokain.»

Drogen, Job-Verlust, Beziehungsprobleme

Die familiären Probleme des Vaters von drei Kindern im Vorschul-, beziehungsweise Unterstufenalter und seiner Frau sind im Haus bekannt seit die Familie vor rund einem Jahr hierher gezogen war. Man weiss um den Job-Verlust des ehemaligen Bühler-Angestellten und die heftigen Streitereien, die oft über die Etagen hinweg hörbar waren. Vor einigen Monaten sei ein Fernsehgerät aus dem Fenster geflogen, und vor kurzem seien zwei Blumentöpfe auf dem Rasen gelandet, ist zu vernehmen.

Auch am Donnerstagabend soll es zwischen den Eheleuten wieder ordentlich gekracht haben. Allerdings nicht in der Wohnung, sondern in der Waschküche im Erdgeschoss. Während die Frau weggegangen sei, habe sich der Mann, ein Schweizer mit karibischen Wurzeln, in die Familienwohnung begeben, weiss Theo Seger.

Amtlich versiegelt: die Wohnung im Dachgeschoss der Liegenschaft Wilenstrasse 12c.

Amtlich versiegelt: die Wohnung im Dachgeschoss der Liegenschaft Wilenstrasse 12c.

Was dort geschah, ist Gegenstand der Ermittlungen der Kantonspolizei, heisst es in deren Medienmitteilung. Und weiter: «Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen eröffnete eine Untersuchung und führt die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei St. Gallen und dem Kompetenzzentrum Forensik, welches den genauen Brandhergang untersucht.»

Fest steht hingegen, dass sich die Löscharbeiten in der Wohnung schwierig gestaltet haben. Die Räume, insbesondere der Gang, waren mit verpacktem Mobiliar- beziehungsweise gepackten Haushaltuntensilien zugestellt. Denn die Familie hatte die Wohnung gekündigt. Der Umzug war für nächsten Dienstag geplant. Die schul- und vorschulpflichten Kinder haben das neue Schuljahr bereits am neuen Wohnort begonnen und dafür vorübergehend bei den Grosseltern Wohnsitz genommen.

Vor verschlossenen Türen

Gegen Mittag gewinnen im Haus die alltäglichen Verpflichtungen und Abläufe überhand. Eine Mutter holt ihre Tochter vom Kindergarten ab und Theo Seger behändigt Schaufel und Besen, um die wenigen noch sichtbaren Restanzen des Feuers – Russ und Scherben – von der Gartentreppe zu fegen. Die Wohnung im Dachgeschoss ist polizeilich versiegelt.

Irgendwann biegt ein Lieferwagen in den Besucherparkplatz ein. Ein Mann steigt aus, erkundigt sich nach T., der von der Polizei festgenommen worden war. Sein Gesicht ist den Hausbewohnern bekannt. Er sei schon öfter hier aufgetaucht, weiss eine Frau und zieht hastig die Haustür ins Schloss. «Bei T. hat’s gebrannt», sagt Theo Steger trocken. Der junge Mann blickt ungläubig, zögert einen Augenblick und zieht dann ab.